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Grüne Hülle: Kö-Bogen II

16.07.2020

Europas Größte Grünfassade: In Düsseldorf sorgt der neu errichtete "Kö-Bogen II“ mit seiner Hainbuchenfassade für ein angenehmes Mikroklima

von Karin Bornett

Düsseldorfs Zentrum hat ein neues Highlight und ist nun Heimat der größten Grünfassade Europas. Kompositorisch seien die begrünten, dynamischen Fassaden des Kö-Bogens der Land Art entlehnt. „Sie lassen den neuen Gebäudekomplex in einer bewussten Unbestimmtheit zwischen Stadt und Park changieren und eröffnen den freien Blick auf die Ikonen der Nachkriegsmoderne“, erklären die Architekten und meinen damit „die klare Strenge des Dreischeibenhauses“ aus dem Jahr 1960 und die „beschwingte Leichtigkeit“ des sanierten Schauspielhauses von 1970, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft in Düsseldorfs Mitte befinden. Für die Pläne des Kö-Bogens verantwortlich zeichnen ingenhoven architects, entwickelt wurde das Projekt von der Investorengemeinschaft Centrum und B&L Gruppe. Insgesamt umfasst der zweiteilige Neubau inklusive Tiefgarage mehr als 60.000 Qua­dratmeter Bruttogeschoßfläche. Das trapezförmige Hauptgebäude besteht aus fünf Geschoßen und bildet zusammen mit seinem kleineren, dreieckigen Gegenüber einen dynamischen Zugang zum Gustaf-Gründgens-Platz. Das Ensemble ermöglicht verschiedene Nutzungen von Einzelhandel, Gastronomie und Büro bis Erholung.

Acht Kilometer Hecke
Während die 27 Meter hohe und 120 Meter lange Fassade des Hauptgebäudes entlang der Schadowstraße, eine der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands, sowie die zwei Seitenwände des kleineren Gegenübers vollends verglast sind, sind alle anderen Fassaden und das Dach mit insgesamt acht Kilometern Hainbuchenhecke bepflanzt. Auch das begehbare Schrägdach des gegenüberliegenden, zehn Meter hohen Baukörpers ist gänzlich begrünt. Mit der Hainbuche haben sich die Planer für eine heimische Pflanze entschieden, deren Blattwerk im Laufe der Jahreszeiten verschiedene Farbakzente setzt und den Besuchern ein Stück Natur näherbringt. Zusammen mit dem Botaniker Karl-Heinz Strauch von der Beuth Hochschule für Technik, Berlin, haben ingenhoven architects ein umfassendes phytotechnologisches Konzept entwickelt und mittels einer Probeaufstellung getestet. „Basierend auf einer genauen Analyse des Standortes wurden die bautechnischen Anforderungen definiert, wie Größe und Art der Pflanzgefäße bei 1,3 Meter hohen Hecken, ein Konzept für die Wasser- und Nährstoffversorgung, die Pflege der Pflanzen sowie den regelmäßigen Beschnitt“, erklären die Projektpartner. „Der positive Effekt der Pflanzenhülle aus Hainbuchen für das innerstädtische Klima ist nicht zu unterschätzen. Nach unseren mehrjährigen Untersuchungen kennen wir das Wachstum der Pflanzen in diesem speziellen Pflanzsystem, ihre Bedürfnisse ebenso wie die ökophysiologische Leistungsfähigkeit. Dabei war der Wasser- und Wärmehaushalt der Laubfläche von besonderem Interesse ebenso wie die Frage nach der CO₂-Aufnahme. Wir wissen nun, dass allein die Pflanzenhülle der Fassade eine Laubfläche von 30.000 Quadratmetern haben wird, das entspricht einer Größe von mehr als vier Fußballfeldern. Mindestens. Damit ist das Gebäude ein großer Energiewandler: Fast die Hälfte der Sonnenenergie wird in Wasserdampf umgewandelt. Die Umgebungsluft wird befeuchtet und nicht beheizt. Gebäude wie diese schließen die typisch urbane Lücke im natürlichen Wasserkreislauf. Für das Stadtklima ist das – neben anderen Effekten – besonders wichtig und wirksam“, ergänzt der Phytotechnologe Karl-Heinz Strauch. Das Dach des Kö-Bogen II wurde nach konventioneller Methode, also als Ballenware in Pflanzenbeeten, begrünt. In einem speziellen Begrünungssystem aus horizontal angeordneten Behältern wachsen die Hecken an den nord- und westwärts ausgerichteten Fassaden an einer separaten, fest mit der Fassade verbundenen Tragstruktur. Die Pflanzen wurden vor vier Jahren in einer Baumschule in Kübel gesetzt – unter möglichst gleichen Bedingungen wie an deren späteren Position an der Fassade. Um die Pflege der Pflanzen kümmert sich in Zukunft die Wuppertaler Firma Leonhards, die die Hainbuchen unter anderem etwa zwei- bis dreimal im Jahr auf rund 1,30 Meter Höhe schneiden wird.

Paradigmenwechsel
Die sogenannte Deckelbauweise ermöglichte den Bau des komplexen Vorhabens in nur knapp drei Jahren. So wurde nach Abbruch der vorhandenen Tiefgarage eine 17 Meter tiefe Schlitzwandbaugrube ausgehoben. 98 in Schlitzwandbarette eingestellte Primärstützen sorgten gemeinsam mit zwei Betondeckeln dafür, dass gleichzeitig nach oben und nach unten gebaut werden konnte. Mit der Fertigstellung des Kö-Bogen II am Gustav-Gründgens-Platz findet die umfangreiche städtebauliche Neugestaltung in Düsseldorfs Mitte ein Ende. Wichtige Etappen dieses Stadterneuerungsprozesses waren zum Beispiel Daniel Libeskinds 2013 realisierter Kö-Bogen und der Abriss der „Tausendfüßler“ genannten Hochstraße im selben Jahr. „Der Kö-Bogen II bildet den Abschluss einer umfangreichen städtebaulichen Neugestaltung im Zentrum von Düsseldorf – einem Ort, der noch bis vor einigen Jahren von einer Hochstraße dominiert war. Für mich steht dieses Gebäude für einen Paradigmenwechsel: Aus städtischer Per­spektive für die Abkehr vom automobilen Zeitalter und die Hinwendung zum Menschen als Maßstab. Mit Europas größter Grünfassade bietet der Kö-Bogen zugleich eine Antwort der Städte auf den Klimawandel“, sagt Architekt Christoph Ingenhoven. Jürgen Mentzel, Leiter der Projektentwicklung der Centrum Gruppe, ist überzeugt: „Wir schaffen mit dem Kö-Bogen II nicht nur ein herausragendes Gebäude mit einer stadtbildprägenden Architektur und exzellenten Einzelhandelsflächen, sondern setzen zugleich ein sehr umfassendes und attraktives Grünkonzept um.“ 2018 erhielt der Neubau das DGNB Vorzertifikat in Platin.

Autor/in:
Karin Bornett
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