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Ingo Maurer (1932-2019)

23.10.2019

Der Lichtmagier Ingo Maurer ist tot. Er verstarb am 21. Oktober 2019 im Alter von 87 Jahren in München im Kreis seiner Familie.

Seine Leuchten und Lichtobjekte gelten als wegweisend. Zu seinen bekanntesten Objekten zählen neben seinemn Erstlingswerk „Bulb“ (1966), das Niedervolt-Halogen-System „YaYaHo“ (1984, Ingo Maurer und Team), die geflügelte Glühbirne „Lucellino“ (1992), die Pendelleuchte „Zettel’z“ (1997), „One From The Heart“ (1989) und „Porca Miseria!“ (1994). In den Sammlungen der wichtigsten Museen der Welt wie im Museum of Modern Art in New York finden sich seine Entwürfe. Eine Ausstellung, die gerade in der Pinakothek der Moderne in München vorbereitet wird, bietet nunmehr posthum ab November Einblicke in sein Werk. Maurer hat zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und den Compasso d'Oro für sein Lebenswerk.

Ingo Maurer war wichtiger Vorreiter in der Entwicklung und Verwendung neuester Lichtinnovationen: Die Glühbirne verehrte er und hatte sie als „ideale Symbiose von Poesie und Technik“ bezeichnet. In den 1980ger Jahren entwickelte er Niedervolt-Halogen-Systeme. Bereits im Jahr 2001 produzierte er die erste LED-Schreibtischlampe, OLEDs verwendet er ab 2006. Bis in die Gegenwart wurde das Potenzial, das die LED-Technologie bietet, von Ingo Maurer immer wieder gefordert, vielseitig und kreativ im Sinne der bestmöglichen Lichtwirkung eingesetzt.

Schon früh führte ihn sein offener Geist ins Ausland. Auf der Insel Reichenau am Bodensee geboren, war er nach einer Lehre als Schriftsetzer und einem Studium der Gebrauchsgraphik 1960 in die USA gegangen, wo er bis 1963 als freier Grafiker tätig war. Nach seiner Rückkehr nach München führten ihn seine zahlreichen Reisen nach Japan, Brasilien und in andere Länder – und immer wieder in die USA. Seit über 40 Jahren lebte er auch in New York. Zu der pulsierenden Metropole hatte er seit den 1960ger Jahren ein ganz besonderes Verhältnis. „Zuhause? Zuhause ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle und der mich inspiriert. Das kann in New York, Paris, Tokio, Sao Paulo oder auch in München sein“, betonte er gerne. „Zuhause bin ich, wenn ich bei guten Freunden bin. Ich brauche die Provokation. Das gibt mir Kraft, um kreativ sein zu können.“

In der Designerei in München-Schwabing entwickelte er gemeinsam mit seinen langjährigen Mitarbeitern ikonenhafte Leuchten an der Schnittstelle zwischen Gebrauchs- und Kunstobjekt. Die besondere Mischung aus Poesie und Technologie, pointiert mit einem ironischen Augenzwinkern ist ein Merkmal, das Ingo Maurers Design auszeichnet. Entwicklungsprozesse verliefen spielerisch, unkonventionell, immer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Lösung. Kleinste Details wurden durchdacht und am Modell diskutiert. Im Ergebnis galt es, die besondere Lösung zu finden, die gleich einer spontanen Skizze durch ihre Leichtigkeit besticht und den Menschen berührt. Immer wieder werden auch die Nutzer gleich beim Aufbau der Leuchte einbezogen und wie bei „Zettel’z“ (1997) zum mitgestalten eingeladen. „Zuerst entsteht in meinem Kopf die Idee von einem Objekt – wie ein Traumgebilde. Erst im nächsten Schritt suche ich gemeinsam mit meinem Team nach Wegen für die Realisierung. Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis die technischen Entwicklungen unsere Vorstellung möglich machen“, beschrieb er den kreativen Prozess. Um diese Vision kompromisslos umsetzen zu können, beschloss Ingo Maurer bereits 1966, selbst zu produzieren, so dass auch die Herstellung kleiner Serien möglich wurde. Noch heute werden alle Leuchten in München gefertigt.

Mit Gestaltungsaufträgen im privaten wie öffentlichen Bereich setzte er international Zeichen. Die Beleuchtung der U-Bahn-Stationen „Westfriedhof“ (1998) und „Münchner Freiheit“ (2009) in München sowie das Pendel „Flying to Peace“ für die Messe Frankfurt (2018) sind nur einige Highlights einer langen Liste an Auftragsarbeiten. 2018 schloss er eines seiner facettenreichsten Projekte ab – ein Gesamtkonzept für das Weingut Tsinandali in Georgien. Seine letzte Arbeit die „Silver Cloud“ setzt den Wintergarten des Residenztheaters München in neues Licht.

Familie und Mitarbeiter der Ingo Maurer GmbH nehmen Abschied von einem besonderen Menschen, der inspiriert, gefordert und immer wieder überrascht und über über 50 Jahre Lichtgeschichte geschrieben hat.

www.ingo-maurer.com

 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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