Direkt zum Inhalt
Simon KoySimon KoySimon KoySimon Koy

Ingo Maurers Lichtwolke

12.11.2019

Seit Kurzem beleuchtet die sogenannte „Silver Cloud“, das letzte Werk des kürzlich verstorbenen Lichtmagiers Ingo Maurer den Wintergarten des Residenztheaters München. Eine Leuchtschrift schafft es, die Besucher bereits beim Anblick der Glasfassade in das Innere des Gebäudes hinein zu ziehen.

Das Münchner Residenztheater hatte Ingo Maurer mit dem lichtgestalterischen Konzept des Wintergartens und einer neuen Leuchtschrift beauftragt. Der filigrane, ständig in Bewegung befindliche Lichtkörper ziert nun in exponierter Hängung den luftigen Raum im 1. Stock. Ingo Maurer entwickelte gemeinsam mit seinem Designteam ein neues Lichtkonzept, das die „Silver Cloud“ in eine verheißungsvolle Verbindung mit dem neuen roten LED-Schriftzug an der Glasfassade setzt. Erstmals war die „Silver Cloud“ für die Besucher bereits anlässlich der Uraufführung des Stücks „Die Verlorenen“ am 19. Oktober 2019 zu sehen. Die offizielle Einweihung fand dann ein paar Tage später, am 24. Oktober durch den neuen Intendanten des Residenztheaters, Andreas Beck und das Team von Ingo Maurer statt.

Eine Wolke reflektierender Blätter …
In seinem Entwurf bezieht sich Maurer auf ein Lichtobjekt, das dieser vor 20 Jahren für den Modedesigner Issey Miyake gestaltet hatte: Eine Wolke aus reflektierenden Blättern. Die „Silver Cloud“ rückt die spielerische Realität der Theaterkunst in den Blick. Ihre 3.000 Silberblätter sind in permanenter leichter Bewegung. Dafür sorgen sieben goldfarbene Ventilatoren im Inneren des Objekts, die so angesteuert werden, dass ein „Windhauch“ durch die Wolke geht. Ebenfalls im Inneren ist eine kleine goldfarbene Gitterform angebracht, die der Gestaltung eine leicht asymmetrisches Gewichtung verleiht.

Die „Silver Cloud“ ist rund zwölf Meter lang und von ovaler Form, die sich zu den Seiten verjüngt und an beiden Enden schräg angeschnitten erscheint. Umspannt wird dieses Gehäuse durch ein engmaschiges Stahlgewebe. Dünne Haltefedern tragen Blätter unterschiedlicher Größe und Form. Um die bestmögliche Materialanmutung bei gleichzeitig hoher Reflexion zu erzielen, bestehen die Blätter aus handversilberten Papierbögen, deren Oberflächen versiegelt wurden. Bewusst setzte man versilberte Papiere unterschiedlichen Alters ein, so dass sich die Blätter nicht nur in ihrer Form, sondern auch in der Farbe unterscheiden – von Silber über Gold bis zu Grau- und Braunschattierungen.

... die sanft im Raum schwebt
Rote LEDs strahlen die mit einer speziell angefertigten Künstlerpigmentfarbe in energetischem Rot gehaltene Decke an und verleihen dem Raum ein Licht von besonderer Strahlkraft und Tiefe. Die versilberten Blätter der „Silver Cloud“ fangen den roten Lichtton ein und lassen warme Reflexionen entstehen. Dabei verstärkt die leicht diagonale Anordnung der „Silver Cloud“ den Eindruck ihrer Dynamik. Die Blätter im „Windhauch“ und die eigenwillige Form des Lichtobjekts setzen ein gekonntes Lichtspiel frei, das ganz im Sinne Ingo Maurers ist. „Das Theater versetzt uns in transitorische Augenblicke. Der Beitrag unseres Hauses sollte deshalb als leichte, spontane Skizze im Raum schweben. Die im Bewusstsein der Besucher umso intensiver nachwirkt“, erläutert das Designteam. Mehrere Spots beleuchten die „Silver Cloud“ in einem stimmungsvollen Wechselspiel aus Warmweiß und Kaltweiß. Leistungsstarke weiße LEDs in einem linearen Band schaffen eine zurückhaltende Grundbeleuchtung, die der „Silver Cloud“ als Hauptakteur die Bühne überlässt. 

Neuinterpretation eines zauberhaften Ortes
„Ingo Maurer ist einer der bekanntesten Lichtkünstler und der Grandseigneur unter den Lichtgestaltern unserer Zeit“, erläutert Andreas Beck, der neue Intendant des Residenztheaters. „Seine Lichtkompositionen für öffentliche Räume und Plätze sind hier in München, seinem Zuhause, wie in der ganzen Welt bekannt. Was lag also näher als den Künstler Maurer zu fragen, wie dieser zauberhafte Ort neu interpretiert und erlebbar gemacht werden könnte.“

Die „Silver Cloud“ hat eine Gesamtlänge von über 12 Metern. Die Struktur wurde aus handgebogenem Stahlrohre gefertigt, die verschweißt, lackiert und mit Metallgewebe bezogen wurde. Die zirka 3.000 Blätter sind aus handversilbertem Papier. Im Inneren der goldfarbenen Gitterstruktur sind 7 goldfarbene Ventilatoren montiert, die per Zeitprogramm ansteuerbar sind.

www.ingomaurer.de; www.residenztheater.de
Zum Nachruf von Ingo Maurer: Ingo Maurer
Zur Ausstellungsankündigung  "Ingo Maurer intim: Design or what?" 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
Werbung
Werbung