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Karl Sailer: Der Garten als Naherholungsraum für Genießer

10.03.2020

Karl Sailer gilt seit 40 Jahren als Geheimtipp für die Gestaltung anspruchsvoller Gärten und Sonderprojekte von Wien bis Kitzbühel. Seine Liebe zur Gartengestaltung hat er von seinem Vater, Karl Sailer Senior, Österreichs Pionier für den Naturpoolbau, der ihm 2003 den Familienbetrieb übergeben hat. Seine Privatkunden oder die für die Hotellerie gestalteten Projekte wurden mehrfach ausgezeichnet. Wir haben Karl Sailer im Rahmen der Neugestaltung des Schaugartens in Pöndorf besucht und zum Gespräch getroffen.

Christine Müller im Gespräch mit Karl Sailer

Was macht für Sie den besonderen Reiz bei der Gestaltung eines Gartens aus?

Mein Anspruch ist es, das was ich in der Natur sehe, im Kleinraum eines Gartens umzusetzen, etwa kunstvolle, naturgetreue Wasserfälle. Diese Liebe zum Gestalten wurde im Familienbetrieb, den mein Vater 1980 aufgebaut hat, früh geweckt und gefördert. Ich konnte viel von ihm lernen. Als feinfühliger Beobachter und zielstrebiger Praktiker zugleich versuchte er stets, die „Un-Ordnung“ der Natur nachzuempfinden. Unser Ziel war und ist es, mit einer Komposition aus Pflanzen, fließendem und stehendem Wasser, Naturstein und raffinierter Beleuchtung den Betrachter intuitiv zu berühren. Auf ausgedehnten Reisen nach Asien habe ich meinen eigenen Stil entwickelt. Ich möchte mit meinen Gartenanlagen erweiterte Lebensräume schaffen, in denen man sich vom Alltag erholen und neue Kraft schöpfen kann.

Sind die Wünsche an den idealen Garten nicht sehr vielfältig?

Ja sicher, die Anforderungen an moderne Gärten sind so unterschiedlich wie ihre Besitzer und ändern sich abhängig von der Lebenssituation. Die meisten Menschen lieben die freie Natur, frisches Grün und duftende Blüten. Doch viele leben und arbeiten in urbanen Gebieten, haben wenig Zeit und keinen „grünen Daumen“. Für sie gestalten wir Naherholungsräume, die Freiheit und Intimität zugleich bieten. Dabei gewinnt der Faktor „pflegeleicht“ immer mehr an Bedeutung, um die wenige Freizeit auch genießen zu können.

Wie gehen Sie bei der Beratung vor, wenn sich jemand seine persönliche Wohlfühlzone im Freien wünscht?

Egal ob aus einem üppigen Garten eine pflegeleichte Oase für den Lebensabend werden soll, ein bislang ungenutzter Bereich revitalisiert, der Garten einer Agentur als Komfortzone für Mitarbeiter und Kunden genutzt oder eine Gartenanlage durch Lichtdesign in eine Ganzjahres-Wohlfühloase verwandelt werden soll: für uns kommt immer zuerst das persönliche Gespräch. Dafür nehmen wir uns Zeit und sehen uns gemeinsam vor Ort Lage, Bodenbeschaffenheit, Lichteinfall und Besonderheiten oder den Bestand eines alten Gartens an. In einem zweiten Schritt laden wir die Kunden zu uns nach Pöndorf bei Straßwalchen ein. Bei einem Rundgang durch den Schaugarten werden dann Wünsche und Vorlieben in Bezug auf Pflanzen und Materialien geklärt ebenso wie jene Ansprüche, die das Wohnzimmer im Freien erfüllen soll. Entsprechend der gewünschten Charakteristik entwickeln wir dann daraus gestalterisch interessante Räume und strukturgebende Wege – und liefern auf Wunsch auch alles aus einer Hand.

Gibt es dabei auch Spielraum für Ihren eigenen Stil als Gestalter?

In Form und Charakteristik soll ein Garten immer die Persönlichkeit seiner Besitzer widerspiegeln. Aber natürlich zeichnet sich immer auch die Handschrift des Gestalters ab: etwa in der Verwendung von Naturstein und der Vorliebe für heimische Pflanzen. Zu vielen unserer Gärten gehören individuelle Wasserspiele oder als Attraktion ein Naturpool. Alle zeigen jedenfalls den gleichen Anspruch an höchste Qualität in der Umsetzung und die Liebe zum Detail. Dabei ist es aber nicht wichtig, dass wir uns verwirklichen, sondern dass unsere Kunden ihren Garten als Kraftplatz nutzen und sich das ganze Jahr über an der Schönheit und Vielfalt der Natur aus nächster Nähe erfreuen können.

Nachhaltigkeit spielt in Bezug auf unsere nächste Umwelt eine große Rolle. Inwieweit ist diese für Sie von Bedeutung?

Als Gartengestalter achten wir seit 40 Jahren auf den sorgsamen Umgang mit Boden, Wasser und Pflanzen. Dazu haben wir die Sailermühle liebevoll restauriert. Seither funktioniert sie als „altes Haus mit neuer Technik“ in einem autarken System. Den Strombedarf für das Haus und das gesamte Unternehmen decken wir über die eigene Photovoltaikanlage. Als Mitglied der European Landscape Contractors Association setze ich mich auch auf internationaler Ebene für die Einführung nachhaltiger Trends im Garten- und Landschaftsbau ein. Erfreulich ist, dass das aktuelle Motto der Gartengestaltung „Wilde Schönheit“ geprägt ist vom respektvollen Umgang mit der Natur und deren wertvollen Ressourcen. Unser gestalterischer Ansatz geht dabei vom Groben zum Feinen, kombiniert Ursprünglichkeit und Moderne. So entsteht eine gepflegte Wildnis für Mensch und Tier.

Naturnahes Baden hat in privaten Gärten ebenso Einzug gehalten wie in der gehobenen Hotellerie. Wie sehen Sie diesen Trend?

Ein Naturpool bedeutet einen echten Mehrwert im Garten. Wer nachhaltig baut, setzt beim Baden auf kristallklares Wasser ohne Chemie. Hotels haben biologisch-technische Schwimmteiche längst für sich entdeckt: denn sie bieten ihren anspruchsvollen Gästen gleichbleibend hohe Wasserqualität bei geringem Pflegeaufwand. Das Wasser ist so rein, dass man es trinken könnte, angenehm weich auf der Haut und überzeugt sogar Allergiker. Dazu wird es bei unseren Anlagen durch das spezielle KS Großflächenfiltersystem mikrobakteriologisch über einen Biofilm aufbereitet. Unser Ansatz ist es, die Natur durch sanfte Technik zu unterstützen, um eine gleichbleibend hohe Wasserqualität zu erhalten. Als Mitbegründer der Fachverbände VÖSN (Verband Österreichischer Schwimmteich- und Naturpoolbau) und IOB (Internationale Organisation für naturnahe Badegewässer) steht unser Name seither für höchsten Standard. Auf seine Initiative geht auch die Zertifizierung zurück: das Qualitätssiegel erhalten Mitglieder nur durch eine nachgewiesene jährliche Weiterbildung und strenge Kontrollen ihrer Anlagen durch unabhängige Prüfer. Wir laden Interessenten gerne ein, sich von der hohen Wasserqualität zu überzeugen – bei uns im Schaugarten oder bei ausgewählten Referenzprojekten.

Einige Ihrer Projekte wurden von den Fachverbänden ausgezeichnet, ein Hotelprojekt gleich mehrfach. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

In den letzten Jahren konnten wir einige außergewöhnliche Anlagen verwirklichen: Highlights waren aus meiner Sicht sicher der 517 Quadratmeter große Naturbadsee mit zwei kleineren Teichen und einem Kaskadenwasserfall für das Bio-Hotel „Stanglwirt“ in Going. Dieses Projekt haben wir im Winter 2013 in einer Rekordzeit von nur 4 Wochen im Schichtbetrieb realisiert – ausgezeichnet als Naturpool 2014 mit der höchsten Stimmenanzahl aller bisherigen Prämierungen. Und natürlich der 1.500 Quadratmeter große Kristallsee, der die sechs Chalets des exklusiven Resorts LaPosch umfließt – ausgezeichnet 2017 mit dem Galabau Award und dem VÖSN Fotoaward sowie 2019 für den internationalen PONDY Award nominiert. Unser Erfolgsrezept ist ganz einfach: Freude am Gestalten, handwerkliches Können und unser Motto „Geht nicht, gibt’s nicht!“

Sie sind mitten in der Umgestaltung Ihres Schaugartens. Was dürfen Besucher erwarten?

Unser 20.000 Quadratmeter großer Schaugarten ist nicht nur eine wundervolle Umgebung für unseren Firmensitz. Wir nutzen ihn auch, um Musterlösungen für Gartengestaltung sowie verschiedene Formen von Biotopen, Schwimmteichen und Naturpools zu präsentieren. Für unser 40-jähriges Jubiläum am 4. Juli 2020 gestalten wir den Schaugarten neu: der Pflanzenverkaufsbereich wird terrassiert, mit einer modernen Bewässerungsanlage ausgestattet und dank barrierefreier Wegeführung und Beleuchtung leicht zugänglich. Das Highlight wird eine Naturpoolanlage, die dem neuesten Standard entspricht. Fertigstellung ist Mitte April.

http://www.sailer.at

 

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