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Kommentar: Schweigekultur?

16.05.2018

von Walter M. Chramosta 

Die Europäische Kommission hat für 2018 das Europäische Jahr des Kulturerbes bzw. European Year of Cultural Heritage (EYCH) ausgerufen. Österreich (https://www.kultur-erbejahr2018.at/de/) zeigt eine Sammlung von 85 Projekten und unzähligen Veranstaltungen. Das gebaute Erbe wird beschwiegen, am ehesten setzt sich noch das bekannte Format der Architekturtage ganzheitlich dafür ein. Obwohl viele große Institutionen (Bundesdenkmalamt, Museen, Universitäten, …) als Veranstalter auftreten, zeichnet sich das Bild einer Vermittlungsaktion ab, die eine Fülle von Teilaspekten abhandelt, den großen Fragen aber ausweicht. Der thematische Rahmen ist auch denkbar weit gespannt. Die Kommission definiert 2017 den Gegenstand ihrer Aktion so: „Der Begriff Kulturerbe bezeichnet kulturelle und kreative Ressourcen materieller oder immaterieller Art, deren Wert für die Gesellschaft öffentlich anerkannt wurde, um sie für künftige Generationen zu bewahren. Das Kulturerbe umfasst Naturschutzgebiete, Kulturstätten und archäologische Ausgrabungsstätten, Museen, Denkmäler, Kunstwerke, historische Städte, literarische, musikalische, audiovisuelle und digitale Werke sowie das Wissen, die Gebräuche und die Traditionen der europäischen Bürgerinnen und Bürger.“ Gemeint ist also das ganze materielle und immaterielle Erbe. „Das Ziel (…) besteht darin, das Bewusstsein für die soziale und wirtschaftliche Bedeutung des Kulturerbes zu schärfen und Europas kulturellen Reichtum und kulturelle Vielfalt zu würdigen. (…) Das Europäische Jahr richtet sich besonders an Kinder und junge Menschen, die künftig unser Erbe bewahren werden. (…) Ferner werden intelligente Methoden zur Erhaltung und Pflege sowie zur Um- oder Weiternutzung des kulturellen Erbes Europas gefördert, beispielsweise partizipative Governance-Mechanismen unter Einbeziehung lokaler Gemeinschaften.“
Nichts ist falsch am EYCH 2018. Aber dass weder der unwiederbringliche Verlust der Kulturlandschaft durch die Zersiedelung noch der Gestaltwandel der Städte durch das galoppierende Stadtwachstum thematisiert wird, ist ein substanzieller Mangel. Den wahren Raumkrisen ist nicht mit Nebensätzen zu begegnen, sondern mit den Hauptsätzen der Architektur und des Städtebaus.

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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