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Kommentar: In Selbstverkürzung

28.08.2018

von Walter M. Chramosta

In der Selbstbeschränkung liegt eine Tugend, in der Selbstverkleinerung eine Taktik, in der Selbstverstümmelung ein Verbrechen – aber in interessensgetriebener Selbstverkürzung eine Tragik.

Ein bezeichnendes Exempel dazu liefert der Wiener Kulturpolitiker Dr. Ernst Woller. Notorisch argumentiert er an der städtebaulichen Sache vorbei, um die prästabilisierte Investorenharmonie herbeizureden. Seine Äußerungen im Wiener 
Gemeinderat müssen erinnert werden, wenn man seine jetzige Rolle am Heumarkt angemessen beurteilen will. „Es gibt kein einziges Dokument, das irgendeine Höhen-begrenzung enthält (…). In der Weltkulturerbe-Konvention (…) wird weder auf Höhen, Kubaturen noch andere technische Parameter Bezug genommen, daher kann auch nicht rechtlich (…) gegen diese Begrenzung verstoßen werden.“ (19. Sitzung, 26. 1. 2017). „Daher brauchen wir jetzt ein Haus, das ich nicht als Hochhaus bezeichne, weil ein Haus mit 66 m in der ganzen Welt kein Hochhaus ist.

Das ist bestenfalls aus der Sicht mancher in Wien vielleicht ein Hochhaus.“ (23. Sitzung, 5. 5. 2017). „75 m war der ursprüngliche Plan, (…) also von Hochhaus kann man in Wirklichkeit nicht sprechen.“ (24. Sitzung, 1. 6. 2017). „In Wien erstreckt sich die Kernzone über das Gebiet von fünf Bezirken. (…) Daher müssen wir uns überlegen, (…) ob es nicht besser wäre, dass wir sagen, (…) das ist die Innere Stadt, und diese soll Welterbe sein. Wir müssen auch über eine Redimensionierung unserer Kernzone reden. (35. Sitzung, 27. April 2018). Die Tragiker und die Komödianten waren in Wien schon immer zu Höherem berufen.

Autor/in:
Walter M. Chramosta
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