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Kommentar: Wie im "Tatort" leben

16.05.2018

von Walter M. Chramosta 

Die Realität übertrifft wieder einmal die Fiktion der Stadt. Die Amokfahrt von Münster, bei der ein Campingbus in einen Gastgarten raste, zeigt einen hohen gesellschaftlichen Aggressionsspiegel. Sofort wurde versucht, das Ereignis politisch zu instrumentalisieren. Die Vereinfacher wollen die Ursache einem Außen zuweisen, um das Innen leichter bespielen zu können. Aber das Böse kommt in diesem Fall von innen, aus der Aggressivität der Gesellschaft. Es ist omnipräsent in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport. Ständig werden die Grenzen des Normalverhaltens zur Gewalt verschoben, der alltägliche Gewalteinsatz wird relativiert, die Folgen werden durch die ungefilterte Übermittlung in Film und Foto verharmlost, die Selbstoptimierung des Individuums ständig vor das Gemeinwohl gestellt. Der „Münster-Tatort“, der Kultstatus genießt und die Tourismusmaschine der konservativen, in gotisch konstruiertem Nachkriegsselbstbild erstarrten Universitätsstadt ölt, geizt nicht mit Gewalt – verbal und visuell. Der Todeslenker von Münster war ein wohlhabender, umfassend von dieser Welt enttäuschter, kranker Bürger der Stadt. Seinesgleichen gibt es viele. Noch so viele Stahlpoller in den Fußgängerzonen werden nichts nützen. Nur die Abrüstung des Alltags hilft. Auch in Wien.

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