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Haus R128 ist der Gegenentwurf zu immer kleineren Fenstern, absoluter Luftdichtigkeit und dicken Wärmedämmpaketen.Das Plusenergiehaus F87 in Berlin versorgt mit dem Energieüberschuß zwei Elektroautos und ein E-Bike.Werner Sobek sehnt sich nach einer gebauten Umwelt, „in der die Menschen glücklich und gesund im Einklang mit der Natur leben können.“Das Buch „Residentials by Werner Sobek“ stellt die wichtigsten Experimentalbauten ausführlich vor.

Konsequent experimentell

05.02.2016

Ein neues Buch stellt die wegweisenden Experimentalbauten vor, die Werner Sobek seit der Jahrtausendwende geschaffen hat.

Der Stuttgarter Architekt und Bauingenieur Werner Sobek erforscht seit über 20 Jahren, wie eine gebaute Umwelt aussehen könnte, in der die Menschheit glücklich und gesund im Einklang mit der Natur lebt. Ein Buch fasst nun eine ganze Serie wegweisender Experimentalbauten zusammen. Werner Sobek ist Architekt, Ingenieur und Forscher, und er scheut sich nicht, unbequeme Wahrheiten auch auszusprechen, radikale Forderungen zu stellen. Er hält nichts von kurzfristigen Zielsetzungen, sein Denken und Handeln orientiert sich vielmehr an langfristigen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Und die sind gewaltig: Ressourcenmangel, Bevölkerungsexplosion, Klimawandel. Wie kann unsere gebaute Umwelt weniger Ressourcen und keine fossilen Brennstoffe mehr verbrauchen? Wie kann sie keine Abfälle mehr erzeugen? Seit mehr als 20 Jahren sucht Sobek Antworten auf diese zentralen Fragen. So entstand auch eine ganze Serie experimenteller Einfamilienhäuser, die in technologischer wie ästhetischer Hinsicht neue Maßstäbe setzen. Sie werden nun in einem Buch ausführlich präsentiert.

 

Gebaute Energiewunder

Am Anfang steht mit R128 Sobeks wegweisendes transparenten Stuttgarter Wohnhaus, das der in den Neunzigerjahren gängigen absoluten Luftdichtigkeit und dicken Wärmedämmpaketen, weitgehende Transparenz gegenüberstellt. R128 ist sein erstes Triple-Zero-Haus, das keine fossilen Energieträger verbraucht (zero energy), keine Treibhausgase emittiert (zero emission) und fast vollständig rezyklierbar ist (zero waste). Dieser Dreiklang zieht sich durch alle nachfolgenden Experimentalbauten: D10 in Biberach an der Riß ist das erste Wohnhaus, das mehr Energie erzeugt als es selbst verbraucht. F87 in Berlin versorgt mit dem Energieüberschuss zwei Elektroautos und ein E-Bike. Und B10, das Aktivhaus in der berühmten Stuttgarter Weißenhofsiedlung, beliefert zusätzlich sogar noch einen benachbarten Altbau mit Strom. Aber B10 ist dabei nur der bisherige Höhepunkt in Sobeks Lebenswerk kein Schlusspunkt: „Es geht mir immer darum, die Dinge noch besser zu verstehen, sie noch konsequenter weiterzuentwickeln, sie noch besser zu gestalten.“

 

Emissionsfreie Städte

All seine Experimentalbauten veranschaulichen im Kleinen, was durchaus auch im Großen Anwendung finden könnte. Ganze Siedlungen, sogar Städte könnten so aussehen und funktionieren, wie mit dem Aktivhaus B10 demonstriert. Architekten müssten ebenso wie Politiker endlich „aufhören, die Hausfassade als Systemgrenze zu betrachten“, fordert Sobek, der sich nach einer gebauten Umwelt sehnt, „in der die Menschen glücklich und gesund im Einklang mit der Natur leben können, zu vernünftigen Preisen, ressourcenminimal, mit solarer Energie versorgt.“ Zu viel Zeit, so mahnt er, sei bereits ungenutzt verstrichen. „Man hat die vielen Hinweise des Club of Rome und anderer viel zu schnell verdrängt, um sich in eine Überflusskultur zu stürzen.“ Jetzt müssten unsere Städte schnell elektrisch, also völlig emissionsfrei werden. Denn: „Das sofortige und umfassende Angehen der vor uns liegenden Probleme ist die einzige Chance, die die Menschheit hat.“

 

Frank Heinlein: Residentials by Werner Sobek. avedition Stuttgart 2015, 160 Seiten, ca.30 Euro. ISBN 978-3-89986-235-5,

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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