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Kühner Brückenschlag zur Kreativität

27.08.2012

Die im 14. Bezirk historisch gewachsene Bauform mit gemischter Nutzung aus Wohnungen und ­Gewerbebetrieben wird am Baukomplex „Wirtschaftspark Breitensee“ Ecke Goldschlagstraße/Missindorfstraße aufgegriffen und in gekonnter Weise zeitgemäß umgesetzt.

In drei Bauphasen entstand hier als Resultat eines geladenen Wett­bewerbs der Wien Holding, aus dem Holodec architects 2007 als Sieger des städtebaulichen Leitprojekts für den ­Wirtschaftspark hervorging, ein überaus ambitioniertes Projekt.

Für produzierende Betriebe und Unternehmen aus dem Umfeld der „Creative Industries“ sind Wirtschaftspark Breitensee Werkstätten, Ateliers und Büros rund um einen gewerblich hochwertig nutzbaren Innenhof mit Lkw-Durch-und-Zufahrt, Ladezonen und Parkplätzen entstanden. Das Konzept ging bereits erfolgreich auf, denn ein Teil der Miet­objekte ist bereits in der Bauphase vergeben. Den nördlichen Abschluss der Anlage bildet ein Wohnbau des Wiener Architekturbüros Fasch & Fuchs.

Unter Einbindung eines bestehenden, für industrielle Nutzung des 19. Jahrhunderts typischen Ziegelbaus setzten Holodeck architects ein souveränes Zeichen für den gesamten Häuserblock. Bereits in der ersten Bauphase wurde der Ausbau eines zum Gebäudeensemble gehörenden Trakts in Büroräumlichkeiten – darunter das Fernsehstudio „okto“ – und das rundum verglaste, direkt neben der Einfahrt liegende Café „barista 14“ realisiert. In weiteren zwei Bauphasen wurde der Masterplan der Architekten baulich umgesetzt.

Von dem bestehenden Industrieziegelbau in der Goldschlagstraße ausgehend, schmiegen sich die neuen Bauteile an die alten und bilden in spiralartiger Folge einen perfekt integrierten Gesamtkomplex. Kühn über dem Ziegelgebäude schwebt ein fröhlich belebter Dachaufbau, der mit einer 90-Grad-Wende als Brückenkonstruktion mit dem eigenständigen Neubau verbunden ist, mit einem nochmaligen Schwenk den großen Innenhof umschließt und sich zu einer komplexen Betriebsbebauung vervollständigt. Die Stahlkonstruktion des Dachaufbaus ist in Leichtbauweise gefertigt, konstruktiv wurde hier auf den Bestand ein Stahlbetonkranz aufgelegt, den über der bestehenden Durchfahrt zusätzliche Stahlfachwerke zur Lastverteilung unterstützen. Farblich passen sich die Weiß- und Grau- bis Blau- und Grüntöne der neuen Teile dem östlichen Nachbargebäude aus den 1960er-Jahren – einem Betriebsgebäude mit großflächigen Profilitverglasungen – an. Eine weitere interessante Lösung wurde als Anschluss zum westlichen Nachbargebäude gefunden, wo sich ein eingeschoßiges Trafogebäude, das nicht abgerissen werden darf, befindet. Der neue Dachaufbau dockt an das nächste Gebäude an, den zwischen Dachgeschoß und Trafogebäude entstehenden Leerraum nutzten die Architekten für Glasboxen als Wintergärten und Terrassen, die aus dem Backsteinbau kragen.

Der Aufbau der straßenseitigen Fassaden besteht aus einer Pfosten-Riegel-Stahlkonstruktion, die für das Projekt eigens entwickelt wurde und wie ein regalartiges Möbelstück mit verschiedensten Ausfachungen bestückt ist. Zwischen den weißlackierten Metallstreben sind in einem speziell entworfenen Rhythmus Sonnenschutzglas, transluzente weiße Füllungen aus Kapillarglas und gedämmte Metallpaneele eingesetzt, wodurch ein äußerst lebendiges Fassadenbild von außen entsteht, das auch von innen besonders reizvolle Stimmungen erzeugt. Die Kleinteiligkeit der handwerklich mit Schraubverbindungen gefertigten Fassadenelemente wirkt angenehm und verleiht den Räumen edlen Charakter. Lochblechelemente mit dahinterliegenden Akustikplatten ergänzen die Ausfachungen auf der Innenseite.

Das Konzept des Innenausbaus der loftartigen Büroräumlichkeiten im Neubau ist ganz an die Ästhetik von Lagerhallen und historischen Produktionsstätten angelehnt, jedoch mit modernen Standards bereichert und technisch zeitgemäß ausgeführt. Das System ist, eine funktionierende Grundstruktur bereitzustellen, die als solche auch sichtbar bleiben soll. Um Raumhöhe zu gewinnen und das industrielle Flair zu verstärken, wurden weder abgehängte Decken noch doppelte Böden vorgesehen. Die vorgefertigten Betonunterzüge sind sichtbar, alle Leitungen und Verkabelungen außen freiliegend geführt und lediglich mit weißer Deckenfarbe gespritzt, was eine genaue Logistik der Installationsführung und optische Auswahl der Kabelmaterialien sowie deren Montagevorrichtungen zur Folge hatte. Die Stiegenläufe sind aus Fertigteilen, die Bodenbeläge aus Monobetonplatten, die je nach Bereich mit unterschiedlichem Farbton versehen sind. Freistehende Boxen mit schallabsorbierenden Verkleidungen dienen als Rückzugsnischen und Besprechungsräume in den offenen Lofts.

Gemeinschaftliche Räume wie Küchen, ein Sozial- und Veranstaltungsraum in einem großen, glasüberdachten Atrium im Obergeschoß, ein Seminarraum im Erdgeschoß und Sanitärgruppen beim Stiegenhaus ergänzen die Ausstattung.

Im Dachaufbau über dem bestehenden straßenseitigen Ziegelbau stehen zehn Einheiten, darunter acht Maisonetten und zwei zur erweiterten Ateliernutzung zur Disposition. Hier sind die Fußböden beheizt und oberflächenbeschichtet.

Die Architekten betonen die besonders gute Zusammenarbeit mit der Wien Holding als Eigentümer und Entwickler, die die Realisierung des Projekts vom städtebaulichen Konzept bis zur Fassade begleitet und unter Beibehaltung des Grundkonzepts ermöglicht haben.

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