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Kunstuniversität Linz: Im Kollektiv entwickelt

31.10.2018

Die "kulturtankstelle" präsentiert das städtebauliche Forschungsprojekt "Stadtspeicher" zur Errichtung eines neuen Linzer Stadtquartiers an der Donau. Das von Architekturstudierenden der Kunstuniversität Linz kollektiv entwickelte, spekulative Projekt ist zur Gänze aus Ziegel gedacht und entstand als Kooperationsprojekt mit dem Verband Österreichischer Ziegelwerke und der Wienerberger Ziegelindustrie GmbH. 

Den Prozess starteten die Studierenden der fachrichtng Architektur mit Fragen und Diskussionen über eine mögliche zukünftige Urbanität in einer mittelgroßen Stadtwie Linz. Daraus ergaben sich Thesen, die im städtebaulichen Entwurf für ein Stadtquartier an der Donau umgesetzt wurden. Man suchte Antworten auf Fragen zu finden wie: "Was wäre, wenn Linz ein neues Stadtquartier direkt an der Donau bekäme? Eine Speicherstadt
à la Hamburg, die nun nicht Waren speichert, sondern urbane Programme?"
Der Begriff Urbanität ist zentral für die Stadtplanung und beschreibt eine Qualität des Städtischen, die entweder vorhanden ist (im Laufe der Zeit entstanden) oder erreicht werden soll (im neuen Quartier, in der artifiziellen Stadt).
Die These Nummer 1 besagt, dass Urbanität immer dann entsteht, wenn Unterschiede aufeinanderprallen, also eine räumliche und programmatische Dichte erzeugt wird, großvolumige Gebäude auf Offenheit treffen, Stadt und Natur sich mit Industrie vermischen und Leerräume für mögliche Nutzungen zur Verfügung gestellt werden. Daraus resultierte auch die Idee für ein fiktives Stadtquartier in Linz, direkt verbunden mit dem Wasser. Ähnlich der Speicherstadt in Hamburg mit ihren großvolumigen Ziegelbauten, dicht aneinandergebaut, mit direktem Zugang zum Wasser und Leerräume, die vielfach nutzbar sind. Ziel war es, dass Linz ein Quartier, ein urbanes Moment am Wasser erhalten sollte, welches urbane Programme speichert. Eine Struktur, die von sich heraus Urbanität erzeugt, mit maximaler Wohnqualität, aber ebenso Raum für neue Gesellschaften bietet. Treten Ziegel und Wasser miteinander in Verbindung, so stellt sich laut These Nummer 2 Urbanität ein. 

Der Städtebau
Ein etwa 100 Meter breites und 700 Meter langes Grundstück wurde als fiktiver Bauplatz im Linzer Hafen für das neue Ziegel-Quartier ausgewählt. Ein stillgelegtes Schienensystem könnte bei Neuaktivierung das Qartier an die Stadt anbinden. Die Landzunge sieht mit einer Langseite nach Nordosten in Richtung Donau und der anderen nach Südwersten in Richtung Hafenbecken. Ein in Längsrichtung ausgerichteter Damm schützt den Hafen vor Hochwasser und bildet auf dem sonst flachen Gelände eine interessante Topografie aus. In dem Areal sollte ein Quartier für mindestens 4.000 Personen geplant werden, mit zukunftfähigen Wohnungen, zeitgemäßen Arbeitsstätten sowie verschiedenen Mischnutzungen wie Geschäfts- und Marktflächen, Kultur, Bildung u.ä.. In der diskusiven Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten entstand der Stadtplan und die Einteilung des Areals in neun Felder (sechs in Richtung Donau, drei in Richtung Hafen), welche durch einen breiten, geknickt verlaufenden Boulevard geteilt werden. Ein zentraler Hafen für große Schiffe wird an der Donau angeordnet. Jedes Feld im autofreien Quartier sollte als eine eigene, individuelle Struktur entwickelt werden. Allen gemein ist dabei: Das unterste, höhere Geschoß soll als Speicher konzipiert werden. Da hier mit Hochwasser zu rechnen ist, müssen die Räume eine Überflutung aushalten. Im übertragenen Sinn sollen diese Räume urbane Funktionen „speichern“. Als Dichtvorgabe wurde eine GFZ von etwa 2,0 vorgegeben, davon 30 Prozent Speicherfunktionen und 70 Prozent Wohnfunktionen. Entlang der Donauseite führt eine Promenade, in Richtung Hafen öffnen sich Wege zu einem großen Platz und die Spitze der Landzunge, so die kollektive Entscheidung, sollte leer bleiben.Mit Vaporetto-Stationen in Richtung Hafenbecken wurde versucht Linz eine neue Mobilität am Wasser zuzuschreiben.  
Das dichte, sowie in gleichen Teilen kleinteilig und zugleich großzügige Quartier mit durchaus beeindruckenden Silhouetten hätte gute Chancen, durch die gute Maßstäblichkeit und unterschiedliche Farbigkeit der Ziegel, der Monotonie vorzubeugen und durch ihre Vielfältgkeit eine gewisse Urbanität zu garantieren. 

Die Ausstellung  ist von 6. bis zum 16.November in der "kulturtankstelle" geöffnet. 
Zu sehen sind Projekte von Mario Buchberger, Jenny Huynh-Minh, Olivia Kudlich, Milomir Milenkovic, Paulien Pascal, Alksandra Radanovic, Julien Reinhart, Sarah Schoberleitner, Anne Rotter, Elisa Bischof, Anne Louise Giraud, Julia Raffel, Julian Stepper, Benedict Hofmann, Vinzent Wallner, Patrick Schauer, Merve Tasdelen und Lu Zhijun.
Betreuer: Sabine Pollak, Sara Hammer, Frank Schwenk, Norbert Prommer

Zudem erscheint  begleitend zur Ausstellung das Buch "STADTSPEICHER. Urbanität am Wasser", Verlag Sonderzahl, Reihe Linzer Augen, Band 12:art special
ISBN 978 3 85449521 5

Kulturtankstelle
Dametzstraße 14
4020 Linz 
von 6. - 16. November, täglich von 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr 

http://www.kulturtankstelle.at

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