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Sozialer Wohnbau, 59 Wohnungen, Jardins Neppert, Mulhouse, 2009–2014 & 2015, ­Innenansicht

Leistbarer Wohnluxus

28.08.2018

Beim Eintritt in das aut ist man von einer zweidimensionalen Menschenmenge umringt. Auf fast maßstabgetreuen Fotos in den Fensterscheiben schlendern Besucher durchs Pariser Palais de Tokyo, das viel beachtete Renovierungsprojekt von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal.

Druot, Lacaton & Vassal, Transformation des Tour Bois-le-Prêtre, Paris, 2005–2011

Autor: Gretl Köfler

Bereits 2005 hat Arno Ritter, der Leiter des aut. architektur und tirol die beiden Architekten mit der Reihenhaussiedlung in Mulhouse vorgestellt, wo sie mittels Glashaustechnologie thermisch steuerbares Wohnvolumen geschaffen hatten. Die derzeitige Ausstellung ist umfassender; formal leichtfüßig, aber inhaltlich dicht, basiert sie auf dem vorgefundenen Fotomaterial der Architekten. 

Sozial verträglich bauen

Einerseits umfasst sie auf groß dimensionierten Fotos verschiedene Kulturprojekte, darunter das Café im Wiener Museumsquartier und das im Bau befindliche Projekt Lacoste in Dakar. Andererseits sind in einer slideshow neun Wohnprojekte versammelt, jedes mittels digitaler Chipkartei über einen Beamer gesteuert.
Es sind u. a. diese Wohnprojekte, die das Renommee der Architekten begründen. Zusammen mit Frédéric Druot haben sie vor Jahren in einer Studie gegen den staatlich geplanten Abriss der Großwohnsiedlungen aus den 1960er und 1970er Jahren votiert und eine thermische Sanierung vorgeschlagen. Wintergarten und Balkon werden als luzide, zweite Raumschicht den Hochhausscheiben vorgelagert, die Betonwände dahinter aufgeschnitten und so größere Wohneinheiten geschaffen. Die nicht klimatisierten Räume dienen obendrein als thermischer Puffer. Bei der Sanierung mussten die Bewohner ihre Wohnungen nicht verlassen, und die Miete blieb gleich, was den Umbau sozial verträglich machte. Auch überschreiten die Architekten nie den Budgetrahmen, die Einsparungen erfolgen über das Material, zumeist aus industrieller Fertigung.

Bei dieser grundlegenden Konzeption im sozialen Wohnbau für in die Jahre gekommene Betonhochhäuser ist auch Nachverdichtung möglich, da sich Alt und Neu nicht wesentlich voneinander unterscheiden. Von den in Diskussion stehenden 20.000 Wohnungen wurden nur 530 saniert – eine Sanierung, die zugleich eine Kritik an der französischen Wohnbaupolitik darstellt, die mehr abreißt, als neu baut. Derzeit bleibt die staatliche Förderung aus.
Da die Publikation immer erst nach der Besiedlung erfolgt, werden die Veränderungen durch die Benutzer inkludiert. In der Ausstellung wird eine möblierte Wohnung samt Bewohner im neugeschaffenen Wohnraum in fünf großen Projektionen vorgestellt. Dazu können sich die Besucher in Texte und Pläne, in Studien von und Publikationen über die beiden Architekten vertiefen.

Bis 6. Oktober www.aut.cc

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