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 Dorner\Matt und archiLUMNimbus Group/Frank OckertBartenbachBartenbach

Liacht i dr Stuba

04.04.2018

Die Gaststube des Hotels Schwärzler in Bregenz, von Dorner\Matt in Zusammenarbeit mit der Lichtplanerin Barbara Gilhaus-Sturn umgebaut, zeigt einen neuen Ansatz für die Lösung von Licht und Akustik mit gehobenem ­Anspruch.

Die Stube des Hauses ist ein traditionsträchtiger Raum. Seit dem 13. Jahrhundert ist sie typologisch erfasst. Sie war Hauptaufenthaltsraum und zugleich repräsentativer Empfangsraum, ausgestattet mit Kachelofen, Eckbank und Divan. Meist war die Stube der einzig beheizte Raum im Haus. Dort saß man beisammen, bewirtete die Gäste, spielte Karten. Der heutigen Generation junger Erwachsener ist die alte Stube ebenso wenig bekannt, wie jener raumbezogene Lebensstil.

Anders im Bregenzerwald. Dort werden die guten Stuben im Bestand wertschätzend erhalten und finden sich mitunter auch in Neubauten als Bekenntnis zu einem Lebensraum, der sich in einer modernen Art mit seiner Tradition verwachsen fühlt.

Verbindung von alt und neu
Diesen Brückenschlag zwischen alt und neu, regional und international beherrschen auch die Architekten Dorner\Matt. Für den Umbau des Hotels Schwärzler in Bregenz im Jahr 2013 lehnten sie sich an die historische Bedeutung des Standorts des Hotels an der Wälderbahntrasse an und zitierten Gerhard Wölfles Gedicht zur Eröffnung der Bahn im Jahr 1902 als Credo für den Umbau: „Meor ehrod das Ault und grüssed das Nü, und blibot üs sealb und dr Hoamat trü.“ („Wir ehren das Alte und grüßen das Neue, und bleiben uns selbst und der Heimat treu.“) Heimische Hölzer, Textilien und Handwerk aus dem Bregenzerwald dominierten die Neugestaltung.
2017 folgte nun der verhältnismäßig kleine Umbau der Stube, deren unaufdringliche, jedoch ausgeklügelte Decke hier genauere Betrachtung findet. Formal wurde eine diagonal gesetzte Kassettendecke, umsäumt von Holztäfer, ausgeführt. Material und Farbe entsprechen dem Gestaltungskonzept aus dem Jahr 2013: Holzrippen in Eiche kombiniert mit roten Textilfeldern.

Schlicht aber hochfunktionell
Hinter dem schlichten Erscheinungsbild der Decke steckt allerdings eine hochmoderne, funktionalisierte Licht-Akustik-Decke, die zum Zeitpunkt der Planung gerade den Status des Prototyps im Labor der Nimbus Group erlangt hatte. Erstmals wurden die beiden Geschäftsfelder des Stuttgarter Unternehmens – Akustik und Licht – in einem Produkt vereint. Anstelle der für die Leuchten bei Nimbus charakteristischen Acrylplatte mit Kegelsenkung wurde der hochwirksame Rossoacoustic®-Schallabsorber mit Bartenbach LFO™ Linsen bestückt. Die Linsen waren erst im Frühjahr 2016 auf der Light + Building in Frankfurt präsentiert worden.
Das besondere an diesen Linsen ist die Lichtführung. Sie bündeln das Licht der LEDs auf einen Punkt von nur acht Millimetern Durchmesser, der sich in Folge wieder zu einem Lichtkegel von wahlweise 20 oder 40 Grad ohne Lichtverlust ausweitet. LEDs und Linse können deshalb gänzlich hinter der Deckenebene verschwinden. Der Betrachter sieht den Lichtaustritt aus der Decke als einen völlig blendfreien, schwachen Lichtpunkt. Darunter erhellt sich der Raum in einem brillanten Licht.
Die beauftragte Lichtplanerin Barbara Gilhaus-­Sturn hatte nach einem kurz gegönnten Blick auf den Prototypen aus dem Nimbus-Labor rasch die Qualitäten erkannt und auf die Verwendung der Neuheit gedrängt.

Maximale Freiheit
Das kaum wahrnehmbare Lichtpunktraster leuchtet den Raum gleichmäßig aus und gibt damit maximale Freiheit in der Anordnung und Gruppierung der Tische. Die Installation leistet über das akustisch ausgestattete textile Trägerelement gleichzeitig eine Beruhigung der Nachhallzeiten im Raum. Für den Gastronomiebetrieb ebenfalls sehr wichtig ist die Gestaltbarkeit von Helligkeit und Lichtfarbe. Mit der „Dim-to-warm“-Technologie kann das Licht vom hellen Arbeitslicht über zehn Stufen hin zu einem warmen Licht für eine gemütliche Abendstimmung reguliert werden. Dazu ist jede LFO-Linse mit zwei LEDs bestückt, die paarweise mit 2200 K und 3000 K den Farbraum definieren. Das Licht strahlt in seiner Wirkung wie aus einer Pendelleuchte, belässt die Decke ohne Aufhellung, leistet Brillanz und Reflexionspunkte. Letzteres ist vor allem für ein glanzvolles Tischdekor in einem Restaurant sehr wichtig und kann beispielsweise über eine flächig gestaltete Lichtdecke nicht erzielt werden.
Für den Betrachter ergibt sich ein neues Raumbild, in dem die Lichtquellen scheinbar fehlen. Für Planer und Nutzer öffnen sich neue Möglichkeiten der architektonisch integrierten Lichtgestaltung. Und Nimbus hat inzwischen mit dem „Lighting Pad“ das entsprechende Produkt gelauncht.

Autor/in:
Christine Bärnthaler
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