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© Rieger-Jandl© Anna Schweiger/Jaap Wilemsen© Rieger-Jandl

Liebling Lehm

15.11.2017

Als Baumaterial mit ausgezeichneten Eigenschaften gewinnt Lehm immer mehr an Beliebtheit. Am 3. und 4. November fand erstmals in Österreich ein Vernetzungs-Workshop zum Thema Lehmbau statt.

Mit Karin Stieldorf, Professorin am Institut für Architektur und Entwerfen, und Andrea Rieger-Jandl, Professorin am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege sind gleich zwei Institute der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien vertreten, die sich mit Lehmbau beschäftigen. Während Stieldorf die bauphysikalischen Aspekte des Lehms untersucht, interessiert sich Rieger-Jandl vor allem für die kulturellen und historischen Aspekte des Lehmbaus.

„Wir haben Projekte in Regionen durchgeführt, in denen die Rahmenbedingungen für Architektur völlig anders sind als hier bei uns“, sagt Andrea Rieger-Jandl, „etwa im Südsudan, in der Afar-Region in Äthiopien oder in Ghana.“ Baumaterialien wie Beton, Stahl oder Glas wären dort vollkommen ungeeignet. Man müsse das Beste aus den vorhandenen Ressourcen der Region herausholen, wobei man in diesem Falle an Lehm kaum vorbeikommt. „Lehm ist eine nachhaltige Alternative, die obendrein ideal temperaturausgleichend wirkt: Tagsüber ist es innen relativ kühl, die Wärme wird gespeichert und in der Nacht abgegeben.“

Aber ebenfalls in Österreich hat der Lehmbau große Vorteile und wird zunehmend auch für den heimischen Wohnbau interessant. „Ein reiner Lehmbau wäre bei uns nicht empfehlenswert, weil er im Winter einfach zu wenig Wärmedämmung bieten würde“, betont Andrea Rieger-Jandl. „Ausgezeichnete Eigenschaften hat Lehm allerdings in Kombination mit anderen Baustoffen, wie etwa Stroh.“ Eine für Mitteleuropa passende Lösung könnte also in Holzrahmenkonstruktionen liegen, die mit lehmverkleideten Strohballen gedämmt werden. Neben guten Dämmeigenschaften und der Schaffung eines hervorragenden Raumklimas hat Lehm den Vorteil leicht verfügbar zu sein und in der Herstellung kaum Energie zu benötigen.

„Wir sehen in den letzten Jahren, dass das Interesse an Lehm als Baustoff drastisch anwächst“, meint Rieger-Jandl. „Baufirmen beschäftigen sich mit Lehm, es gibt zahlreiche Forschungsprojekte und wissenschaftliche Seminare.“ Die „1. Österreichische Lehmbautagung“, die am 3. und 4. November in Wien stattfand, entstand daher aus der Idee heraus, die österreichische Lehmbau-Community stärker zu vernetzen und zusammenzubringen. Im Mittelpunkt stand dabei der Austausch von Wissen, Kompetenz und Erfahrung im Zusammenhang mit Lehmbau. „Gemeinsam wollen wir eine Strategie erarbeiten, um Lehmbau in Österreich zu fördern und sichtbar zu machen“, erklärt Rieger-Jandl.

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