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MABA: Schleuderbeton bietet viele Vorteile

27.02.2020

Schleuderbeton: Form und Funktion werden tragbare Realität
Nachgefragt bei: Christian Nageler, Geschäftsführer der MABA Fertigteilindustrie GmbH

1888 wurde in Kirchdorf, Oberösterreich mit der Gründung eines Zementwerks der Grundstock der heutigen Kirchdorfer Gruppe, einer international erfolgreichen und dynamisch wachsenden Unternehmensgruppe mit mehrheitlichen Beteiligungen in 13 Ländern in Europa, Asien und Afrika gelegt. Unentbehrlich und am Wachstum maßgeblich beteiligt sind u.a. stetige Investition in Forschung und Entwicklung, intelligente Produktinnovationen sowie absolute Kundenorientierung, kurze Entscheidungswege und hohe Flexibilität. Mit dem Schleuderbetonwerk in Micheldorf (OÖ) wurde ein erster Schritt zum Fertigprodukt getan und bereits 1932 produzierte man die ersten Schleuderbeton-Mastfüße. Außerdem erwarb die Firmenleitung schon damals das Patent zur Schleuderbetontechnologie und damit die Berechtigung zur Alleinerzeugung in ganz Österreich.

Schleuderbeton ist in um die eigene Achse rotierenden Schalungen verdichteter Beton. Der eingebrachte Beton wird dabei durch die Zentrifugalbeschleunigung nach außen an die Schalungswandung gedrückt. Überschüssiges Wasser läuft aus der Mischung nach innen ab und der Beton wird verdichtet. Im Maba Werk Micheldorf der Kirchdorfer Concrete Solutions werden die Rotop® Schleuderbetonstützen mit Bewehrungsgraden von bis zu 18 Prozent hergestellt.

Was bedeutet der Einsatz von Schleuderbeton für die Tragfähigkeit und Bauweise von Bauwerken?
Der maßgebliche Unterschied zu gewöhnlichen Stahlbetonstützen ist die nahezu doppelte Tragfähigkeit bei vergleichbaren Querschnittsabmessungen. Außerdem sind die Schleuderbetonstützen besonders wirtschaftlich. Die Produktionstechnik erlaubt die Herstellung von Schleuderbetonbauteilen mit einer Länge von bis zu 33 Metern. Rotop® Schleuderbetonstützen werden sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt und individuelle Maßanfertigung ist nach architektonischen und statischen Vorgaben möglich. Das schlanke und unauffällige Design der Rotop® Stütze ermöglicht es Planern und Architekten, sie optimal als gestalterisches Element in jedes Bauwerk zu integrieren.

Worin liegen die Vorteile der Anwendung von Schleuderbeton?
Die Vorteile sind vielseitig. Zum einen werden enorm hohe Lasten aufgenommen, zum anderen ist durch die witterungsunabhängige Einbauweise ein schneller Baufortschritt gegeben. Weiters garantiert Maba eine Just-in-Time Lieferung. Die Einsparung zusätzlicher Anmietung von Schwerlastträgern ergibt außerdem deutliche Zeit- und Kostenvorteile.

Welche Aufgaben erfüllt Ihr Kompetenzzentrum und wie wichtig ist Forschung und Entwicklung?
Unsere Kunden werden von Beginn der Planungsphase an umfassend betreut. Statik, Detailplanung sowie Begleitung bei der Umsetzung durch unsere Spezialisten garantieren eine persönliche Projektbetreuung. Die Rotop® Stütze wird laufend zu den Themen höherer Druckfestigkeiten und Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten weiterentwickelt.

Die Rotop®Schleuderbetonstütze wurde in Kooperation mit der TU Wien entwickelt. Wie und mit welchem Institut kam diese Zusammenarbeit zustande?
Beteiligt war das Institut für Tragkonstruktionen Forschungsbereich Stahlbeton- und Massivbau der TU Wien unter der Leitung von Universitätsprofessor Johann Kollegger. Das Institut war dabei in die Konzeption der Prototypen eingebunden – es wurden über 40 zerstörende Belastungsversuche durchgeführt, um das statische Bemessungskonzept festzulegen.

Welcherart sind die Bauteileigenschaften der Rotop®Schleuderbetonstützen und inwiefern sind diese für Architekten und Statiker von besonderem Interesse? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Wie gesagt, sind die hohe Tragfähigkeit, das sehr schlanke Design und die glatte Oberfläche die Schlüsseleigenschaften. Zudem sind die Rotop® Betonstützen brandbeständig. Um den Anforderungen von individuellen Bauprojekten gerecht zu werden, gibt es außerdem vielfältige Möglichkeiten von Detailanbindungen.

Neben statischen Eigenschaften verfügt Schleuderbeton auch über eine besonders glatte, fast porenfreie Oberfläche. Weshalb?
Diese makellose Oberfläche ist ebenfalls auf den einzigartigen Herstellungsprozess zurückzuführen – hier wird hochfester Beton mit enormen Fliehkräften gegen die rotierende Schalung geschleudert. Es entsteht eine besonders hohe Dichte und das überflüssige Wasser wird abgeleitet. Dadurch bildet sich die nahezu porenfreie Sichtbetonoberfläche aus – der Traum jedes Architekten und Bauherrn.

Wo wird die benötigte Bewehrung gefertigt?
Zu 100 Prozent im Werk Micheldorf.

Sind somit individuelle Anwendungen und Sonderlösungen, also etwa auch Maßanfertigungen möglich? In welcher Form?
Nach dem Motto „Sie wünschen – Wir schleudern“ kann ich diese Frage klar mit „Ja“ beantworten. Sehr gerne nehmen wir anspruchsvolle Aufträge an und finden dafür individuelle Sonderlösungen. Von der Expertenberatung in der Planungsphase bis zur Umsetzung und Nachbetreuung der Projekte. Grundsätzlich können Stützen bei Maba in Micheldorf rund, quadratisch oder auch oval angefertigt werden. Durchmesser von 20 bis 90 Zentimeter bei runden, 20 bis 60 Zentimeter Seitenlänge bei quadratischen Formen sind möglich. Eingebaut werden diese häufig senkrecht stehend, aber auch schräg. Diverse Kopf- und Fußausbildungen, Anschlüsse und Einbauteile sind realisierbar.

Würden Sie uns abschließend noch ein besonders spektakuläres und in der Umsetzung herausforderndes Projekt nennen?
Es ist immer etwas Besonderes für uns, wenn wir an Bauprojekten beteiligt sind, die vor allem den Aspekt der Nachhaltigkeit integrieren. Beton, ein ausgesprochen langlebiges Produkt, kann hierbei durch unsere Rotop® Schleuderbetonstützen bei modernen Bauprojekten einen wertvollen Beitrag leisten.
Vor allem in den letzten Jahren haben sich einige, besonders innovative Projekte ergeben: Wir durften etwa am Wohnbau „Living Garden“ in Kooperation mit Martin Mostböck und Pesendorfer I Machalek Architekten in der Seestadt Aspern mitwirken, einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Ein moderner Gebäudekomplex, der „Wohnen im Grünen“ neu interpretiert, der mit 22 Rotop®-Stützen der Maba ausgestattet wurde.
Auch die Buwog vertraut bei ihrem Neubauprojekt Marina Tower, das sie gemeinsam mit IES Immobilien am Wiener Handelskai – gegenwärtig eines der einzigartigsten Stadtentwicklungsprojekte – umsetzt, auf die unschlagbare Tragfähigkeit der Rotop®-Stützen. Bei diesem Leuchtturm-Projekt am rechten Donauufer, das mit der ARGE Marinatower (Swietelsky/Dywidag) realisiert wird, wird der geplante 40-Stock hohe Wohnturm über die kommenden Monate auf insgesamt 84 Rotop®-Schleuderbetonstützen gestellt.

Die zirka 13 Meter langen Stützen mit einem Durchmesser von 70 und 80 cm beim Marina Tower sind dafür ausgelegt, das Gewicht von 3.200 Mittelklasse-Pkw´s zu tragen. Damit könnten nur vier solcher Maßanfertigungen locker den gesamten Eiffelturm schultern, Besucher inklusive.

In jeder einzelnen der 18 to schweren Stützen steckt eine 6 to schwere Bewehrungskonstruktion. Der dadurch erreichte Bewehrungsgrad von 16 Prozent ist einmalig im ganzen Land und darf in Österreich auch nur von der Maba mit ihren entsprechenden Qualifizierungen und einer spezifischen Qualitätssicherung umgesetzt werden. Dabei geht man überraschend erfrischend bei der Installation vor: Die Stützen werden mit einem extra-hohen Kran von oben durch die Aussparungen in die bereits errichteten Geschoßdecken gefädelt. Erfreulicher Nebeneffekt: Immense Kosteneinsparung für ansonsten monatelanges Anmieten von Schwerlaststehern.

Christian Nageler ist CSO der Kirchdorfer Concrete Solutions, Gesamtverantwortlicher des Vertriebs- und Produktmanagements der Sparte Fertigteile.

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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