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Materialgeschichten

26.06.2018

In zehn dichten, reich illustrierten Kapiteln breitet Ákos Morawánsky die Theorie des Stoffwechsels aus, die Gottfried Semper im 19. Jahrhundert zum zentralen Element einer praktischen Ästhetik erhoben hatte. 

Ákos Morawánsky: Stoffwechsel. ­Materialverwandlung in der Architektur
Birkhäuser, Basel 2018; ISBN 978-3-0356-1018-5

Formen, die ursprünglich eng mit der Bearbeitungstechnik eines Materials verbunden waren, seien später auf andere Stoffe übertragen worden, als exemplarisches Beispiel führt Semper in seinem Hauptwerk „Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten“ bekanntermaßen den „Holzstil“ an, der nach und nach in den „Steinstil“ eingeflossen sei. Anhand der „alchemistischen Transformation“ des Materials bzw. der Materialität in der Architektur geht ­Morawánsky – ein profunder Kenner von Sempers Schriften – den zahlreichen Verästelungen und Missverständnissen, aber auch Potenzialen nach, die das Konzept des Stoffwechsels im 20. und 21. Jahrhundert für die Architekturpraxis bereithält. Durch schlüssige Verweise auf jüngere bzw. zeitgenössische Beispiele – in bewährter alphabetischer Zwangsläufigkeit wird der Bogen von Aalto bis Zumthor geschlagen – gelingt es, den spröden historischen Stoff aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu transformieren. Wer sich von den „Stoffen der Natur“ (Kap. 3) bis zum „Prinzip der Bekleidung“ (Kap. 8) vorgetastet hat, wird in den beiden letzten Abschnitten „Affen der Stoffe“ und „Immaterialität und Formlosigkeit“ mit besonders eindrücklichen Beispielen eines Materials ohne Eigenschaften belohnt. 

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