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SchücoJansenFoamglasSaint Gobain Isover

Nachhaltige Fassadengestaltung

15.11.2019

Produzenten, Architekten und Bauherren übernehmen eine besondere Verantwortung, nachhaltige Bauweisen zu fördern. Insbesondere, wenn drängende Aspekte wie zunehmende Verstädterung, Bevölkerungswachstum, schwindende Ressourcen und Klimawandel bedacht werden müssen. Abhilfe sollen Datenbanken schaffen, die zirkuläres Design bereits in der Planung von Gebäuden berücksichtigen. Dies soll nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile bringen.

von Ulrike Schmidbauer

Nachhaltiges und zukunftsgerechtes Bauen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Letztlich geht es darum, Bauten so zu konzipieren, dass sie wirtschaftliche, ökologische, gesellschaftliche, kulturelle und städtebauliche Anforderungen der Gegenwart und mehr noch der Zukunft erfüllen. In diesem Kontext lassen sich zahlreiche Qualitätsmerkmale einer nachhaltigen Bauweise anführen: Funktionalität, Gesundheit, Werterhalt, Wohnkomfort, bauliche Ästhetik und Wiederverwertbarkeit. Aluminium, Stahl und Glas haben sich in diesem Spannungsfeld der Anforderungen vielfach als Baustoff der Moderne bewährt und sich zu einer vielgestaltigen Größe in Architektur und Bauwesen entwickelt. Betrachtet man bei diesen Produkten alle Umwelt­aspekte während ihres gesamten Lebensweges, also von der Rohstoffgewinnung, der Produktion über die Nutzung bis hin zur Verwertung am Ende des Lebenszyklus, zeigt sich, dass diese Produkte positive Auswirkungen auf die Ökobilanz haben. Sowohl bei der Primärerzeugung als auch beim Rezyklieren der Materialien haben die Hersteller in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Nachhaltigkeit erzielt und konnten den Energieverbrauch, den Ressourcenbedarf, das Deponievolumen und die Emissionen deutlich reduzieren. Bei Aluminium lässt sich die Herstellung von Produkten gemäß dem „Cradle to Cradle“-Prinzip (C2C) ideal verwirklichen. Hierbei planen die Ingenieure vorher ein, wie die Werkstoffe später getrennt und möglichst effizient zurückgewonnen werden können. Die Planungs- und Beratungsfirma Arup hat einen Leitfaden für die Umsetzung von C2C in der Gebäudetechnik veröffentlicht. Dieser soll Ingenieuren und Architekten helfen, zirkuläres Design in die Planung von Gebäuden miteinzubeziehen.

Gewinnbringende Endlosschleife
Die Aluminiumindustrie hat bereits in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, Stoffkreisläufe zu schließen. Dies zeigt sich auch darin, dass rund 75 Prozent des jemals produzierten Aluminiums noch immer im Einsatz sind. Erste Hersteller von Fenstern, Türen und Wandkonstruktionen aus Aluminium wurden bereits mit dem C2C-Zertifikat ausgezeichnet. Die Erzeugnisse, die nach diesem patentgeschützten Prinzip hergestellt werden, verfolgen das Ziel, keinen Abfall mehr zu produzieren – sondern ausschließlich umweltfreundliche Rohstoffe für einen endlosen Materialkreislauf zu verwenden. Auf die Architektur übertragen bedeutet dies, dass Gebäude zu Rohstofflagern werden können. Manche sehen in C2C aber nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch ein lohnendes Geschäft. Die Unternehmensberatung McKinsey berechnete, dass die europäische Kreislaufökonomie über alle Branchen hinweg bis zum Jahr 2030 ein Umsatzvolumen von 1,8 Billionen Euro erzielen könnte.

Schüco zählt in der Baubranche zu den Vorreitern bei der Entwicklung C2C-zertifizierter Produkte. Mittlerweile sind 43 Aluminium-Systeme C2C-Silber zertifiziert. „In engem Zusammenhang mit C2C werden im Bereich der Werkstoffe auch kontinuierlich neue bzw. bestehende Materialien getestet. Über spezielle Legierungen sind beispielsweise Beschläge haltbarer und weniger wartungsintensiv, Kabel und Dichtmittel sind von gesundheitsbedenklichen Schadstoffen befreit und nicht zuletzt werden Dichtungen und Isolatoren aus ‚biologischen‘ Grundprodukten hergestellt“, schildert Iris Obenaus, Marketingmanagerin von Alukönigstahl, langjähriger Vertriebspartner von Schüco und Jansen. Und sagt weiter: „Unsere Schüco Systeme können so kombiniert werden, dass das gesamte Gebäude mit C2C-zertifizierten Systemen ausgestattet ist – und das standardmäßig ohne zusätzliche Kosten. Mit der Konstruktionssoftware SchüCal können Architekten und Planer aus unserem Systembaukasten jene Systeme wählen, die ein vollständig nachhaltiges Gebäude ergeben“.

Permanenter Werkstoffkreislauf
Stahl ist der wichtigste Rohstoff der Welt. Als Baumaterial erfüllt dieser in einem hohen Maße ökologische, ökonomische und soziale Anforderungen. Dadurch bleibt Stahl gerade in Zeiten der Energiewende und der Notwendigkeit eines schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen unverzichtbar. Laut des Österreichischen Stahlbauverbandes helfen Stahlwerke sogar, Schwankungen der erneuerbaren Energien im Stromnetz auszugleichen. „Bei der Demontage von Stahl können 98 Prozent rückgeführt werden, und dieses Material kann zu 100 Prozent rezykliert werden. Die hohe Lebensdauer der Stahlsysteme senkt auch die Gesamtkosten aufgrund geringster Wartungs- und Unterhaltskosten“, sagt Iris Obenaus. Je nach Bedarf lässt sich beim Recycling die Güte des Stahls sogar noch erhöhen. „Für unsere Jansen-Stahlsysteme bieten wir branchenspezifische Umweltproduktdeklarationen (EPDs) nach ISO 14025 und EN 15804 an. Die deklarierten Nachweise dienen als Grundlage für die Erlangung eigener Hersteller-EPDs“, berichtet Obenaus. Mit Fensterrahmen aus Stahl lässt sich aufgrund der höheren Stabilität schlanker und größer bauen. Nach dem Entwurf von Zaha Hadid entstand in der Grazer Altstadt mit dem Projekt Argus ein serviciertes Apartmenthaus. Dank des zeitgemäßen Stahlprofils Janisol Arte 2.0 konnten die „Argusaugen“ in der von der Architektin angestrebten Filigranität realisiert werden. Mit dem Metallbauer Sauritschnig fand man den idealen Partner, der die „Argusaugen“ genauso ausführte, wie Zaha Hadid sie sich vorgestellt hatte: als eine auf das Äußerste reduzierte Konstruktion aus Stahl, Glas und glasfaserverstärktem Kunststoff in einer organisch fließenden Form. Obenaus ergänzt hierzu: „Janisol Arte 2.0 ist das schmalste am Markt erhältliche thermisch getrennte Stahlprofil und zeichnet sich lediglich als feine Linie in den großflächigen Scheiben ab“.

Energieeffiziente Dämmung
Altglas kann mehrfach eingeschmolzen und zur Herstellung neuer Produkte genutzt werden. Gesammeltes Altglas wird zu 100 Prozent in der Verpackungsindustrie wiederverwertet. Solch eine erneute stoffliche Nutzung ist ressourcenschonend, umweltverträglich, spart viel Energie und Deponiefläche. Fensterglas findet jedoch aus Qualitätsgründen, im Sinne eines unterbrochenen Recycling-Kreislaufes, nicht wieder als Fensterglas Verwendung. Bei der Herstellung von Behälterglas, Dämmwolle, Schmirgelpapier, Schaumglas und Glasbausteinen kann Fensterglas jedoch wiederverwendet werden. Foamglas® verwendet als Rohmaterial für seinen Schaumglasdämmstoff 60 Prozent Recyclingglas. Der Hauptrohstoff ist Flachglasrezyklat, das aus defekten Autoscheiben und Fenstergläsern gewonnen wird. Der Dämmstoff ist frei von umweltschädigenden Brandschutzmitteln, Treibgasen und hat keine ökotoxikologischen Bestandteile. Die Lebensdauer der Dämmung entspricht der des Gebäudes. Nach jahrzehntelangem Einsatz lässt sich Foamglas® wieder als Granulat recyceln. natureplus®, der internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen, hat die Dämmstoffplatten aus Schaumglas mit dem nature­plus®-Qualitätszeichen ausgezeichnet. „Ende 2016 wurde mit Foamglas T3+ eine neue Generation mit gestiegener Dämmleistung auf den Markt gebracht, die sich den stetig steigenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsanforderungen anpasst“, so Dirk Vogt, Leiter Marketing und Technik, Building Business bei der Deutschen Foamglas GmbH. Der Dämmstoff ist zudem nicht brennbar, druckfest, feuchtigkeitsunempfindlich sowie wasser- und dampfdicht. Dadurch eignet sich Foamglas® ideal für Begrünungssysteme und Photovoltaik-Module am Dach. Dachgärten schaffen nicht nur einen zusätzlichen Lebensraum; in Zeiten des Klimawandels haben sie auch eine positive Auswirkung auf das Klima in der Umgebung. Die Bepflanzung sorgt zudem für kühlere und feuchtere Luft. Sie bindet und filtert Staubpartikel und dämpft Verkehrslärm. Auch Saint-Gobain engagiert sich in Österreich für nachhaltigen und energieeffizienten Hochbau. Bereits seit Jahrzehnten nutzt Saint-Gobain Isover für seine Glaswolle bis zu 90 Prozent recyceltes Altglas, das von lokalen Glasrecyclingbetrieben stammt. Die Scherben werden mit regenerativem Strom bei niedrigen Temperaturen geschmolzen, was zur Reduktion der CO₂-Bilanz beiträgt. Darüber hinaus werden Produktionsabfälle wieder in den Fertigungsprozess zurückgeführt. „Vor zehn Jahren führte Isover Austria ein Recyclingsystem auf Kundenbaustellen ein, um den Recyclinganteil zu erhöhen. Eine Gesetzeslücke im österreichischen Abfallverzeichnis und in der österreichischen Deponieverordnung verhindert jedoch seit geraumer Zeit den Aufbau eines funktionierenden Recyclingdienstes für Glaswolle. Die Fachvereinigung Mineralwollindustrie arbeitet mit dem Gesetzgeber und allen involvierten Verbänden an einer praktikablen Lösung“, schildert Peter Giffinger, CEO bei Saint-Gobain für die Unternehmen Rigips, ­Isover, Weber und Glassolutions. In Frankreich, Schweiz, Dänemark und Schweden bietet ­Isover bereits Recyclingdienste für Glaswolle-Abfälle an. Dadurch konnte eine neue Rohstoffquelle erschlossen und der Anteil an Recyclingprodukten sowie an Bruchkorn erhöht werden.

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