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Nachruf

12.05.2015

Horst Parson 1935-2015. Mit Horst Parson starb eine der prägenden Persönlichkeiten der Tiroler Architektenschaft, dessen Bauten und dessen zivilgesellschaftliches Engagement eindrückliche Spuren hinterlassen hat.

Architekt Horst Parson
Kleine Kapelle in der Axamer Lizum (1964) von Horst Parson

Autor: Gretl Köfler

Begonnen hat seine Architektenkarriere mit einem kleinen Projekt noch ehe er 1966 sein Büro in Innsbruck eröffnete. Anlässlich der Austragung der Olympischen Winterspiele 1964 in der Axamer Lizum hat er eine kleine Kapelle an den Hang gestellt. Der introvertierte Raum unter einem mehrmals gefalteten Dach erregte Aufsehen unter der Architektenschaft und brachte Folgeaufträge im kirchlichen Raum, wo nach dem 2. Vaticanum eine neue Liturgie neue Kirchenräume erforderte. Horst Parson schuf dafür sakrale Raumgebilde mit urbaner Anmutung, offen für die vielfältigen Aufgaben einer aktiven Kirchengemeinde. Seit 1966 betrieb er sein Büro in Innsbruck, zumeist als Einzelkämpfe, bei den Großprojekten in den 90er Jahren unterstützt von Wolfgang Kritzinger und Johannes Schmid.

Seine in Tirol verstreuten Einfamilienhäuser zeichnen sich durch klare, oft stringente Strukturen, differenzierte Raumfolgen und eine hohe Tageslichtqualität aus. Aufsehen erregte in den 80er Jahren Haus und Atelier für eine Künstlerin, eine in den Hang gegrabene lichte Höhle und ein psychologisches, künstlerisches und energetisches Experiment, dass der Bewohnerin einiges abverlangt. Bei seinen Wohnbauten lagen ihm die Hofräume am Herzen, er sorgte für Abschottung vom Straßenlärm und für qualitätvolle Außenräume auch unter den Bedingungen des sozialen Wohnbaus. Die zylindrischen oder runden Baukörper seiner Bürobauten liegen weich in der Landschaft, bestechen aber im Inneren durch hohe Funktionalität. Für Kuwait und Abu Dhabi hat er in den letzten Jahren langgestreckte multifunktionale Gebäude entworfen, deren klare räumliche Strukturen eine hohe Flexibilität und gute Orientierbarkeit gewährleisten. Eine Umsetzung war im nicht vergönnt. Wie bei allen Architekten überwiegen auch bei ihm die geplanten Projekte die verwirklichten. Schon zu Lebzeiten hat er seinen Vorlass dem Archiv für Baukunst übertragen.

Horst Parson engagierte sich immer für öffentliche Aufgaben, lange Jahre war er Tiroler ZV Präsident und in der Architektenkammer aktiv. Er beriet mehrere Tiroler Städte in Raumordnungsfragen, saß in verschiedenen Gestaltungsbeiräten und sparte bis zuletzt nicht mit Kritik am aktuellen Baugeschehen. Da vermisste er alles, was er seinen eigenen Projekte eingeschrieben hatte: handwerkliche Qualität, Beständigkeit und den Versuch mittels Architektur „Ruhe in eine zerrissene Welt zu bringen.“

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