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Neue Schwerpunkte setzen

10.04.2018

Seit 2014 ist Architekt Daniel Fügenschuh mit der erfolgreichen Liste „offene Kammer“ Vorsitzender der Sektion Architekten in der Kammer für Tirol und Vorarlberg. Jetzt folgte er Georg Pendl als neuer Vorsitzender der Bundessektion der Architekten in der Bundeskammer der Ziviltechniker.
Gretl Köfler im Gespräch mit Daniel Fügenschuh

Daniel Fügenschuh

Warum folgt in der Bundeskammer dem ­Tiroler Georg Pendl wieder ein Tiroler?

Ich vermute, die Wiener finden die Tiroler ganz nett. Wir Tiroler und auch die Vorarlberger haben eine gewisse Eigenständigkeit und sehen uns nicht so in Konkurrenz zu den Wienern. Abgesehen von persönlichen Sympathien, die natürlich eine Rolle spielen, muss man sagen, wir sind in Tirol und Vorarlberg sehr gut aufgestellt. Die Berufsvertretung ist sehr aktiv, wir haben eine gut aufgestellte Wettbewerbskultur, und unsere Architektur ist sehr vorzeigbar.

Wie schauen die Pläne für die Bundeskammer aus?

Mir bleibt nicht mehr sehr viel Zeit bis zu den Wahlen im Mai. Bis dahin kann ich abtasten, ob ich etwas von meinen Vorstellungen umsetzen kann und die anderen können schauen, wie wir miteinander arbeiten werden. Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren im Bundesvorstand, habe mit Georg Pendl sehr gut zusammengearbeitet und werde daher nicht ein konträres Programm einbringen. Aber ich möchte schon eigene Schwerpunkte setzen. Einer betrifft die Gestaltungsbeiräte, die es bereits überall im Land verteilt gibt. Aber im Gegensatz zu den Wettbewerben gibt es für die Gestaltungsbeiräte fast keine Richtlinien vonseiten der Kammer. Da will ich einhaken, versuchen herauszufinden, wo es überhaupt Gestaltungsbeiräte gibt, wie sie konstituiert sind, wie lange sie schon bestehen. Wir lassen gerade eine professionelle Umfrage machen, wo diese Themen aufgegriffen und demnächst bei einer Tagung am 6. April in Innsbruck breit diskutiert werden. Dabei wollen wir eine Art Richtschnur für die Besetzung von Beiräten erarbeiten. Bei den Statuten gibt es seitens der Kammer immer dieselben Knackpunkte: Wir hätten gerne mehr Öffentlichkeit, mehr Möglichkeit, jemand in den Beirat zu entsenden oder ein Vorschlagsrecht.

Der andere Schwerpunkt betrifft die Web­site der Architekturwettbewerbe, die sehr gut angenommen wird. Sie bräuchte einen Relaunch, weil sich die Technologie weiterentwickelt. Zudem sind viele unterschiedliche Auslegungen in den Länderkammern vorhanden. Der Sinn der Website wäre nicht nur jener, dass die Architekten sich die Wettbewerbe anschauen können, sondern dass wir in der Kammer –Funktionäre und Ausschussmitglieder – ein vielseitig einsetzbares Tool für eine statistische Auswertung haben, etwa welcher Juror ist wo dabei gewesen u. ä. Ich hoffe, dass ich diese beiden Projekte bis zum Sommer auf den Weg bringen kann.

Und wie steht es mit der eigenen Arbeit als ­Architekt?

Es ist schon einschränkend, und ich habe dabei persönlich keinerlei Vorteile gehabt, aber es ist mir wichtig, kammerpolitisch aktiv zu sein. Die Bundeskammer wird noch mehr Arbeitsaufwand erfordern. In den letzten Wochen war ich jede Woche zwei oder drei Tage in Wien, aber ich vermute, dass sich das einpendelt. Früher hatte ich ein Büro mit acht Mitarbeitern, jetzt sind wir zu zweit. Für mich war das eine bewusste Entscheidung, weil ich bemerkt habe, dass für mich persönlich ein großes Büro bis ans Ende der Tage nicht erstrebenswert ist.

Wie ist das Verhältnis zwischen Bundes- und Länderkammern?

Es gibt da einen historischen Hintergrund; die Bundeskammer ist erst später gegründet worden, weil die Länderkammern das Gefühl hatten, dass sehr viel in Wien entschieden wird. Etwas über 50 Prozent der Kammermitglieder befinden sich in Wien, und deshalb hat man irgendwann einmal – meines Wissens nach in den 1960erJahren – die Bundeskammer gegründet. Die Länderkammern sind in vier Gruppen zusammengefasst: Kammer Osten: Wien NÖ Burgenland; Kammer Mitte: Salzburg Oberösterreich, Kammer West: Tirol Vorarlberg und die Kammer Süd mit Kärnten und Steiermark. Es könnte ja auch ein gewisses Vorbild für regionalpolitische Zusammenfassungen sein.

Welche Kompetenzen entfallen auf die Bundeskammer?

Bei der Gesetzgebung erklärt sich das ja von selbst: Bundesgesetze sind Sache der Bundeskammer, Landesgesetze der Länderkammer, und dann geht es vor allem darum, ob es österreichweit oder nur für den Länderkammerbereich relevant ist. Prinzipiell macht es aber Sinn, so nahe an den Mitgliedern zu sein.

Wie ist der Wahlmodus für die Bundeskammer?

Im Prinzip wählen alle Mitglieder österreichweit für die Länderkammern, dann werden die Länderkammern neu aufgestellt mit allen entsprechenden Funktionären und im zweiten Zug ist die die Bundeskammerwahl. Die nächste Kammerwahl ist im Mai, die vorherige fand vor vier Jahren statt. Ich bin etwa vor vier Jahren zum Vorsitzenden für Tirol und Vorarlberg gewählt worden, wo insgesamt vier Listen vertreten sind. Unter unseren Ausschüssen gibt es einen eigenen Ziviltechnikerausschuss, ebenso auch in der Bundeskammer. Wenn dort jemand offiziell zurücktritt, was mit Georg Pendl gerade kürzlich geschehen ist – weil er wiederum in eine internationale Position in den ACE (Architects‘ Council of Europe) gewechselt ist – schreibt das Ziviltechnikergesetz vor, eine neue Wahl auszuschreiben. Über meine neue Funktion wurde mittels einer Wahl im Sektionsvorstand der Bundeskammer, in dem ich als Landesvorstand bereits vertreten war, entschieden. Der Sektionsvorstand setzt sich aus den Vorsitzenden der Länderkammern zusätzlich zu weiteren Delegierten der Länderkammern zusammen, je nach Mitgliederzahl ist es insgesamt etwa ein Dutzend, das den Vorsitzenden wählt. Beschlussfähig ist der Sektionsvorstand bereits mit acht Personen. Um antreten zu können, braucht man vier Unterstützungserklärungen; ich hatte diese von allen Sektionsvorsitzenden der Länderkammern, die vorweg in ihren Gremien das Einverständnis für meine Unterstützung eingeholt hatten – und es gab keinen Gegenkandidaten. Bis zu den Wahlen im Mai habe ich noch beide Funktionen in der Bundes- und in der Länderkammer inne und ich werde bei der nächsten Kammerwahl auch Spitzenkandidat meiner Liste sein, bei der Teamarbeit übrigens immer groß geschrieben wurde.

Daniel Fügenschuh, Jahrgang 1970, führt, nach einem mehrjährigen Aufenthalt in London, seit 2004 ein Büro in Innsbruck. Zu seinen Projekten zählt u. a. die preisgekrönte Erweiterung der Hauptschule Rattenberg.
www.fuegenschuh.at

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