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No Stars, just Mooons

27.03.2019

Das Mooonshotel am Wiedner Gürtel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wiener Hauptbahnhof macht mit seiner markanten Fassade auf sich aufmerksam. Es soll das erste einer neuen Kette sein, die mit einem originellen Konzept, langlebigen Materialien und kompakten Grundrissen Luxus mit Leistbarkeit verbindet.

von Gertrud Purdeller

Ursprüngliche Idee hinter der auffälligen Lochfassade mit kreisrunden Fenstern war es, ein vollkommen rundes Hotelzimmer zu kreieren. Die Weiterentwicklung des Konzepts führte schlussendlich dann doch zu einem orthogonalen Grundriss, doch der Grundgedanke, Gästen ein außergewöhnliches Raumgefühl bieten zu wollen, ist geblieben. Die auf minimalem Platz organisierten Raumzellen erinnern entfernt an japanische Kapselhotels, vermitteln durch hochwertiges Design und edle Materialien jedoch gleichzeitig ein Gefühl von Luxus.

Von innen nach außen

In einem Vorauswahlsprozess hatten sich Moser Architects als Partner für die Umsetzung des Hotels herauskristallisiert und avancierten dabei selbst vom Planer zum Bauherrn. Tatsächlich wurde das Hotel, ausgehend von der Idee eines kreisrunden Zimmers, von innen nach außen konzipiert. Noch bevor das Grundstück feststand, wurde bereits das erste Musterzimmer eingerichtet. Dieses wurde aber auch dafür genutzt, um die Abläufe der vier bis fünf Gewerke aufeinander abzustimmen, die aufgrund der knappen Bauzeit teilweise gleichzeitig in den nur 18,5 Quadratmetern großen Zimmern tätig sein werden.

Wichtig war es, eine verkehrstechnisch gut angebundene, interessante Lage innerhalb der Stadt zu finden. Mit der unmittelbaren Nähe zum Wiener Hauptbahnhof und dessen sich mehr und mehr großstädtisch gebendem Umfeld sowie dem Schloss Belvedere um die Ecke sind diese Kriterien am jetzigen Standort definitiv erfüllt. In den oberen Etagen und von der Dachterrasse aus könnte der Blick kaum besser komponiert sein, um das Wiener Lebensgefühl in einem Bild zusammenzufassen.

Kompakte Großzügigkeit

Zur Straße hin öffnet sich das Hotel mit dem großzügig verglasten Restaurant- und Barbereich. Eine Geste, die durch ein zwei Meter tiefes Vordach an der Fassade noch verstärkt wird. Die Rezeption ist hingegen erst im hinteren Bereich des Erdgeschoßes ausfindig zu machen. Ebenso im Erdgeschoß befindet sich die auf Fusionsküche ausgelegte Restaurantküche, die über einen Lift mit Kühl- und Lagerräumen im Keller verbunden ist. Von der Lobby aus führen zwei gegenüberliegende Gästeaufzüge in die Regelgeschoße eins bis acht, die bis auf minimale Unterschiede durch vier etwas großzügigere barrierefreie Zimmer weitgehend identisch sind. Im neunten Geschoß befinden sich sechs Suiten, die aufgrund der Dachschräge nach einem anderen Prinzip organisiert sind, und ein Fitnessraum. Auch mit den bullaugenartigen Fenstern wird in diesem Geschoß zugunsten einer großzügigen rechteckigen Schrägverglasung gebrochen.

Mit einer Größe von 18,5 Quadratmetern sind die Standardzimmer zwar sehr kompakt gehalten, erhalten durch ihre hochwertige Ausstattung und das extravagante Design jedoch eine unvermutete Großzügigkeit. So werden etwa die runden Fensteröffnungen mit einer Corian-Laibung als Sitzgelegenheit in Szene gesetzt. Selbst die Schminkspiegel im Bad sind auf das CI des Mooonshotel abgestimmt. Elemente, wie die Türzargen aus pulverbeschichtetem Stahl, wurden insbesondere nach dem Kriterium der Langlebigkeit ausgewählt, denn genau mit hochwertigen Details wie diesen will man sich von anderen Hotelketten abheben. Ganz nach dem Motto „no stars, just mooons“ möchte man sich einer Kategorisierung bewusst entziehen.

Stadtoase

Die mit einer Freiluftbar ausgestattete Dachterrasse soll nicht nur für Gäste, sondern auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein und ebenso wie der Innenhof punktuell für Veranstaltungen genutzt werden können. Um eine Störung der Nachbarschaft zu vermeiden, wurden im Hof akustisch wirksame „Gartenboxen“ zur kontrollierten Lenkung des Schalls angeordnet. Auf dem Dach kommt hingegen ein schalltechnisch wirksamer Belag aus gebundenem Edelsplit zum Einsatz, der gleichzeitig wasserdurchlässig ist. Mit einem erhöhten Lounge-Bereich mit Sitztreppen über der darunterliegenden Garagen­auffahrt bildet der Hof, als völlig vom Lärm der Stadt abgeschottete Ruhe-Oase, eine ideale Frühstücks-Location, mit Blick auf Wiener Wohnbauarchitektur verschiedener Dekaden. Für eine rohe Feuermauer liegen bereits Gestaltungsideen vor. 

Architektur und Corporate Design

Derzeit dient der Innenhof gerade noch als Materiallager. Im Boden befindet sich ein großes Loch, in dem bis vor Kurzem noch der Kran stand. Da es sich naturgemäß leichter nach unten als nach oben trägt, wurde so viel wie möglich oben auf dem Dach gelagert. Weitgehend abgeschlossen sind bereits die Fassadenarbeiten, weshalb für die Montage erforderliche Hebebühnen bereits wieder abgebaut wurden. Bei der Pfosten-Riegel-Fassade mit Nurglasstößen im Süden kamen 61 Millimeter starke Scheiben zum Einsatz. Bis auf die ganz dem CI entsprechenden kreisrunden Öffnungen sind die emaillierten Glasscheiben mit einer Dämmschicht hinterlegt. Der Bereich der zweiten Fluchttreppe wurde dazu genutzt, um auch den Schriftzug Mooons, der gleichzeitig das Logo des Hotels darstellt, in die punktrasterartige Fassade zu integrieren. Aufgrund der angepeilten kurzen Bauzeit von nur einem Jahr und sechs Monaten hat man sich für eine Planmaßfassade entschieden, wobei die Herausforderung hier insbesondere in der perfekten Abstimmung der Fassadenpaneele mit dem Rohbau bestand. Ein Unterfangen, das ohne größere Nachbearbeitung des Rohbaus geglückt ist. Hofseitig erhält das Gebäude gerade noch eine Vollwärmeschutzfassade.

Perfekt abgestimmt

Der straffe Zeitplan machte es notwendig, in den unteren Etagen bereits mit dem Ausbau zu beginnen, noch bevor die oberen Geschoße betoniert waren, weshalb mit Notabdichtungen gearbeitet werden musste, die anschließend wieder entfernt wurden. Anfang Februar wurden die letzten Estriche gegossen. In den unteren Regelgeschoßen ist der Innenausbau bereits im Gang, um Beschädigungen zu vermeiden, wartet man im Erdgeschoß noch zu bis die groben Bauarbeiten in den oberen Etagen abgeschlossen sind.

Knapp bemessen wurde nicht nur die Bauzeit sondern auch die Dimensionierung der Bauteile. Mit einer Stärke von nur 18 Zentimetern, in welche zudem noch Aussparungen für Elektroleitungen und Spots eingelassen sind, überspannen die Zwischendecken Abmessungen von bis zu 6,4 Metern.
 


 

PROJEKTDATEN

Hotel MOOONS, Wien
1040 Wien

Bauherr MOOONS Immobilien GmbH
Architektur MOSER ARCHITECTS Ziviltechniker GmbH
1020 Wien
Statik

Dipl.-Ing. Alexander Katzkow Partner GmbH
1060 Wien

Bauphysik K2 Bauphysik GmbH
1030 Wien
Brandschutz HOYER Brandschutz GmbH
1100 Wien
Gebäudetechnik (TGA)  Zentralplan Planungs ges.m.b.H.
2700 Wr. Neustadt
Akustik Consulting Gruber
1140 Wien
Vermessung Vermessung Eckharter ZT GmbH
1010 Wien
Landschaftsarchitektur YEWO Landscapes
1020 Wien
ÖBA Eisner ZT GmbH
8010 Graz
Planungsbeginn 2014
Fertigstellung 2019
BGF 7.100m²
170 Zimmer

 

ARCHITEKTEN
 

Moser Architects

2000 gegründet ging das Büro Moser Architects als Nachfolgeunternehmen des seit 1960 bestehenden Architekturbüros Marchart Moebius & Partner hervor. Gemeinsam mit Josef Moser gründete der heutige Geschäftsführer Marius Moser das international tätige Architekturbüro. Als Generalplanungsbüro verfügt Moser Architects über eine über 50-jährige Erfahrung auf dem gesamten Gebiet der Hochbauplanung. Dies betrifft den Städtebau, die Objektplanung mit Schwerpunkt auf Bauten des Gesundheitswesens, aber auch Wohnbau, Gewerbeobjekte und Bürobauten sowie Hotellerie, bis hin zu Interior Design und medizintechnischer Ausstattung. 

Im Leistungsprogramm von Moser Architects stehen Konzeption und Planung sowie Projektmanagement, Baumanagement und Bauaufsicht. Darüber hinaus wickelt Moser Architects Bauvorhaben bis zur schlüsselfertigen Übergabe mit bauausführenden Partnern ab. Auch für Spezialleistungen wie der medizinischen Konzeption, der Finanzierung, dem Facilitymanagement und der Betriebsführung sowie der Einschulung der Nutzer arbeitet Moser Architekten mit bewährten Partnern zusammen.

moserarchitects.at

 

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