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Open House Wien 2019

13.08.2019

Das Gesicht Wiens verändert sich kontinuierlich: Es entwickeln sich neue Wohnformen, entstehen innovative Arbeitswelten und Produktionsstätten mitten im Stadtgefüge, aber auch die Berücksichtigung klimatischer Veränderungen hat Einfluss auf den Wandel des architektonischen Erscheinungsbildes der Stadt. Open House Wien hat sich daher bemüht am 14. und 15. September eine Mehrzahl an neuen Gebäuden für Besucher zu öffnen.

Dieses Jahr öffnen 69 sehr unterschiedliche aber stets architektonisch wertvolle Gebäude in Wien und Niederösterreich gratis für alle Interessierten ihre Tore. Neben Wohnbauten, Büros oder Bildungseinrichtungen sind heuer auch ein Schwimmbad, ein Bauernhof und Tresorräume zur besichtigen, stets geführt von zahlreichen Volunteers, aber zum Teil auch begleitet von Architekten und im Beisein der Nutzer. Im Mittelpunkt steht thematisch die urbane Vielfalt, sodass auch eine ganze Reihe an Baugruppenprojekten auf der diesjährigen Objektliste stehen.

Urban Manufacturing als Zukunftsmodell
Mehr und mehr Produzent entdecken die Vorteile, ihren Standort in die Stadt zu verlegen und entscheiden sich dafür, sich wieder vermehrt in Wien anzusiedeln. ‚Urban Manufacturing‘ und ‚Productive City‘ lauten die Buzzwords für diesen Trend, der auch kurze Wege und eine lokale Wertschöpfung mit sich bringt. Das vor allem im Bereich der Lebensmittelproduktion aufkeimende Thema hat die Wirtschaftsagentur Wien, 2019 Partner von Open House Wien, mit ihrem „Urbane Produktion departure trail“ im Fokus und macht sich auf, produzierende Unternehmen zu entdecken wie unter anderem Hut und Stiel, die Schnecken-Manufaktur Gugumuck, Ottakringer oder die Essigbrauerei Gegenbauer.

Zum Wiener Gemeindebau
Der 100. Geburtstag des Weiner Gemeindebaus ist ein zweiter Themenschwerpunkt, der sich anhand der Projekte verfolgen lässt. Die Bauten des damaligen roten Wien verknüpften schon immer Wohnen mit anderen Funktionen. „Hier wird schon immer eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten gelebt, etwa in Form kleiner Geschäfte und Betriebe in der Erdgeschoßzone, als perfekte Ergänzung zum leistbaren Wohnen“, wie Architektin Iris Kaltenegger, Gründerin von Open House Wien betont. Grund genug heuer erstmals einen „Gemeindebau-Trail“ einzuplanen, der sich auf diese speziell Wienerische Form des sozialen Wohnbaus konzentriert. Einen Blick hinter die Kulissen erlauben das Schöpfwerk, der Sigmund-Freud-Hof, die Wohnsiedlung Schmelz (Marschbau), der Sandleiten-Hof, der Reumann-Hof und der Karl-Seitz-Hof.

Auf dem Weg zur produktiven Stadt
Von der ausgewogenen Fusion aus Wohnen, Arbeiten und Produzieren in urbanen Räumen, eine zentrale Aufgabe von Stadtplanern und Architekten – hängt die Funktionsfähigkeit einer Stadt und ihre Lebensqualität ab. „Gelingt es nicht, die Wohn-, Industrie- und Gewerbe-Nutzung kreativ und für alle verträglich inmitten der Grätzel als gemischte Common Spaces zu etablieren, führt dies – wie bereits viele Städte zeigen – zur Verdrängung von Industrie und produzierendem Gewerbe in den Speckgürtel. Das bedeutet erhöhtes Verkehrs-Aufkommen, stärkerer Umweltbelastung, eine Beschädigung des Wertschöpfungskreislaufs und soziale Unausgewogenheit“, so Kaltenegger. „Gerade in Wien wird derzeit aber viel unternommen, um das Zusammenspiel aus Wohnen und Produzieren wieder zu beleben. Es geht darum, das Gewerbe in der Stadt neu zu positionieren und den Wandel von der postindustriellen zur produktiven Stadt einzuleiten.“

Vieltfältiges Wien
Mehr und mehr Dächer oder Fassaden werden begrünt und tragen so zu einem besseren Stadtklima bei. Beispiele für ein ‚grünes Wien‘ sind daher ebenfalls im Programm vertreten. Führungen gibt es etwa für die grüne Fassade der MA48 und die begrünte Dachterrasse der Initiative grünstattgrau – interessante Details zum Thema ‚Gestaltung mit Pflanzen‘ und zu den damit verbundenen Herausforderungen inklusive.

Open House ermöglicht damit „einen etwas anderen Blick auf Wien. Und genau das ist auch das Ziel der Initiative: der individuellen Blickwinkel soll erweitert werden, das Wissen über die eigene Stadt, anhand von architektonisch spannender Gebäude, vertieft werden. Jeder Bau birgt seine eigene, aufregende Geschichte und jeder nimmt diese auch anders wahr, aus der eigenen, ganz persönlichen Perspektive“, so Ulla Unzeitig, Architektin und Mit-Organisatorin von Open House Wien.

Noch wird nach weiteren Volunteers für Open House Wien gesucht. Sie führen am Open House Wien Wochenende dann fachkundig durch die von einem „Weisenrat“ ausgewählten Bauten. Neues lernen dabei auch jene interessierten Freiwilligen, die vom Open House Wien Team in puncto Architekturvermittlung noch geschult werden. Bewerbungen unter: https://openhouse-wien.at/de/Werde-Volunteer.html.

14. und 15. September. Mehr Informationen zu OPEN HOUSE WIEN: www.openhouse-wien.at

Sneak Preview Walk im Billrothhaus: „Wie aus Platznot ein Wiener Baudenkmal entstand …“
10. September, 09:30 Uhr, Treffpunkt: Billrothhaus, Frankgasse 8, 1090 Wien
Anmeldung bis Freitag, 6. September unter spiegl@spiegllehner.com oder http://lehner@spiegllehner.com

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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