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Manfred SeidlManfred SeidlManfred Seidl

Petition: Rettung der Helmut-Richter-Schule

26.07.2019

Gefordert wird die Erhaltung und adäquate Nutzung der Helmut-Richter-Schule am Kinkplatz in Wien/Penzing. Dem 1994 errichteten Schulbau Kinkplatz droht der Abriss. Seit 2017 steht er leer, seine Zukunft ist ungewiss.

Die Initiative „Bauten in Not“ fordert die Stadt Wien auf, dieses richtungsweisende Gebäude der Moderne zu erhalten und einer entsprechenden Nutzung zuzuführen. Das High-Tech-Gebäude vom Ende des 20. Jahrhunderts ist auch im internationalen Vergleich von herausragender Bedeutung. Seine singuläre Stellung in Österreich macht es einzigartig und denkmalwürdig.

Ihrer Zeit voraus
„Die Schule in Baumgarten (Bezirksteil von Wien-Penzing) ist das Hauptwerk von Architekt Helmut Richter (1941-2014). Sie ist „der radikalste und mutigste Beitrag zum Wiener Schulbauprogramm 2000. (...) Weit ihrer Zeit voraus, fasziniert sie als Raum und Konstruktion bis heute.“ (Zitat: Franziska Leeb, „architektur aktuell“, Nr. 452, 2017, S.112). Das „Schulbauprogramm 2000“ wurde vom damaligen Stadtrat für Stadtentwicklung und Stadtplanung, Hannes Swoboda (SPÖ; heute Präsident des Vereins Architekturzentrum Wien) ins Leben gerufen. Es brachte den international vielbeachteten Anstoß einer architektonischen Erneuerung im Schulbau, die bis heute nachwirkt. Die Helmut-Richter-Schule ist das Aushängeschild dieses Programms.

„Dass es sich bei diesem Gebäude um ein Meisterwerk handelt, steht außer Zweifel und es sollte alles getan werden um dieses Gebäude in seiner Bedeutung zu erhalten“ betont auch Architekt Wolf D. Prix, etwa in seinem Brief an SR Czernohorsky vom 4. April 2019. Auch Prix gehört zum internationalen Architektur-Komitee, das sich nach ersten Abrissgerüchten 2014 formierte. Führende Akteure der österreichischen und internationalen Architektur-Szene, darunter Zaha Hadid, Frank Gehry und Dominique Perrault, starteten damals eine Petition und forderten den wertschätzenden Umgang mit Richters außergewöhnlichem Werk.

Beurteilungen im Widerspruch
Die vorliegenden, von der Stadt Wien beauftragten Sanierungsgutachten (Werkraum Wien 2015, KPPK 2016, Ing. Ribarich 2018) kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Schule insgesamt den technischen Normen der Zeit und zum Teil sogar noch heute gültigen Normen (Statik, Wärmedämmung, Schalldämmung) entspräche. Mängel im Bereich der Abdichtungen, des Brandschutzes oder der Funktionstüchtigkeit einzelner Bauteile ließen sich im Einklang mit den architektonischen Qualitäten des Bauwerks lösen. KPPK ermittelten für Bestandserhalt, Sanierung und Verbesserungen Kosten von zirka 31 Mio Euro (2016, exkl. Mwst.) – in etwa den aktuellen Neubaukosten einer Schule dieser Größenordnung. Auch das neueste Gutachten bestätigt die Beurteilung in den wesentlichen Punkten, sieht aber in Widerspruch dazu ohne weitere Begründung eine Reihe von „Empfehlungen“ vor, die die Kosten auf 46 Mio Euro hinaufschrauben – phantasievolle Planungskosten von 14 Mio. Euro (im Vergleich zu 4,5 Mio. bei einer Neubaulösung) nicht eingerechnet. Dabei würden diese „Empfehlungen“ das Gebäude in seiner Außenerscheinung und räumlichen Transparenz so gravierend verändern (Austausch aller Fassaden und wesentlicher Teile der Konstruktion usw.), dass auch die dringend zu fordernde Unterschutzstellung des Gebäudes fraglich würde. Diese Zerstörung durch „Sanierung“ ist aus den Befunden der Gutachten nicht zu rechtfertigen und entschieden abzulehnen.

Denkmalgerechte Sanierung gefordert
Ebenso werden Gedanken an einen Abbruch und einen Neubau abgelehnt. Er käme inklusive der Abbruchkosten nicht nur erheblich teurer als die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes, er wäre vor allem auch ökologisch nicht vertretbar: Die in dem erst 25 Jahre alten Gebäude gebundene graue Energie ginge ganz erheblich zu Lasten der Ökobilanz einer derartigen Lösung.

Die besonderen funktionellen Qualitäten des Gebäudes sollten hingegen eine adäquate Nutzung wesentlich erleichtern. Das Stahlbeton-Skelett der Klassentrakte gewährleistet eine hohe Flexibilität in der Raumeinteilung und Nutzung. Auch die in ihrer Großzügigkeit im Wiener Schulbau einzigartige Dreifachturnhalle könnte unterschiedlichsten Nutzungen Spielraum bieten. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre ebenso anzustreben, ökologisch zukunftsweisende, aber seinerzeit nicht ausgeführte Projektvorschläge, wie die zugleich schattenspendende Photovoltaikanlage auf den Schrägdächern der Pausenhalle und der Turnsäle, nunmehr umzusetzen.

Angestrebt wird eine Nutzung aus dem breiten Feld der Bildungseinrichtungen. Gerade für junge Menschen könne diese Ikone moderner Architektur als ein gebautes Leitbild einer offenen Gesellschaft von höchstem Wert sein.

Hier gelangen Sie zur PETITION

Eingebracht wurde die Petition von DI Johannes Zeininger, Wien

Die Petition wird initiiert von der Aktionsgruppe „Bauten in Not“ und wird weiters getragen von:
Em. Univ.Prof. Arch. DI Wolf D. Prix, ARTEC Architekten (DI Bettina Götz, DI Richard Manahl), fasch &fuchs.architekten (DI Hemma Fasch, DI Jakob Fuchs), DI Klaus Petraschka, Prof. Mag. arch. Silja Tillner

Rückfragehinweis:
Aktionsgruppe "Bauten in Not": DI Andreas Vass, 0664/205 15 42; DI Johannes Zeininger, 0676/536 10 77
E: bauten-in-not@gmx.at

Helmut Richter-Schule: "Tag des schutzlosen Denkmals"
Demonstration für die Erhaltung unter dem Motto: "Freiluftklasse für die Helmut-Richter-Schule"
Datum: 18. September 2019, 18:15 - 20:00 Uhr

Ort: vor dem Schulgebäude
Kinkplatz 21, 1140 Wien

 

Mehr über den Architekten Helmut Richter 

 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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