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Preise: The Daylight Award 2020

20.05.2020

Am 16. Mai, dem Internationalen Tag des Lichts der Unesco, wurden die Preisträger des Daylight Award 2020 bekannt gegeben: Juha Leiviskä wird für seine Architektur ausgezeichnet, Russell Foster für seine Forschung und Henry Plummer für sein Lebenswerk.

Der finnische Architekt und Designer Juha Leiviskä erhält den Preis für seine Architekturprojekten, die seine einzigartige Fähigkeit widerspiegeln, Tageslicht zu einem integralen Bestandteil seiner Bauten zu machen. Dem britischen Neurowissenschaftler Russell Foster wurde die Auszeichnung für seine klinischen Studien verliehen, in denen er wichtige Fragen zum Thema Licht und den Einfluss auf den Menschen untersucht. Dem Architekten, Schriftsteller und Fotografen Henry Plummer aus den USA wurde der Award für sein Lebenswerk, der Aufzeichnung von Tageslichtphänomenen anhand seiner brillanten Fotografien und Schriften, verliehen. Diese außergewöhnliche Auszeichnung wurde dieses Jahr anlässlich des 40. Jahrestags der Verleihung des allerersten Daylight Award an Jørn Utzon vergeben.
„Während sich Russell Foster in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit den Auswirkungen von Tageslicht auf das physische und psychische Wohlbefinden des Menschen beschäftigt, lassen Juha Leiviskä und Henry Plummer uns die Auswirkungen und Begleiterscheinungen von Tageslicht durch architektonische Gestaltung, fotografischen Ausdruck und verbale Vermittlung erleben. Die Preisträger des Daylight Award 2020 zeigen uns die Kraft des natürlichen Lichts, indem sie die neuronalen Effekte des Lichts erklären oder aber die poetische Essenz des Lichts ansprechen“, lautet die Begründung der Jury.

Der Daylight Award 2020 für Architektur
Juha Leiviskä ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten Finnlands. Seine Arbeiten beweisen die einzigartige Fähigkeit, Tageslicht zu einem integralen Bestandteil seiner Bauwerke zu machen. Leiviskä kombiniert emotionale Reize, Funktionalität mit einer subtilen, aber spannenden Präsenz von Licht als Teil der räumlichen Erfahrung. Im aktuellen Kontext der Bedeutung von Architektur für die Umwelt und der Nutzung natürlicher Ressourcen zur Schaffung natürlichen und nachhaltigen Komforts ist das Werk von Juha Leiviskä zum Thema Tageslicht heute besonders relevant.
„Tageslichtlösungen in der modernen Architektur basieren normalerweise auf Variationen des Zenithlichts oder schmalen Dach- oder Wandschlitzen, um das Licht an den Oberflächen des architektonischen Raums entlangzuführen. Leiviskäs Lichtführung ist erfolgt schräg, sodass es sowohl direkt auf vertikale Oberflächen trifft als auch reflektiert wird, um Erfahrungen von geschichtetem Licht mit einem ausgeprägten Eindruck von Tiefe zu erzeugen. Sein Licht beleuchtet nicht nur Oberflächen, es scheint auch im architektonischen Raum selbst zu entstehen und lebendig zu existieren. Ein besonders subtiler Effekt in seinen Lichtartikulationen ist die Verwendung reflektierter Farbe, wobei Farbe zu einem sich ständig ändernden, kinetischen und pulsierenden Phänomen wird. Die Farben werden heller und verblassen dann, erscheinen und verschwinden je nach Intensität und Richtung des Sonnenlichts, wie beim Atmen. Bei der Gestaltung von Wohngebäuden achtet Leiviskä gleichermaßen auf Qualität und Intensität von Tageslicht für den Sehkomfort und das Wohlbefinden der Bewohner. Dabei geht er ruhig, einfach und raffiniert vor, ohne Effekthascherei", erklärt die Jury.
Sein erstes beachtenswertes Gebäude war das Rathaus von Kouvola Ende der 1960er Jahre, das er in Zusammenarbeit mit Bertel Saarnio entwarf. Leiviskä wurde nach den 1970er Jahren durch eine Reihe außergewöhnlich raffinierter und emotionaler religiöser Gebäude international bekannt. Neben mehreren Kirchen und Gemeindegebäuden baute er eine Reihe hochwertiger Häuser und Wohnblöcke, eine Bibliothek, eine Botschaft und ein Kulturzentrum in Jerusalem. Neben seiner Bautätigkeit verfasste es zahlreiche Wettbewerbsbeiträge und nicht ausgeführte Entwürfe wie etwa für Museen zeitgenössischer Kunst. Seine Architektur richtet sich nach dem menschlichen Maß, zeugt von Bescheidenheit, ist beruhigend und optimistisch. Sie ist einladend und sanft, ohne den Besucher zu dominieren oder beeindrucken zu wollen oder die Aufmerksamkeit auf den Architekten zu lenken.
Die Kirchen von Leiviskä sind in der Tat meisterhaft artikulierte Instrumente des Tageslichts. Während er sich unter anderem von bayerischen Barockkirchen inspirieren ließ, insbesondere von der Vierzehnheiligenkirche Balthasar Neumanns, spiegeln seine streng orthogonalen Kompositionen die Prinzipien des visuellen Kontrapunkts der De Stijl-Bewegung wider. Auch die Musik zählt zu Leiviskäs Inspirationsquellen, und seine Architekturprojekte haben musikalische Qualität, die insbesondere an Mozart erinnert. Seine Behandlung des Lichts reflektiert die natürlichen Lichtverhältnisse nordischer Wälder, insbesondere das durch das Laub scheinende Gegenlicht und die charakteristischen Birken mit ihren weißen vertikal rhythmisierten Stämmen.

Der Daylight Award 2020 für Forschung
Professor Russell Foster ist Direktor des Nuffield Laboratory of Ophthalmology und Leiter des Instituts für Schlaf- und zirkadiane Neurowissenschaften an der Universität von Oxford, Großbritannien. Im Jahr 2015 wurde für seine Verdienste um die Wissenschaft mit dem Orden Commander of the Order of the British Empire, CBE ausgezeichnet. Als Autor fast 200 wissenschaftlicher Publikationen und vier populärwissenschaftlicher Bücher ist Foster ein gefragter Redner und Dozent.
In seiner Forschung geht er der Frage nach, wie der zirkadiane Rhythmus und der Schlaf-Wach-Rhythmus erzeugt und moduliert werden. Er hat spezielle Zellen auf der Netzhaut im Auge entdeckt, die als Lichtsensoren fungieren und die Körperuhr sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus auf den Tag-Nacht-Zyklus ausrichten. Diese einzigartige Entdeckung hat fundamentale Grundsätze des Wissens über die Auswirkungen von Licht auf biologische Systeme und die menschliche Physiologie verändert. Ohne diese speziellen Zellen würde unsere Synchronität mit dem Tagesrhythmus verloren gehen. In der modernen industrialisierten Welt verbringen wir durchschnittlich 90 Prozent unseres Lebens in Gebäuden. Das Licht, dem wir dabei ausgesetzt sind, wird hauptsächlich durch die bebaute Umwelt gesteuert. Die Architektengemeinschaft würdigt die Arbeit Professor Fosters, in der die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Folgen von Licht ermittelt werden sowie die Antwort darauf, wann und wie das Eindringen von Licht gefördert und wann es hingegen reduziert und verdunkelt werden sollte.
„Russell Fosters klinische Studien am Menschen befassen sich mit wichtigen Fragen zum Thema Licht. Wie beeinflusst das Morgenlicht den Schlaf? Warum ist Licht in der Nacht gesundheitsschädlich? Letztlich haben die Antworten auf solche Fragen die medizinische Welt in verschiedenen Bereichen beeinflusst, darunter Schlafmedizin, Psychiatrie, Neurologie, Geriatrie, Augenheilkunde, Immunologie und sogar die Krebsmedizin. Indem Foster das neuronale Substrat für einen nicht visuellen Lichtweg zum Gehirn identifiziert hat, hat er den starken und weitreichenden Einfluss von Licht auf die menschliche Gesundheit aufgezeigt“, so die Jury.

Der Daylight Award 2020 für das Lebenswerk
Der Architekturwissenschaftler und emeritierter Universitätsprofessor für Architekturgeschichte Henry Plummer hat seine Karriere der Erforschung von Tageslicht in der Architektur gewidmet. Er unterrichtete Architekturgeschichte und Design am Center for Advanced Study der University of Illinois Urbana-Champaign. Seinen MArch Abschluss machte er am MIT, studierte Lichtkunst bei dem Künstler, Fotografen, Pädagogen und Kunsttheoretiker György Kepes und erlernte die Fotografie bei Minor White.
„Durch umfangreiche Kritik und fotografische Untersuchungen liefert er eine durchdachte und eindrucksvolle Bewertung unzähliger historischer Gebäude. Sein einzigartiger Ansatz zur Aufdeckung der transformativen, metaphysischen Qualitäten von Tageslicht besteht darin, seine Fähigkeit zur narrativen Analyse mit seinem herausragenden Talent als Architekturfotograf zu verbinden. Auf diese Weise hat sein umfangreiches Werk Generationen von Architekten dazu inspiriert, die Erfahrungsaspekte des Tageslichts in der Architektur zu zelebrieren“, erläutert die Jury.
„Worte untersuchen Ideen und Gedanken, Beobachtungen und Analysen in Bezug auf Licht, während Bilder die Phänomene selbst darstellen. Vor diesem Hintergrund sind die Fotografien nicht als Textillustrationen gedacht, sondern als eigene Untersuchungsmethode. Diese versucht, die metaphysischen Aspekte der Architektur, deren Bedeutung weitestgehend über den Bereich der Worte hinausgeht, sorgfältig zu untersuchen“, beschreibt Plummer seine Intention.
Er hat zahlreiche Bücher zur transformative Kraft des Tageslichts in der Architektur und Fachliteratur veröffentlicht u.a. in der japanischen Zeitschrift 'Architecture + Urbanism', wie „The Poetics of Light“ (1987), „Light in Japanese Architecture“ (1995) und „Masters of Light“ (2003), ein Katalog über über 50 architektonische Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, der die erste umfassende Analyse des Tageslichts in Architekturprojekten von Aalto bis Wright darstellt. Dieser Arbeit folgten Bücher wie „The Architecture of Natural Light“ (2009), „Stillness and Light: The Silent Eloquence of Shaker Architecture“ (2009), „Nordic Light: Modern Scandinavian Architecture“ (2012) und „Cosmos of Light: The Sacred Architecture of Le Corbusier“ (2013).
All diese Veröffentlichungen zeigen, die einzigartige Fähigkeit Plummers, architektonisches Licht in unterschiedlichen kulturellen, klimatischen und geografischen Kontexten zu untersuchen und zu fotografieren. Dieses interkulturelle Engagement reicht von der Rolle des Lichts in der japanischen Architektur – als Ergänzung zu Tanizakis klassischem Buch „Lob des Schattens“ – bis zu seiner Bedeutung in der nordischen und der Shaker-Architektur. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, multisensorische Erfahrungen hervorzuheben und zu vermitteln, wie sein kürzlich erschienenes Buch „The Experience of Architecture“ (2016) anhand seiner Bilder und Schriften, insbesondere im Zusammenspiel von Stille und Licht veranschaulicht. Plummers Studien erfassen das flüchtige, spirituelle und metaphysische Phänomen des Lichts für zukünftige Generationen.
Henry Plummers Forschung zeichnet sich durch einen humanistischen, künstlerischen, analytischen und metaphysischen Ansatz aus. Die Tiefe und Qualität seiner Analyse basiert auf strengen Untersuchungen, die experimentelle und phänomenologische ebenso sowie intuitive und künstlerische Einstellungen zur Erforschung des Tageslichts umfassen. Seine Fotografie hat ebenso wie seine Schriften der Wissenschaft und dem Beruf ein tieferes Verständnis und eine tiefere Wertschätzung der Qualität von Licht ermöglicht und sind weltweit Inspirationquelle für das Studium und die Praxis der Architektur.

Der Daylight Award ehrt und unterstützt die Tageslichtforschung und die Nutzung von Tageslicht in der Architektur zum Wohle von Mensch und Umwelt. Der Preis legt besonderen Wert auf die Wechselbeziehung zwischen Theorie und Praxis.
Der Daylight Award wurde von den philanthropischen Stiftungen Villum Fonden, Velux Fonden und Velux Stiftung ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre in zwei Kategorien vergeben, der Daylight Award für Forschung und der Daylight Award für Architektur. 2020 wird ausnahmsweise, anlässlich des 40. Jubiläums des ersten Daylight Awards ein dritter Award verliehen. Es handelt sich um personenbezogene mit jeweils 100.000 Euro dotierte Preise.

http://www.thedaylightaward.com

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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