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Pritzker-Preis 2020: Nach zehn Jahren wieder in weiblicher Hand

05.03.2020

Yvonne Farrell und Shelley McNamara, erhalten als 47. und 48. Preisträgerinnen, den diesjährigen Pritzker-Preis, der damit auch zum ersten Mal nach Irland geht. Überzeugt hatte die Jury vor allem auch der umweltbewusste Planungsansatz der beiden seit den 1970er Jahren tätigen Architektinnen.

"Architektur könnte man als eine der komplexesten und wichtigsten kulturellen Aktivitäten auf diesem Planeten umschreiben. Architekt zu sein ist ein enormes Privileg. Diesen Preis zu gewinnen eine wunderbare Bestätigung unseres Glaubens in die Architektur", sagte Yvonne Farrell in einer ersten Stellungnahme. Yvonne Farrell wird am 6.März im Rahmen des Architekturfestivals Turn On den einleitenden Festvortrag unter dem Titel "Physics of Culture" halten.

Ganzheitliche Architektur

Das gemeinsame Büro „Grafton Architects“ gründete das Duo im Jahr 1978 in Dublin, wo Shelley McNamara und Yvonne Farrell auch seitdem praktizieren und leben. In etwas mehr als vierzig Jahren haben sie mit ihrem Büro zahlreiche Projekte in Irland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Peru realisiert, 2018 waren sie Kuratorinnen der Architektur-Biennale in Venedig.

Grafton Architects schafft formal neue Räume im respektvollen Umgang mit der Umwelt, im Bewusstsein der Geschichte und des urbanen Umfelds, in deren Mittelpunkt auch handwerkliche Qualitäten stehen. Das Gleichgewicht zwischen kraftvoller Präsenz unter gleichzeitiger Rücksichtnahme auf den Bestand sowie die Wahrung ortsspezifischer Kontexte und deren kultureller Institutionen, münden in zeitgenössischen und eindrucksvollen Bauwerken, die stets einzigartig und selbstständig ihre eigene architektonische Präsenz entfalten.

Im Einklang mit der Natur

Die unberührte Natur ihrer Heimat Irland, eine Insel mit Bergen und schroffen Felsklippen, bildet die Basis ihrer nachhaltigen Architektur, die selbstbewusst und dabei stets bescheiden, versuchen den Stadtraum zu bereichern und nachhaltig zu gestalten, und dabei stets auf die jeweiligen lokalen Bedürfnisse einzugehen. Farrell und McNamara beherrschen die menschlichen Proportionen, selbst bei der Planung großformatiger Baukörper, stehen diese sowie die Schaffung eines möglichst intimen Umfelds im Mittelpunkt ihrer Projekte.

„Die Zusammenarbeit zwischen Yvonne Farrell und Shelley McNamara stellt eine wahre Vernetzung zwischen gleichberechtigten Kollegen dar. Sie zeigen dabei eine unglaubliche Stärke in ihrer Architektur und eine tiefe Beziehung zur Lokalität, leisten eine ehrliche Arbeit und übertreffen dabei die Anforderungen des Feldes durch Verantwortung und Gemeinschaft“, so Tom Pritzker.

Außergewöhnliche Gebäudekompositionen

​„Sie haben es geschafft, uns dabei zu helfen die größten Hürden unseres modernen Zeitalters zu überwinden.“, erklärt der Juryvostizende Stephen Breyer und sagt weiter: "Wie bauen wir Wohnungen und Arbeitsplätze in einer Welt, in der mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Städten lebt und viele sich keinen Luxus leisten können?" Auf diese und andere existenzielle Fragen antworten die Architektinnen mit ihren einzigartigen Gebäudekompositionen. Sie sind sich dabei stets ihres Dialogs zwischen Innen und Außen bewusst, der sich in der Verschmelzung öffentlicher und privater Räumen sowie in einer bewussten Auswahl der Materialien zeigt. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Universität Luigi Bocconi in Mailand, wo die Gemeinschaft zwischen den Bewohnern und der pulsierenden Stadt, die sich weit über den vertikalen Campus hinaus erstreckt, gefördert wird. Die Universität Toulouse verfügt über Strebepfeiler, Rampen und Innenhöfe aus Ziegeln, als Metaphern für die Stadt, mit ihren Brücken, Mauern, Promenaden und steinernen Türmen. Demgegenüber ist das Projekt North King Street Housing durch keine externen Designelemente gekennzeichnet, um mit den benachbarten Lagerhäusern möglichst zurückhaltend in Einklang zu stehen.

„Wir haben uns immer bemüht, Räume für Humanismus, Handwerk und Kultur zu gestalten und dabei eine  Verbindung mit jedem Ort zu schaffen, an dem wir arbeiten. Es ist daher äußerst erfreulich, dass diese Anerkennung uns, unserer Vorgangsweise und unserem bisherigen Werk verliehen wird, das wir über viele Jahre hinweg aufgebaut haben“, betont McNamara. "Dies ist auch eine wunderbare Anerkennung unseres Engagements und der Vision unserer Kunden, die uns beauftragt haben und die es uns letztlich ermöglicht haben, unsere Gebäude auch zu verwirklichen."

Mehr Informationen: www.pritzkerprize.com

 

TURN ON Architekturfestival:

Yvonne Farrell wird am 6.März, dem zweiten Tag des Architekturfestivals "Turn On" um 10:30 den einleitenden Festvortrag unter dem Titel "Physics of Culture" halten.

http://www.turn-on.at

 

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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