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Trimmel Wall Architects

Sanierung in Richtung Nullenergie

02.06.2020

Historische Gebäude machen etwa 30 Prozent des europäischen Gebäudebestands aus und sind EU-weit für mehr als ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs im Wohnsektor verantwortlich. Architekten und Bauherren fehlen jedoch oft Informationen darüber, wie sich historische Gebäude sanieren lassen, ohne deren ästhetische und historische Werte zu beeinträchtigen. Auf der internationalen Online-Forschungsplattform „Renovating Historic Buildings Towards Zero Energy“ sind anhand des Historic Building Energy Retrofit Atlas (HiBERATLAS) nun Beispiele erfolgreich sanierter, denkmalgeschützter Gebäude zu sehen.

Die internationale Forschungsplattform „Renovating Historic Buildings Towards Zero Energy“ (Renovierung historischer Gebäude in Richtung Nullenergie) bietet damit anhand der Dokumentation zahlreicher erfolgreich umgesetzter Sanierungen, eine Möglichkeit, Architekten und Bauherren für dieses Thema zu interessieren. „Historische Gebäude sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Städte und Landschaften, aber um sie weiterhin nutzen zu können, müssen sie komfortabel und bezahlbar sein“, sagt Alexandra Troi, Koordinatorin der Forschungsplattform Renovating Historic Buildings Towards Zero Energy. „Die Online-Präsentation erfolgreicher Fallstudien und bewährter Sanierungsmaßnahmen ist eine Inspiration für weitere Projekte, die darauf abzielen, den Energieverbrauch von historischen und denkmalgeschützten Gebäuden erheblich zu senken.“ Die Erstellung der Datenbank wurde von der Internationalen Energieagentur innerhalb des Programmes Solares Heizen und Kühlen unterstützt.

Der HiBERATLAS enthält derzeit mehr als 10 Beispiele für eine Vielzahl von Gebäudetypen, darunter ein Fachwerkhaus in Frankreich, eine italienische Villa, ein Marktgebäude aus Spanien oder ein Kohlesilo aus der Schweiz. Die Datenbank soll im Jahr 2020 auf über 50 Fallstudien ausgebaut werden.

In Österreich wird die Renovierung eines ehemaligen Klostergebäudes aus der Gründerzeit im Herzen Wiens, dem 1904 von Architekt Cajetan Miserowsky geplanten Lazaristenkloster in der Kaiserstraße, vorgestellt. Aufgrund des ehrgeizigen und aufgeschlossenen Planungsteams des Wiener Büros Trimmel Wall Architekten konnte nicht nur hochwertiger Wohnraum geschaffen sondern durch den Ausbau des Dachgschoßes auch die Wohnfläche um 30 Prozent erweitert werden. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Erhalt der für Wien typischen Kastenfenster, die durch innen ergänzte Holzfenster thermisch besser isoliert wurden.

Die Navigation folgt dem Planungsprozess

„Die Struktur des HiBERATLAS basiert auf dem Planungsprozess, um Bauherren bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen“, erklärt Troi. Der erste Schritt ist eine detaillierte Beschreibung des Gebäudes einschließlich der Analyse seiner kulturellen und historischen Merkmale. Im zweiten Schritt muss der Architekt in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn die Ziele der Sanierung festlegen. „Dieser zweite Schritt wird oft vernachlässigt, doch er ist wichtig, um die richtigen Maßnahmen für die Renovierung auszuwählen“, erklärt Alexandra Troi weiter.

Jedes Vorzeigeprojekt wird in vier Abschnitten beschrieben:

  1. Allgemeine Angaben zum Gebäude: Alter, Energieeffizienz, Größe, Bautyp
  2. Sanierungsprozess: Ziel der Sanierung, gewonnene Erkenntnisse, Einbeziehung der Interessensgruppen und Tools
  3. Sanierungslösungen: Außenwände, Fenster, Heizung-Lüftung-Klima, erneuerbare Energiesysteme
  4. Bewertung: Energieeffizienz, internes Klima, Kosten und Umwelt

Alle Projekte werden mit zahlreichen Fotos und Plänen illustriert, um das Erscheinungsbild des Gebäudes vor und nach der Sanierung abzubilden. Eine Besonderheit des HiBERATLAS ist die Darstellung der Informationen auf zwei Ebenen. Der schnelle Leser, der nur einen Überblick über das Projekt benötigt, findet alle relevanten Informationen auf einer Seite zusammengefasst. Der Fachanwender hingegen kann in allen Abschnitten über Dropdown-Pfeile und Read-More-Buttons auf detailliertere Abbildungen, Pläne und Fotos zugreifen. Die Sanierungslösungen werden mit zahlreichen Details beschrieben, so dass Architekten und Planer leicht herausfinden können, ob eine bestimmte Maßnahme auch für ihr eigenes Projekt geeignet ist.

Renovating Historic Buildings Towards Zero Energy ist eine von mehreren internationalen Forschungsplattformen, die das IEA-Programm für solares Heizen und Kühlen derzeit anbietet. Mehr als 400 Experten aus Wissenschaft und Industrie weltweit erarbeiten u.a. zukunftsfähige Speicherkonzepte, neue Systemlösungen mit Hybrid-Elementen, die Strom und Wärme aus der Sonne produzieren können, oder vermessen große Solarkollektorfelder, um hydraulische Regelungen besser zu verstehen.

https://www.hiberatlas.com/

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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