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Technik in Transparentem Kleid

03.11.2014

Je höher der Glasanteil in der Fassade, desto teurer, lautet die Faustregel. Wie man durch den Einsatz der richtigen Art der Verglasung an der richtigen Stelle dennoch eine ökonomische Glasfassade umsetzen kann, zeigt das Zentrum für Technologie und Design, kurz Tede Z, in St. Pölten, das am 10. Oktober eröffnet wurde.

 

Neben den beiden Bestandsgebäuden der Wirtschaftskammer Niederösterreich von Karl Schwanzer (1972) und Rüdiger Lainer (2006) ergänzt das Tede Z von AllesWirdGut (2014) seit kurzem das Ensemble auf den Wifi-Gründen in St. Pölten. Es dient einerseits der NDU (New Design University) als neues Hauptgebäude, beinhaltet aber gleichzeitig auch Teilbereiche des Wifi wie etwa dessen Schweißzentrum und setzt damit unter dem Motto „Meister meets Masters“ auf Synergieeffekte. Wäre es ursprünglich auch möglich gewesen, die Funktionen in zwei getrennten Baukörpern unterzubringen, so entschied sich das Architekturbüro, das 2011 den Wettbewerb gewinnen konnte, ganz bewusst dafür, beides unter einem Dach zu vereinen. „Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie praktisch während des Architekturstudiums eine Werkstätte für Schweißarbeiten in unmittelbarer Nähe manchmal gewesen wäre“, so Christian Waldner, Gründungsmitglied von AllesWirdGut und Projektleiter des Tede Z. „Umgekehrt glauben wir, dass sich auch für Lehrlinge durch die Nähe zum universitären Betrieb zusätzliche Möglichkeiten eröffnen können. Unser Vorschlag war es daher, das zweite zur Verfügung gestellte Grundstück vorerst als Parkplatzfläche zu nutzen und so für eventuelle zukünftige Erweiterungen freizuhalten“, sagt Waldner.

Form und Funktion

Beim Tede Z handelt es sich um einen klaren Ringbau, der einzig gegenüber dem bestehenden Wifi-Gebäude im Bereich des Erdgeschoßes aufgebrochen ist. Die 30 Meter breite Öffnung wird von einem Brückentragwerk überspannt und stellt sozusagen ein Pendant zu Schwanzers Bauwerk der Nachkriegsmoderne dar, das ebenso über brückenartige Elemente aus Betonfertigteilen verfügt. Die Fassade des Baukörpers ist von V-Stützen geprägt, die im Bereich des Brückentragwerks in ein riesiges Fachtragwerk übergehen. Die beiden statisch völlig unterschiedlichen Systeme wirken dadurch auf den ersten Blick wie ein homogenes technisches Kleid, das die Nutzung des Gebäudes auch nach außen hin zeigt. Gemäß dem Namen „Zentrum für Technologie und Design“ war es den Architekten wichtig, Statik und Haustechnik, innen wie außen, sichtbar zu machen. Außerdem sollte durch die großzügige Einsehbarkeit in das Gebäude die Funktion nach außen sichtbar werden, was ein Höchstmaß an Transparenz der Fassade erforderte. Man entschied sich daher, den Baukörper voll zu verglasen, und darüber hinaus dazu, die Statik nach außen zu holen. „Dafür mussten wir einige Detailprobleme und natürlich auch einen gewissen finanziellen Mehraufwand in Kauf nehmen. Schließlich wird die thermische Ebene durch die nach außen geführten Decken ständig durchbrochen, was den Einsatz einer großen Menge an Isokörben nötig machte. Konstruktive Elemente sind hinter einer Glasebene jedoch nie mehr so prägnant und stark sichtbar.“ 

Differenziert ökonomisch

Da der Kostenrahmen allerdings sehr knapp bemessen war, galt es, bei der Wahl der Verglasung sehr clever und ökonomisch vorzugehen. Um im Bereich der Lehrräume und Werkstätten ein Maximum an Transparenz zu erreichen, kam eine Dreifachisolierverglasung mit dazwischenliegendem Sonnenschutz zum Einsatz, da ein außenliegender beweglicher Sonnenschutz hier laut Waldner optisch wesentlich mehr gestört hätte. Den Architekten war es wichtig, dass sich die Glasfassade möglichst zurücknimmt. Integrierte Jalousien haben außerdem den Vorteil, unabhängig von äußeren Bedingungen wie etwa starkem Wind immer zu funktionieren. Selbst in geschlossenem Zustand sorgen sie darüber hinaus für eine stimmige Raumatmosphäre – im Falle des Tede Z nicht zuletzt auch deshalb, da das obere Drittel für eine optimale Tageslichtlenkung getrennt gesteuert wird. Neben gestalterischen Aspekten der markanten Fassade spielen die horizontalen Betonelemente eine weitere wesentliche Rolle. Sie dienen einerseits als statischer Sonnenschutz, besonders im oberen Drittel, und erübrigen weitgehend den Einsatz von Brandschutzglas, da sie im Brandfall einen Überschlag der Flammen verhindern. Ohne diese Elemente hätte sich die Glasfassade wesentlich verteuert. Hofseitig wurde aus Kostengründen ganz auf integrierte Jalousien verzichtet und stattdessen Sonnenschutzglas verwendet, da sich hier hauptsächlich Erschließungsflächen befinden. Diese reflektieren Sonne und Wärme ebenso, allerdings mit dem kleinen Nebeneffekt, dass sie etwas stärker spiegeln. Außen angebracht, hätten sie die gewünschte Transparenz eingeschränkt. 

Beispielhafte Klarheit

War das Sichtbarmachen der technischen Konstruktion der Fassade mit Mehrkosten verbunden, so half es, im Inneren Kosten zu sparen: Der Verzicht auf Verkleidungen, bis auf einige wenige aus akustischen Gründen notwendige Deckensegel, suggeriert nicht nur Klarheit, sondern fungiert geradezu als „Lehrbeispiel“ für die angehenden Techniker und Designer. In den Werkstätten und auf den Gängen sorgen Holzwolle-Leichtbauplatten für Schallschutz. Diese Holzwolle-Leichtbauplatten stellen neben Profilglas (ein weiteres bewusstes Zitat der technologischen Ausrichtung) unter anderen die Leitmaterialien innerhalb des Gebäudes dar. Im Bereich der Seminarräume wechseln sich diese mit Pinnwänden der Firma Buzzispace ab, die akustische Wirkung erzielen. Architektur und Innenarchitektur gehen bei AllesWirdGut Hand in Hand und werden nicht als getrennte Bereiche behandelt. Da es sich primär um flexible nutzungsoffene Schulungsräume mit wenig Mobiliar handelt, leben die Innenräume des Tede Z stark von der Architektur des Gebäudes. 

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