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Georg Pendl

Unsere Stimme in Brüssel

10.04.2018

Im Dezember wurde Georg Pendl zum Präsidenten des ACE (Architects’ Council of Europe) gewählt, dem 1990 gegründeten europäischen Dachverband der Berufsvertretungen von 565.000 Architekten aus 45 Mitgliederorganisationen aus 31 Ländern (EU plus Norwegen, Schweiz und Serbien).

Was sind die Herausforderungen für europäische Architekturschaffende, und wie kann sie das ACE unterstützen?
Das Arbeitsfeld der Architekten ändert sich unter dem wachsenden Einfluss rechtlicher und vertraglicher Fragen wie Normen, Versicherungen und nicht zuletzt den neuen Planungswerkzeugen wie BIM stark.

Welche Möglichkeiten gibt es, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?
Wir haben mehrere Möglichkeiten: Erstens durch „upskilling“, aufrüsten, durch CPD (con­tinuous professional development), also Fort- und Weiterbildung. Wenn man vor zehn Jahren studiert hat, ist man durch die rasante Entwicklung den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Zweitens durch das Knüpfen von Partnerschaften und Netzwerken, wobei die jüngere Generation weiter ist als die ältere. Und weiters durch das Wecken des Bewusstseins über die Rolle der Architektur und der Architekten in der Gesellschaft, deren Einfluss auf die gebaute Umwelt. Eine gesellschaftliche und durchaus politische Sichtweise, der Kampf für eine gute Architekturpolitik, gehört bereits auf Architekturschulen unterrichtet. Wenn man sich selbst einen anderen Stellenwert zuweist, kann man diesen in Folge auch in der Öffentlichkeit erobern. Bei einer Reduktion auf die künstlerischen und technischen Aspekte des Berufs wären wir in Zukunft verloren. Wenngleich die Schönheit – das ist immer noch das richtige Vokabel – eines Hauses oder Platzes fundamental ist. Es gibt einen breiten Konsens unter Architekten von Skandinavien bis Portugal darüber, was architektonische Qualität darstellt.

Was sind die Errungenschaften Ihrer Arbeit im ACE in den letzten Jahren?
Im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe und im Architekturwettbewerb konnten wir ein Paket mit einem Update unserer neun Empfehlungen oder Regeln fertigstellen, einschließlich eines neuen Absatzes über die öffentliche Partizipation an Architekturwettbewerben, dem neuen Master Brief, einem Leitfaden für Best Practices bei Wettbewerben sowie der Wiener Deklaration, die besagt, dass die Teilnehmer ein schlankes Paket ohne unnötige Dokumente, Berechnungen, Renderings für die Bewertung der Projekte liefern brauchen.

Was sind Ihre Prioritäten für die nahe Zukunft?
Ergänzend zu unserer grundlegenden Tätigkeit, den harten Themen, wie u. a. Berufszugang, Berufsausübung, Vergabe, Wettbewerbe, Weiterbildung, Versicherungen, wird sich das ACE verstärkt im Bereich Kultur engagieren. 2018 ist das europäische Jahr des Kulturerbes, und es bietet die große Chance, die Rolle der Architektur in der Gesellschaft besser zu positionieren. Dazu zählen Themenkreise wie Kultur, Baukultur und durchaus Architekturpolitik.

Die erste Veranstaltung wird in Brüssel zum Thema „Europa und Architektur – ACE und die europäischen Institutionen“ stattfinden; die zweite in Leeuwarden, einer der beiden europäischen Kulturhauptstädte, zum Thema der adaptiven Umnutzung, Neunutzung, Wiederbelebung, Weiterverwendung und Transition von baukulturellem Erbe, insbesondere von Industrieanlagen. 
In beiden Veranstaltungen, wie auch in allen Generalversammlungen, möchte ich Architekten einladen, eine kurze Grundsatzrede/Präsentation zu halten. Die Grundlagen unserer Arbeit, die Strukturen unserer Ausbildung und Praxis sind wie die Knochen; Kultur und Architektur selbst sind die Muskeln, die benötigt werden, um den ganzen Körper zum Laufen zu bringen.

Auf der Website des ACE finden sich detaillierte Informationen und Dokumente zu ­Themen wie Berufszugang, Fort- und Weiterbildung, ­Versicherungen, Architekturpolitik, Netzwerken, Architekturwettbewerben, Veranstaltungen und Arbeitsgruppen. Dort kann man sich auch für den Newsletter anmelden.

Architects’ Council of Europe: 
www.ACE-CAE.EU

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