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Vienna Design Week 2017

04.10.2017

Die 11. Ausgabe der Vienna Design Week (VDW) ist bereits in vollem Gang. Architektur & Bau FORUM fragte Lilli Hollein, der Direktorin, Front Woman und Gründerin des Festivals wie alles begann, wie sich alles entwickelte und was diese lange Woche des Design so zu bieten hat.

Wie bereits Tradition dauert die Vienna Design Week auch diesmal wieder ganze zehn Tage und bietet damit nicht zuletzt auch ein besonders dichtes Veranstaltungsprogramm. Die Österreichische Hauptstadt ist als Veranstaltungsort mit dem 1863 gegründeten Kustgewerbemuseum, heute Museum für Angewandte Kunst, und der angeschlossenen Kunstgewerbeschule, heute Universität für Angewandte Kunst, traditioneller Ort der Forschung, Lehre und des Experiments rund um das ästhetisch gestaltete Produkt.

Könntest du uns bitte kurz erzählen, was dich zur Gründung der VDW geführt hat.

Die VDW habe ich vor elf Jahren im Jahr 2007 gemeinsam mit zwei Kollegen – alle drei Experten im Designbereich mit unterschiedlichen Spezialisierungen, in meinem Fall etwa auch in Architektur – gegründet. Geleitet hat uns dabei unsere Überzeugung in dieser Stadt etwas verändern zu wollen, um dem Design wieder Bedeutung zu verleihen. Vor elf Jahren war das Thema Design wenig präsent und statisch, trotz eines Ausbildungsstandorts für Design an der Universität für Angewandte Kunst gab es letztlich damals kaum Diskurs oder öffentliche Beteiligung.

Welchen Anteil hatte deine Familie bei deiner Entscheidung insbesondere dein Vater Hans Hollein, übrigens auch Pritzker Preisträger 1985?

Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem ich Zugang zu Kunst, Architektur und Designthemen hatte, sicher habe ich auch damals schon eine gewisse Begeisterung dafür verspürt. Aber meine Mutter und mein Vater haben in mir nicht nur diese Begeisterung und grundlegende Sensibilität für Entwurfsthemen geweckt, sondern auch meinen Wunsch, selbst zum kulturellen Schaffen beizutragen. Nichtsdestotrotz wollte ich dann nach der Schule erstmal nicht im künstlerischen Feld studieren, um es dann zwei Jahre später umso überzeugter doch zu tun.

Wie hast du begonnen, dein Interesse für Design in die Praxis umzusetzen?

Während des Studiums habe ich schnell erkannt, dass mich beim Entwurfsprozess die Rolle der Vermittlerin besonders interessiert. Ich fühlte, dass ich diese Begeisterung nicht nur teilen, sondern Leute auch an Themen wie Architektur und Design heranführen wollte. So habe ich begonnen, Artikel in Tageszeitungen und Magazinen zu schreiben und Ausstellungen zu konzipieren. Ich habe die Vermittlung immer als ebenso schöpferischen Prozess verstanden wie das Entwerfen selbst. Meine aktuelle Position erlaubt mir zu verstehen, wie eng der schöpferische Akt mit dem technischen Produktionsprozess verknüpft ist.

Kannst du uns eine kurze Definition von Design als Gesamtphänomen geben?

Die Definitionen von Design entgleiten uns immer wieder. Allein das beschreibt schon gut, dass Design ein dynamisches Feld ist, das mit dem gesellschaftlichen Wandel Schritt halten muss, nicht nur um ein abstrakter Bereich der Avantgarde zu sein, sondern weil Design eine Disziplin ist, die vieles vorwegnimmt und der Gesellschaft auch Werkzeuge für eine Veränderung in die Hand gibt – wörtlich wie im übertragenen Sinn. Design fasst die komplexen Aktivitäten einer gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Und pragmatisch gesehen hilft die dreidimensionale Form eines Gegenstandes konkret im täglichen Leben und widerspiegelt dabei gleichzeitig Fortschritt und Innovation. Es ist offensichtlich wie Design in den letzten 10 bis 15 Jahren sehr oft viele Disziplinen zusammenspannt und komplexe Fragestellungen unterschiedlicher Natur aufwirft.

Eine Definition in fünf Worten?

Unmöglich.

Versuchen wir es mit drei Adjektiven …

Es scheint mir unangemessen, Design auf nur drei Adjektive zu reduzieren, manifestiert sich Design doch als ein ständig im Wandel begriffenes Phänomen.

Die Vienna Design Week mit ihrem großen Besucherinteresse ohne kulturelle oder soziale Unterschiede beweist eine generelle und weit verbreitete Sehnsucht nach “Schönheit”. Worauf ist dieses Phänomen der Faszunation deiner Meinung nach zurückzuführen?

Die Schönheit zu erfassen ist ein intimes, allen Menschen innewohnendes Bedürfnis. Ich glaube, dass jeder unabhängig von seiner Erziehung oder Bildung, den funktionellen oder ästhetischen Wert eines Gegenstandes zu erkennen vermag. Daher hat sich diese “Woche” des Design zur Aufgabe gemacht, mit der Qualität ihrer Angebote zu überzeugen. Dennoch liegt die Herausforderung des Festivals auch darin, jedem die Möglichkeit zu bieten, sich im hier Gezeigten gemäß eines Schönheitsbegriffs wiederzufinden. Im Rahmen der Werkstättenbesuche kann man zum Beispiel mitverfolgen, wie ein Produkt entsteht. Aber um etwa die Schönheit eines sehr zarten und scheinbar zerbrechlichen Glases zu verstehen, braucht es keine besondere Bildung. Wenn man es in der Hand hält, erfasst man, dass es technisch und kreativ virtuos gemacht ist. Und für jene, die darüber hinausgehende spezielle Erfahrungen sammeln wollen, gibt es  Führungen, Vorträge, Workshops oder Fachdiskussionen.

Wie viele Events bietet diese Ausgabe?

190, mehr als jemals zuvor.

Das beweist ja, dass Du als Organisatorin, eine steigende Tendenz, sich an der Schönheit zu erfreuen, bemerkst. Und doch hat der deutsche Philosoph Odo Marquart vor nunmehr einigen Jahrzehnten eine Theorie aufgestellt, wonach Kunst und Ästhetik in der Wahrnehmung des Menschen, die Ernüchterung in der Welt auf gewisse Weise kompensieren; also die Sinnes- und Werteleere, die aus dem technischen Zeitalter hervorging, zu kompensieren, auszugleichen. Wie denkst du darüber?

Ich traue mich nicht Technik und Ästhetik als Gegenspieler darzustellen, nicht mehr in Zeiten, in denen es viele neue Gegenspieler gibt. Die Technik mag heute einen großen Raum in unserem Leben einnehmen, und das in einer Form, die wir vor 30 Jahren nie antizipiert hätten, aber ich finde nicht alles falsch daran. Ich würde mir wünschen, dass Kunst und Ästhetik neben der Technik eine grundlegende Rolle in unserer Gesellschaft spielen würden.

Aber fürchtest du nicht, dass ein Exzess an Ästhetik zu einem bestimmten Zeitpunkt in An-Ästhetik umschlagen könnte? Diesen Aspekt hat Marquart, vielleicht aus einer übertriebenden theoretischen Haltung heraus, als einen bereits laufenden Prozess gesehen. Hat er sich geirrt?

Ich habe keine Philosophie parat, die ich Marquard hier entgegenstellen könnte und ich möchte auch keine so radikale Position beziehen. Meine Philosophie ist jene des Alltäglichen. Und übrigens habe ich nicht den Eindruck als wären so viele Lebensbereiche so stark durch eine Ästhetisierung geprägt.

Welches wird das wichtigste Event dieser Ausgabe sein? Oder, anders gefragt, welches wird uns von dieser 11. Ausgabe besonders in Erinnerung bleiben?

Die Frage nach dem wichtigsten Ereignis ist ein bisschen so wie eine Mutter nach dem Lieblingskind zu fragen: darauf gibt es keine Antwort. Das Festival versucht ganz bewusst sehr unterschiedliche Zugänge zum Design zu thematisieren und aufzubereiten, so dass jeder auch unterschiedliche Erfahrungen sammeln kann. Besonderes Publikumsinteresse verzeichnen etwa die “Passionswege”, wo wir internationale Designschaffende und Unternehmen in gemeinsamen Projekten zusammenspannen. Wir bemerken, dass dabei alle auch voneinader lernen. In dieser Ausgabe begeben wir uns in den 15. Bezirk, dort gibt es Orte zu entdecken oder kennenzulernen, die man unter diesem Gesichtspunkt vielleicht noch nicht betrachtet hat. Diesmal gibt es mit dem Blauen Haus beim Westbahnhof und der Z-Sparkasse von Johann Georg Gsteu auch gleich zwei Hauptquartiere, eine Festivalzentrale Nord und eine Festivalzentrale Süd.

Es fällt auf, dass aus den Druckunterlagen und Fotos der diesjährigen Vienna Design Week der schon vertraute Sessel als Markenzeichen verschwunden ist. Wurde der nun endgültig ausrangiert?

Nein keinsewegs, wir lieben unseren Sessel immer noch! Nach zehn Jahren haben wir den Stuhl als kleinsten gemeinsamen Nenner, um in vielen Köpfen in die richtige Designrichtung zu verweisen, nur aus dem Logo entfernt. Aber wie immer wird er als Leitsystem vor jedem Festivalort stehen – dieses Jahr wieder in der Farbe Weiß.

Autor/in:
Franco Veremondi
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