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Vortrag: Arthur Mamou-Mani

16.01.2020

Am 19. November 2019 lud Bauwerk Parkett in Wien zu einem Vortragsabend mit Arthur Mamou-Mani. Im Anschluss hieran fand im Dezember letzten Jahres die vielbeachtete Ausstellung der preisgekrönten Arbeiten des Nachwuchs-Architekten statt.

Die Projekte Mamou-Mani’s streuen sich über die Kontinente und bereichern die größten Festivals der Kreativ-Szene. Was hatte das Publikum bei Bauwerk Parkett von dem jungen Shooting-Star erwartet? Mit Sicherheit nicht, was geboten wurde. Arthur Mamou-Mani erzählte von seinen Anfängen; der Wirtschaftskrise, die den Beginn einer Selbständigkeit unmöglich erscheinen ließ, seinen ersten Schritten als Jung-Architekt in der Gestaltung von Schaufenstern, von einem möglichen Folgeauftrag, der am magischen Faden der Machbarkeitsfrage hing: „Geht so was auch in Holz?“ – Führt ein selbstverständliches „Ja“ zum Scheitern oder riskiert man mit einem wackeligen „Schau ma mal“ den Auftrag erst gar nicht zu bekommen? Er berichtete vom Crowdfunding für Realisierungen experimenteller Bauten mit seinen Studenten, von depressiven Verstimmungen, einer Finanzierungslücke von 260.000 $ während der Bauarbeiten des Tempels, und schließlich auch von seiner Hochzeit im Tempel mit Anwesenheit seiner Ex-Hippie Eltern. Kein Ton von Arroganz. Keine Star Allüren. Viel Privates, ganz offen erzählt, berührend, ehrlich und emotional.

Der aus Paris stammende und in London lebende Architekt hatte zuletzt mit dem 3D gedruckten Pavillion Conifera für das Modelabel COS zum Salone del Mobile auf sich aufmerksam gemacht. Ein halbes Jahr zuvor beeindruckte er mit seinem monumentalen Tempelbau Galaxia bei Burning Man in Nevada. Jenes Kunstfestaival zieht jährlich 75.000 Menschen in der Black Rock Wüste Nevadas in ihren Bann. Binnen weniger Tage entsteht eine temporäre Stadt aus Zelten und Wohnmobilen, die gänzlich ohne Geldverkehr, dafür Tag und Nacht mit einem reichhaltigen Angebot von Kunst-Installationen und Events agiert. Am Ende des 9- tägigen Festivals wird der Ort akribisch von Rückständen gesäubert und das Gebiet in seiner ursprünglichen Form wieder verlassen. Als Highlights des Festivals gelten die beiden „Burns“ – Man Burn und Temple Burn.

Dieses Event, welches jedes Jahr vom Veranstalter neu gestaltet, errichtet und mit einer spektakulären Feuer- und Feuerwerks-Show und anschließender kollektiver Party verbrannt wird, ist der Tempel das stille und spirituell angehauchte Gegenstück. Den anlässlich dessen ausgelobte Wettbewerb konnte zuletzt Mamou-Mani mit einem vulkanförmigen Raumfachwerk, bestehend aus 7.200 Hölzern, bzw. 2.400 aus Holzstaffeln konstruierten Dreiecken, für sich entscheiden. Mit 60 m Durchmesser und 20 m Höhe war „Galaxia“, so der Name des Tempels, die größte, im Rahmen des Festivals je konstruierte Tempelkonstruktion. 140 Freiwillige, Großteils ohne handwerkliche Ausbildung, arbeiteten drei Wochen unter der Wüstensonne Nevadas am Bau des Tempels. Die Konstruktion beruht auf einer parametrischen Planung, hochpräzise als 3D Struktur am Computer erstellt. In der Übertragung des Computermodells auf die amateurhafte Ausführung mit günstigem Bauholz und tausenden von Schrauben wich der Wüstentempel am Ende nur wenige Zentimeter von seinen Planmaßen ab. Auch einen Österreichischen Beitrag enthielt der Tempel: den Holznagel. Da eines der zehn Prinzipien des Burning Man Festivals „Leave no trace“ heisst (keine Spuren hinterlassen), gilt es sowohl während der Bauarbeiten wie auch im Anschluss an den Burn auch die kleinsten Rückstände aus dem Wüstensand aufzuklauben. Alle nichtbrennbaren Elemente des Tempels – insbesondere alle Schrauben und Nägel – werden über mehrere Tage nach dem Abbrennen des Tempels mit Magneten aus dem Sand gefiltert. Die Vorstellung, den Tempel mit einer stoffreinen Holz-Holz Verbindung, dem Holznagel der Firma Beck Fastener aus Österreich, bauen zu können, faszinierte Mamou-Mani. Am Ende waren die Holznägel zwar für den Tempelbau zu klein dimensioniert, für den Bau von Bänken und Fahrradständern aber kam er zum Einsatz.

Arthur Mamou-Mani und sein Büro sind spezialisiert auf parametrische, computerunterstütze Planungen und Realisierungen. Er betreibt in London ein FabPub wo jeder interessierte an seinen 3D Druckern und Lasercuttern produzieren kann. Auch in seinen eigenen Projekten ist Mamou-Mani meist zugleich Architekt und Ausführender. Design-to-product. Dazu reicht es nicht, zu planen und die Pläne an den 3D Drucker zu schicken. Teils müssen Plug-Ins selbst programmiert werden, die Druckspuren exakt konfiguriert werden, Druckgeschwindigkeiten und Materialien angepasst werden. Und manchmal reicht die Kapazität einer kleinen Druckwerkstatt auch einfach nicht, wie in Mamou-Mani’s Projekt für den Salone del Mobile 2019 in Mailand. Für das Modelabel COS hat Mamou-Mani eine 25 m lange Skulptur geplant. Sie bestand aus 700 korbartigen Geflechten. Als Material kam kompostierbares Bioplastik zum Einsatz. Um dieses Projekt zu realisieren wurden 4 weitere Drucker aus dem Netzwerk des italienischen 3D-Drucker Herstellers WASP dezentral in das Netzwerk eingebunden.

Mehr Informationen:
www.bauwerk-parkett.com

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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