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Walter Zschokke. Texte. Ein Buch zum 65. Geburtstag

25.10.2013

Wir vermissen ihn. Heuer wäre der Aargauer Architekt Walter Zschokke (1948–2009) 65 Jahre alt geworden. Nun wurde im Kunstraum Niederösterreich das Buch „Walter Zschokke. Texte. Ein Buch zum 65. Geburtstag" mit seinen Texten präsentiert.

Hrsg. von Franziska Leeb, Gabriele Lenz, Claudia Mazanek für Orte Architekturnetzwerk NÖ und die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
Walter Zschokke.Texte. Ein Buch zum 65. Geburtstag
Verlag Park Books, Zürich 2013, 208 Seiten, 15 Abb., Hardcover mit Schleife, 17 x 24,5 cm
ISBN 978-3-906027-29-6

Der vorliegende, von der Grafikdesignerin Gabriele Lenz behutsam, ganz in nüchtern-präziser Referenz an Walter Zschokke gestaltete Band ist eine erste Sammlung seiner pointierten, ungebrochen aktuellen Texte aus Hunderten von Schriften sowie bisher unveröffentlichten Manuskripten von Vorträgen, Reden und Stellungnahmen. Beiträge von Otto Kapfinger und Toni Häfliger, beide Wegbegleiter und Vertraute Zschokkes, ergänzen die Auswahl. Margherita Spiluttini steuerte zwei atmosphärischen Fotoessays inklusive einiger Faksimiles über Zschokkes akribisch aufbereitetes Textarchiv bei.

Verantwortungsvoller Vermittler …
Mehr als drei Jahrzehnte hat Walter Zschokke das Architekturschaffen in seinen beiden Heimaten, Österreich und Schweiz, kommentiert. 20 Jahre hat er in der Wochenbeilage „Spectrum" der Tageszeitung „Die Presse" seine brillanten, auf präziser Analyse beruhenden Reflexionen publiziert. Seine Texte richteten sich nicht nur an Architekten, er war ein Vermittler und sich der Verantwortung bewusst.

Walter Zschokkes Medium der Architekturvermittlung war die wohlgesetzte, besonnene Sprache, die ihm nicht nur in seiner Tätigkeit als Publizist das wichtigste Werkzeug war, sondern ihn auch als Juror, Mitglied von Gestaltungsbeiräten und Gutachter auszeichnete. Er feilte so lange an seinen Texten, bis diese auch Nichtfachleuten verständlich waren. Er widersetzte sich der Schnelllebigkeit der Zeit und setzte ihr Langsamkeit entgegen. Wenn man ihm gegenübersaß, übertrug sich diese Ruhe unmittelbar. Sein Fokus richtete sich mit Besonnenheit, Bedächtigkeit und Präzision auf Tiefe mit dem Ziel, Erkenntnis zu gewinnen. Diese Eigenschaft spiegelte sich auch privat in seiner Leidenschaft für die Kyoda-Praxis wider, er war bis zuletzt aktiv in der Kunst des japanischen Bogenschießens.

… mit Kennerblick
Ausgebildet wurde er auf der ETH-Zürich. Seine Dissertation über die hochalpine Sustenpassstraße wurde ein Standardwerk an der Schnittstelle von Verkehrs- und Landschaftsplanung. Durch sein Fachwissen wurde er von Architekten und Bauingenieuren gleichsam geschätzt. Er betrachtete nie nur die ästhetisch-baukünstlerische Seite eines Projekts, sondern mit Kennerblick auch die konstruktiven Details. Stärken und Schwächen von Tragstrukturen konnte er auf Anhieb analysieren. Er verlor sich nie in bloßer Theorie und hat nie den Kontakt zur Bauwirklichkeit verloren. Als Architekt hat er gemeinsam mit Partner Walter Michl eine Reihe anspruchsvoller Bauten vorzuweisen wie etwa das Kirchenzentrum am Leberberg oder das Haus in der Kaiserstraße. Walter Zschokke war in der zentraleuropäischen Architekturszene nicht nur eine resistente Größe, sondern eine singuläre Ausnahmeerscheinung.

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