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Was wäre, wenn … ?

21.11.2013

Wie die Stadt in zehn, 50 oder 100 Jahren aussehen wird, wissen wir nicht. Was, wenn diese Stadt ganz anders wird, als wir sie uns je hätten vorstellen können? Wie erzählt man eine mögliche Zukunft der Stadt? Welche ­Optionen und Chancen entstehen dadurch? Wer kann diese Zukunftsgeschichten am besten erzählen, und was können ­Architektur und Urbanismus davon lernen?

Das fünfte Symposium „Superstadt!“ an der Kunstuniversität Linz stellt mehr denn je ein Crossover unterschiedlicher Disziplinen her, um sich eine Vorstellung von möglichen „Zukünften“ zu machen. Traditionelle Stadtplanung allein reicht nicht. Für die Superstadt braucht es Mischungen aus Architektur, Design, Literatur, Film, Performance und mehr. Mit „What if?“ widmet sich das Symposium in diesem Jahr der Narration von Möglichkeiten. Welche Formate und Methoden gibt es, um über die ungewisse Zukunft der Stadt zu debattieren?

 

Die Stadt der Zukunft
Während die formale Stadtbetrachtung meistens die Vergangenheit extrapoliert, untersucht „Superstadt!“ mögliche Szenarien. Was wäre, wenn die Stadt anders, größer, dichter, schöner, gefährlicher oder aufregender wird, als alles, was wir uns bislang vorstellen können? Dem „What if?“ folgen die Fragen „How?“, „Who?“ und „For whom?“ Wie funktioniert diese Stadt? Wer gestaltet sie? Und für wen? Welche Möglichkeiten gibt es, Geschichten zu erzählen? Wie werden sie geschrieben, gezeichnet, gefilmt oder kartiert? Wie vermittelt man Inhalt, der noch weitgehend unklar ist, verrückt oder gar verhext? Wer erzählt, wer liest, und wer wird wie mit einbezogen? Wer sind die Handelnden der Geschichten, die Helden des Romans, die Ungeheuer des Horrorfilms? Und was hat die Zukunft der Stadt damit zu tun?

Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit
Die Stadt braucht Erzählungen. Sie eröffnen Handlungsoptionen, nehmen mögliche Entwicklungen vorweg, lassen ein Gegensteuern zu, beflügeln eine Vision oder generieren eine Utopie. Klar ist: Niemand kann die Zukunft voraussehen. Eines ist jedoch gewiss: Irgendeine Zukunft wird kommen, kurz zur Gegenwart werden und sofort in der Vergangenheit verschwinden. Architekturentwürfe werfen immer einen Blick auf zukünftige Gestaltung und erzählen Geschichten einer veränderten Umwelt. Architekten sind aber keinesfalls die einzigen und oft nicht die besten Geschichtenerzähler. Oft werden sie nicht verstanden, werden falsch interpretiert oder vermögen nicht zu begeistern. Wer kann also nun die besten Geschichten erzählen? Wer schreibt die Shortstorys über die Stadt? Wer dreht den passenden Roadmovie? Wo ist die „Pulp Fiction“ der Architektur? Science-Fiction ist dabei als Genre eindeutig im Vorteil. Wenn Schriftsteller, Drehbuchautoren, Literaten und Comiczeichner über die Stadt von morgen, das Leben oder die Welt an sich spekulieren, wird die Zukunft wird darin verheißungsvoll, abschreckend, lustvoll oder gefährlich beschrieben, in jedem Fall aber so, als wäre sie plausibel und konsistent.

Geschichten erzählen
Architekten haben es damit nicht so leicht. Die Ökonomien von Architektur sind wohl zu real, als dass sie ein Abschweifen ins Geschichtenerzählen erlauben. Doch über die Zukunft zu spekulieren bedeutet nicht unbedingt, auf das Entwerfen zu verzichten. Fiona Raby etwa, Architektin und Designerin aus London und seit 2011 Professorin in Wien, ist überzeugt, dass nicht nur abstrakte Stadtplanung, sondern auch ihr „Critical Design“ einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Stadt leisten kann. Gemeinsam mit Anthony Dunne entwickelt sie sogenannte „Mikrokönigreiche“. Die Objektwelten sind klein und bunt, ebenso subtil wie subversiv und dafür gedacht, Diskussionen zu stimulieren. Design bedeutet nicht, so Dunne & Raby, Objekte für die jetzige Welt zu entwerfen, sondern eher über solche Welten nachzudenken, die Fragen aufwerfen, wie die Dinge zukünftig sein könnten. Der in Deutschland lebende Künstler Erik Göngrich wiederum hat die Welt bereist und dabei die Moderne als den fortwährenden Anfang eines Missverständnisses entlarvt. Der Schriftsteller Ingo Niermann, hauptsächlich in New York tätig, wollte schon mal eine Grabstätte für die gesamte Menschheit errichten und sucht nun die Freiheit in thematischen Kommunen, während Bernd Behr  in London die Phantomglieder unserer Gesellschaft ausgräbt. Tatjana Schneider aus London präsentiert ein neues urbanistisches Format: das „Urban Kabarett“. Der Wiener Performer Daniel Aschwanden löst die Grenzen zwischen performativer und erzählender Kunst, und das deutsche Künstlerkollektiv random people aktiviert das Publikum insgesamt dazu, über neue Denk, Lebens- und Arbeitsformen nachzudenken.
Superstadt! 2013 eröffnet Möglichkeiten, über Stadt nachzudenken und weitet den Entwicklungshorizont auf andere Disziplinen radikal aus. Die räumliche Synthese bleibt die große Herausforderung und Spezialität der Architektur. Was wäre jedoch, wenn diese Räume ganz anders aussehen und gedacht werden? What if?

von Matthias Böttger, Sabine Pollak

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