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BOKUUniversität für Bodenkultur Wien/Hannes BuchingerUniversität für Bodenkultur Wien/Hannes Buchinger

Wie wir in Zukunft bauen

28.01.2019

Am 17. Jänner 2019 hatte die BOKU, der Universität für Bodenkultur Wien, zur Abschiedsvorlesung und Buchpräsentation von Universitätsprofessor Architekt Martin Treberspurg mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Global Change: Wie wir in Zukunft bauen“ eingeladen. In seiner Rede verwies Treberspurg auf die Notwendigkeit eines Systemumbruchs im Bausektor und richtete einen dringenden Appell an die Politik.

Mit einem Einblick in die Tätigkeit der letzten 14 Jahre der Arbeitsgruppe „Ressourcenorientiertes Bauen“ an der Universität für Bodenkultur (BOKU) und einem Ausblick, wie man den Herausforderungen des Klimawandels beim Bauen begegnen kann, beging Martin Treberspurg das Ende seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der BOKU Wien. Als einer der österreichischen Pioniere des nachhaltigen und solaren Bauens konnte Treberspurg mit seiner Erfahrung als Architekt wesentliche Lösungen zum nachhaltigen Bauen erarbeiten und mit seiner Arbeitsgruppe an der BOKU zahlreiche praxisrelevante Forschungsbeiträge liefern. In der Praxis plant und baut Treberspurg mit seinem Architekturbüro gemeinsam mit seinen vier Partnern – einer davon ist sein Sohn Christoph Treberspurg – weiterhin zukunftsfähige Gebäude.

Welcher Ort ist geeigneter über nachhaltiges Bauen zu sprechen als jener, an dem Treberspurgs Abschiedsvorlesung stattfand, das Institut für Konstruktiver Ingenieurbau / Department für Bautechnik und Naturgefahren an der BOKU: Das neue Türkenwirt-Gebäude ist das erste Bildungsgebäude in Österreich, das als Plusenergiehaus mit der höchsten Nachhaltigkeitszertifizierung „ÖGNI Platin“ ausgezeichnet wurde; In eben dessen Audimax fand die Vorlesung statt. Gewürdigt wurden auch die Leistungen der Professur Martin Treberspurgs der letzten Jahrzehnte, gilt dieser doch als Pionier des nachhaltigen Bauens der ersten Stunde. Neben der Buchpräsentation „Ressourcenorientiertes Bauen“, die Einblick und zugleich Ausblick in die Forschungstätigkeiten an der BOKU liefert, fand eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Global Change: Wie wir in Zukunft bauen“ statt. Darin verwies Doris Österreicher, neben Ulla Ertl-Balga und Martin Treberspurg Mitherausgeberin des oben genannten Buches, auf die Notwendigkeit der Niedrigstenergie-Standards im Neubau und der Sanierung des Gebäudebestands. Österreicher war die letzten Jahre leitend in der Arbeitsgruppe tätig und ist seit Jänner 2019 am Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung der BOKU.

Ressourcenorientiertes Bauen
Im Bausektor haben Energieeffizienz und Ressourcenschonung in den letzten beiden Jahrzehnten – bedingt durch nationale und internationale Klimaschutzziele – einen hohen Stellenwert erlangt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wurde an der BOKU auf Initiative von Professor Konrad Bergmeister des Instituts für Konstruktiver Ingenieurbau eine Professur für Ressourcenorientiertes Bauen ins Leben gerufen, die von Beginn an unter der Leitung von Martin Treberspurg stand. In den letzten 14 Jahren hat die Arbeitsgruppe Ressourcenorientiertes Bauen den Paradigmenwechsel mit innovativen Architekturkonzepten, Technologien und Materialien in der Baubranche mitgestaltet.

„Eines meiner größten Anliegen war es, Forschung und Praxis im Bereich des nachhaltigen Bauens zu verbinden“, resümiert Treberspurg. Die Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe lagen im Bereich relevanter Konzepte und Designs für eine klimaadaptive und nachhaltige Architektur und Stadtplanung. Es wurden innovative Ansätze für zeitgemäße Architekturkonzepte geliefert wie das europäische Forschungsprojekt EU-GUGLE. Dieses fokussiert in einem Smart City Kontext auf Sanierungen in Richtung Niedrigstenergiegebäude-Standards in einem Quartier und bildet damit einen wesentlichen Beitrag zur energieeffizienten Modernisierung des Gebäudebestands. Im Projekt AtticAdapt 2050 etwa wurden für die Sanierung von Gemeindebauten Lösungen zur Nachverdichtung in Holz-Leichtbauweise entwickelt, mit dem Ziel, den steigenden Wohnraumbedarf in Städten mit Bestandsbauten nachhaltig abzudecken. Das Forschungsprojekt PV-Dachgarten verband Dachbegrünung und Nutzung von Dachflächen mit der Integrierung von erneuerbaren Energien durch die Schaffung einer symbiotischen Konstruktion von Photovoltaik und Bepflanzung.

Nachhaltige Bildungs- und Wohnbauten
Was nachhaltige Bildungs- und Wohnbauten in Österreich leisten müssen, war das große Thema der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Treberspurg hatte in seiner Rede auf die Zukunft verwiesen und einen dringenden Appell an die Politik gerichtet: „Wir müssen die Zeit jetzt intensiv nutzen. Die nächsten zehn Jahre werden hier entscheidend sein, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Dazu haben wir gemeinsam mit den Kollegen des Ausschusses „Nachhaltiges Bauen“ der Architektenkammer einen Maßnahmenkatalog „mission 2030 konkret erarbeitet und der Politik präsentiert.“ Generalsekretär Josef Plank, Bundeministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, begrüßte die Initiative der Architektenkammer und bekundete großes Interesse an der weiteren Zusammenarbeit. Er verwies ausserdem auf die ehrgeizige bundesweite Klima- und Energiestrategie, in der Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam mit Bauträgern, Planern und Architekten von Beginn an integrativ zusammenarbeiten müssten. „Die Folgen der globalen Erwärmung werden uns stark fordern, wenn uns in Teilen Mitteleuropas die Fichte wegkippt, wird dies die Biodiversität und somit unser Leben und Wirtschaften stark verändern“, betonte Plank.

Der niederösterreichische Landesrat für Wohnbau, Arbeit und internationale Beziehungen Martin Eichtinger sprach über innovative Lösungen für den leistbaren Wohnbau. „Wir bauen praktisch flächendeckend geförderten Wohnbau in Niederösterreich. In 9 von 10 Gemeinden stehen geförderte Wohnungen des Landes NÖ. Beim Bauen achten wir zudem auf nachhaltige und ökologische Standards. Im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck zählt Niederösterreich zu den Vorreitern unter den Bundesländern.“

Bernd Vogl, Leiter der Energieplanung MA 20, bezog sich auf die neue Wiener Bauordnung, die unter anderem das Ziel zur Regulierung der Nutzung fossiler Energieträger verfolgt und führte an, dass die Ölheizung bald Geschichte sein würde. Gemeinsam mit Stadtplanern würden Konzepte schon vor der Planung ausgearbeitet, um das Energiethema stärker in die Planung einzubinden. Zum Thema Hitze in der Stadt merkte Vogl geplante Begrünungsmaßnahmen der Stadt Wien sowie die Notwendigkeit zur Einbindung der Nutzer an.

Katharina Kohlmaier, Prokuristin und Leiterin des Universitätsbereichs der Bundesimmobiliengesellschaft BIG, unterstrich, dass besonders im Universitätsbau mehr und mehr nach nachhaltigen Kriterien gebaut würde. Man ginge davon aus, dass sich diese dort sehr dynamische Entwicklung auch zunehmend auf andere Asset-Klassen übertragen werde. Nationale und internationale Wettbewerbe aus dem Forschungsbereich lieferten hier interessante Ansätze für den Bildungsbau der Zukunft.

Mehr über Martin Treberspurg unter: www.treberspurg.at

Autor/in:
Redaktion Architektur & Bau Forum
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