Direkt zum Inhalt

Auf die Bühne, fertig, los!

20.06.2014

Hebebühnen sind heute das Gerät der Wahl, wenn außerhalb der Reichweite der Arme gearbeitet wird.

Endarbeiten an der Dachunterkonstruktion des neuen Wiener Hauptbahnhofs: Fast alle Typen von JLG-Arbeitsbühnen waren hier im Einsatz.

Größer als je zuvor wird sich in der kommenden Woche in Amsterdam die APEX präsentieren. Die Messe in der niederländischen Hauptstadt zeigt alles, womit man nach oben gelangt – angefangen von Leitern und Gerüsten über Arbeitsbühnen bis hin zu Baustellenliften. Etliche große Hersteller wollen dort ihre Neuheiten präsentieren. Ein Thema werden zweifellos Elektro- und Hybridantriebe sein. Die Terex-Tochter Genie etwa will eine auch für Baufirmen interessante, weil geländegängige Scheren­arbeitsbühne vorstellen, die zeitlich unbeschränkt mit motorbetriebenen Generator oder abgas- und geräuschfrei mit Strom aus dem Akku betrieben werden. Außerdem kündigt Genie Gelenkteleskoparbeitsbühnen an, die angeblich bahnbrechende Lösungen beim Einsatz über Hindernisse hinweg bieten. Ruthmann verspricht ebenfalls Innovationen für die APEX. Etwa eine neue Lkw-Arbeitsbühne in der 40-Meter-Klasse als Ergänzung der bisherigen Geräte mit 38 und 46 Metern Arbeitshöhe. 

Trotz solcher und vieler anderer interessanter Neuheiten dürfte die Messe in Amsterdam nur wenige Besucher aus Österreichs Baubranche anlocken. Arbeitsbühnen zählen für die heimischen Bauunternehmen eher zu den Spezialgeräten, von denen selbst größere Betriebe nur wenige Stück im Maschinenpark haben. Kleinere Unternehmen setzen überhaupt oft nur auf einsatzbezogene Miete. Und es existieren alteingesessene Anbieter, die seit vielen Jahren beste Kontakte zur Branche haben und umfassende Betreuung bieten.

Komplettes Programm

Bernhard Spörk etwa agiert schon seit mehr als zwei Jahrzehnten von Graz aus als österreichischer Repräsentant von Rothlehner Arbeitsbühnen. Mittlerweile ist auch sein Sohn im Österreich-Vertrieb tätig. „Unsere Stärke ist ein nahezu komplettes Programm an Arbeitsbühnen sowie alle dazu notwendige Leistungen aus einer Hand“, sagt er auf die Frage nach den Vorzügen von Rothlehner. Das deutsche Unternehmen startete in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit einer eigenen Arbeitsbühne, dann übernahm es die Vertretung des dänischen Herstellers Denka-Lift, weitere Vertretungen und Beteiligungen an Lieferanten folgten. Ein großer Schritt wurde im Vorjahr gesetzt, als Rothlehner seinen Lieferanten Denka nach 30 Jahren Zusammenarbeit übernahmen. Mittlerweile werden diese Arbeitsbühnen in Deutschland produziert.
In Vorarlberg agiert seit mehr als dreißig Jahren Dorn Lift im Bereich Verkauf und Vermietung von Arbeitsbühnen. Das Unternehmen setzt auf die Marken Hinowa, Haulotte und Multitel. Die für die Baubranche besonders interessanten Raupen-Arbeitsbühnen des italienischen Herstellers Hinowa vertreibt Dorn Lift exklusiv in Österreich und in mehreren deutschen Bundesländern.  Als eine besondere Stärke nennt Kurt Pfanner, Prokurist des Unternehmens, dass alle seine Maschinen für den Kunden kostenlos mit GPRS-Systemen ausgestattet sind: „Das rechnet sich für unsere Vermieter, aber auch für unsere Endkunden, denn damit lassen sich 80 Prozent der im Einsatz auftretenden Probleme mit telefonischen Anleitungen sofort beheben“, erklärt er.

Vermieter    

Zu den alteingesessenen Vermietern und mit vier Standorten in Österreich, weiteren vier in Ungarn und der Slowakei, 90 Mitarbeitern und über 1.500 Mietmaschinen zu einem der größten Anbieter in diesem Marktsegment zählt Maltech. Das Salzburger Unternehmen befindet sich nach wie vor im Familienbesitz. Miteigen­tümer und Geschäftsführer Gregor Klopf weist neben der Qualität der Maschinen besonders auf die Flexibilität seines Teams hin: „Entscheidend für den Erfolg ist die Dienstleistung rund um das Produkt“, betont er. Dazu zählt vor allem eine schnelle und flexible Abwicklung der Aufträge: „Für unsere Mitarbeiter ist es eine Herausforderung auch spezielle Kundenwünsche möglichst rasch zu erfüllen“, sagt Klopf. Bei den Geräten setzt Maltech auf die Produkte des US-Herstellers JLG, die für ihn zu den besten Arbeitsbühnen der Welt zählen und natürlich auch im Verkauf angeboten werden.
Als Big Player bei der Vermietung von Arbeitsbühnen sieht sich Prangl: „Ich glaube unsere große Stärke liegt daran, dass wir den umfangreichsten Arbeitsfuhrpark in Österreich haben“, meint Firmenchef Christian Prangl. Die Größe des Maschinenparks soll rasches Reagieren sowohl bei kurzfristigen Bestellungen als auch beim Gerätetausch ermöglichen. „Hinzu kommt, dass wir mit unseren anderen Bereichen – angefangen von verschiedensten Kränen,  über Schwertransporte bis hin zu Schwerlastverbindungen – ein sehr weites Spektrum für unsere Kunden und Partner abdecken können. Das schafft enorme Vorteile auf der Baustelle“ meint Prangl.

Internationaler Konzern

Mit dabei am heimischen Arbeitsbühnen-Markt ist ein heute global agierender Konzern mit österreichischen Wurzeln – Palfinger. Das Unternehmen mit rund 6.600 Mitarbeitern und einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro zählt international zu den führenden Anbietern auf dem Arbeitsbühnenmarkt: „Sicherheit, Flexibilität und hohe Qualitätsstandards“ nennt Pressesprecher Hannes­ Hemetsberger als die Stärken der Marke. Bei den Bühnen etwa gibt es für optimale Sicherheit ein redundantes Absicherungssystem: „Die Systeme prüfen sich gegenseitig und sichern im Servicefall eine schnelle und effiziente Fehlerbehebung“, berichtet er. Mit einer breiten Auswahl an Fahrgestellen lassen sich die Palfinger Hubarbeitsbühnen auf nahezu jede Anwendung anpassen.
Hebebühnen sind heute in vielen Einsatzbereichen unverzichtbare Arbeitsgeräte geworden. Ob ihr Einsatz – was früher oft diskutiert wurde – günstiger als das Aufstellen eines Gerüstes kommt, ist kaum noch ein Thema. „Das ist der falsche Vergleich, denn es geht um völlig unterschiedliche Anwendungen“, sagt Kurt Pfanner von Dorn Lift. Beide Lösungen haben ihre Berechtigung und ergänzen einander, meint er: „Für das Aufbringen eines Vollwärmeschutzes, wo vier oder fünf Leute gleichzeitig arbeiten, ist ein Gerüst zweifellos die bessere Wahl, habe ich nur einen Arbeitsgang dann ist die Arbeitsbühne richtig.“

Schulung oder nicht

Über die Ausbildung des Bedienungspersonals wird dagegen noch diskutiert. Laut gesetzlichen Vorschriften müssten Mitarbeiter, die eine solche motorbetriebene Maschine steuern, entsprechend geschult sein. Bernhard Spörk von Rothlehner-Graz engagiert sich deshalb seit drei Jahren auch als IPAF-Tainer im Schulungszentrum in der steirischen Hauptstadt. Geboten werden Kurse für Führungskräfte ebenso wie für den Bedienungsmann: „Vor allem Firmen, die im Ausland arbeiten, nützen diese Kurse. In England etwa darf man ohne eine solche Ausbildung keine Bühne bedienen“, sagt er.
Hierzulande beschränkt sich die „Schulung“ meist auf eine Einweisung bei der Übergabe des Gerätes. Die Hubarbeitsbühnen sind heute so sicher, dass ein Bedienungsmann kaum etwas falsch machen könne, meinen die meisten Anbieter. Gregor Klopf von Maltech fürchtet, dass eine verpflichtende Ausbildung sogar den gegenteiligen Effekt haben könnte: „Kunden, die nur zweimal im Jahr eine Bühne brauchen, werden den Aufwand für die Schulung vielleicht scheuen und statt der Bühne eine Leiter einsetzen.“ Und das wäre auf jeden Fall die wesentlich gefährlichere Alternative.

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
Werbung
Werbung