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„Das Know-how unserer Mitarbeiter ist  von großer Bedeutung für die Qualität unserer Produkte.“ Gert Reichetseder, GF Wacker Neuson, HörschingWacker-Neuson-Werk in Hörsching: Mit einem Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro die größte Einzel­investition des Konzerns.Auf sechs Produktionslinien werden in Hörsching die komplette Palette an Kompakt- und Mobilbaggern, Kompaktladern sowie Rad- und Kettendumpern und die kleinen Bagger für Cat produziert.  Fotos: Wacker Neuson

Aus Hörsching in die Welt

21.06.2013

Wacker Neuson will sich mit den in seinem oberösterreichischen Werk gefertigten Baumaschinen stärker auf den internationalen Märkten engagieren.

In Hörsching hat die Baumaschinenzukunft bereits begonnen: Blickdicht abgeschirmt von der Umgebung, wühlen sich im Testgelände des Wacker-Neuson-Werks Prototypen künftiger Baumaschinen durch die Erde. Der deutsch-österreichische Konzern betreibt mit rund 60 Technikern in seiner Produktionsstätte auch Entwicklungsarbeit für das hier gefertigte Programm an kompakten Baumaschinen. Über Details der Maschinen von morgen will man nichts verraten. Der Trend geht wie in der gesamten Branche in Richtung weniger Emissionen und mehr Effizienz, formuliert es zurückhaltend Gert Reichetseder, als einer von zwei Geschäftsführern von Wacker Neuson Linz für das Werk verantwortlich.

Für Überraschungen ist das ober­öster­reichische Entwicklungsteam jedenfalls immer gut. Das bewies man auf der letzten Bauma mit dem ersten Null-Emission-Serienbagger, der einiges Aufsehen erregte. Das Clevere an dieser Maschine: Der Bagger kann wie gewohnt mit Dieselmotor genutzt werden. Wird emissionsfreier Betrieb gefordert, kommt ein externer Elektro-Hydraulikantrieb zum Einsatz, der per „Plug & Play“ angeschlossen wird. Dieses Aggregat wird je nach Bedarf angemietet oder gekauft und soll künftig auch andere Maschinen antreiben. Neben dem auf der Bauma vorgestellten Minibagger 803 werden im Spätherbst oder spätestens zu Beginn des nächstens Jahres der Minibagger 1404 und der Kompaktbagger EZ17 mit diesem Antriebskonzept ausgestattet sein.

Baggerinnovation als Erfolgsbasis

Eine Baggerinnovation stand vor vielen Jahren auch am Anfang der Firmengeschichte von Wacker Neuson am Standort Oberösterreich. Und sie war Basis für den Erfolg des Werks. Bereits in den Achtzigerjahren begann die Firma Neuson Hydraulik mit dem Bau des ersten Hydraulikbaggers, der auf der damaligen Bauma vorgestellt wurde. Die Maschine kam besser als erwartet bei den Kunden an, und die Baumaschinenproduktion wurde bald zum wichtigsten Tätigkeitsfeld des jungen Unternehmens.

Nach Firmenübernahmen und der Fusion von Kramer und Neuson zur Neuson Kramer Baumaschinen war das oberösterreichische Unternehmen Anfang des neuen Jahrtausends bereits ein wichtiger Player am europäischen Markt. Um Synergien zu nützen, wurde 2007 der Vertrag über den Zusammenschluss mit dem deutschen Familienunternehmen Wacker unterzeichnet. Die damalige Wacker Construction Equipment AG als Hersteller innovativer Baugeräte war im selben Jahr an die Börse gegangen.

Größte Einzelinvestition

Das im Vorjahr in Betrieb genommene neue Werk in Hörsching stellt mit einem Volumen von 65 Millionen Euro die größte Einzelinvestition des Konzerns dar. Hier wird die komplette Palette an Kompakt- und Mobilbaggern, Kompaktladern sowie Rad- und Kettendumpern produziert. Der Neubau wurde notwendig, weil die Kapazität am alten Standort nicht mehr ausreichte, um die gestiegene Nachfrage und die Aufträge von Caterpillar (das Werk fertigt für Cat Bagger bis zu drei Tonnen) zu erfüllen.

Gert Reichetseder zieht nach einem Jahr zufrieden Bilanz. Mit sechs Produktionslinien bietet Hörsching die dreifache Fertigungskapazität des alten Werks. 600 Mitarbeiter sind heute an diesem Standort beschäftigt, ein Drittel mehr als im ehemaligen Betrieb in Leon­ding. Wacker Neuson wollte das Werk deshalb in der Region errichten, „weil das Know-how unserer Mitarbeiter von großer Bedeutung für die Qualität unserer Produkte ist“, sagt Reichetseder. Er sieht den Produktionsstandort deshalb auch als klares Bekenntnis für Qualität. „Überdies haben wir den Hauptmarkt für unsere hier gefertigten Produkte in Europa“, meint er ergänzend. 

Internationales Engagement

In Zukunft will sich Wacker Neuson neben Europa allerdings stärker international engagieren. Wachstumschancen sieht man am nordamerikanischen Markt und vor allem auf den Emerging Markets in Asien, Afrika und Südamerika. Diese Regionen sollen sowohl mit Baugeräten als auch mit kompakten Baumaschinen intensiver bearbeitet werden. Bereits im Vorjahr wurden Maschinen aus Hörsching erfolgreich auf der Bauma in Schanghai präsentiert. Die Baumaschinenproduktion für diese Märk­te wird weiterhin in Oberösterreich erfolgen, verspricht Reichetseder: „Wir sind derzeit das weltweite Kompetenzzentrum für Kompaktmaschinen und haben noch ausreichende Kapazitätsreserven, um diese Exportmärkte zu bedienen.“

Die Fertigungsstätte in Oberöster­reich ist umwelttechnisch auf dem letzten Stand, erzählt der Geschäftsführer: „Schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen war eines der Zielsetzungen bei der Planung dieses Werks.“ Als Beispiele erwähnt er eine Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung oder die Wärmerückgewinnung in der Lackierung und bei der Lüftung. Besonders markant ist der Fortschritt in Sachen Ressourcenschonung bei der Waschanlage, die die Produkte nach der Fertigstellung auf Hochglanz bringt: Mit einer Abwasseraufbereitung konnte der Wasserverbrauch um 90 Prozent gesenkt werden. 

„Wir legen nicht nur bei unseren Produkten Wert auf Umweltfreundlichkeit und Effizienz, sondern auch bei unserer Produktion“, meint Reichetseder in Anspielung auf das neue ECO-Siegel, mit dem der Konzern in seinen Augen besonders ökologische Produkte wie den neuen Dual-Power-Bagger auszeichnet. Seit Herbst des Vorjahres macht das Unternehmen außerdem bei der Initiative Blue Competence des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) mit, bei der durch nachhaltiges Engineering ökologische, soziale und ökonomische Ziele umgesetzt werden sollen.

Eine starke Mutter

Auf festen Beinen steht auch die Muttergesellschaft des Baumaschinenwerks. Zur Holding Wacker Neuson SE in München zählt ein Konzernverbund mit über 40 Gesellschaften, die derzeit mehr als 4.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigen. Im abgelaufenen Jahr wurde mit einem Umsatz von 1091,7 Millionen Euro erstmals die Milliardengrenze überschritten. Kleiner Wermutstropfen angesichts des Rekordergebnisses war ein Gewinnrückgang (minus 12,9 Prozent beim Ebitda), den das Unternehmen mit dem schwierigen Marktumfeld und Sondereffekten erklärte. 

Den Aktionären bescherte dieses Minus eine kleinere Dividende (0,30 Euro statt 0,50 Euro pro Aktie). Die Analysten der britischen Investmentbank HSBC stufen die Wacker-Neuson-Aktie aber nach wie vor als „Overweight“ ein und geben dem Papier gute Chancen auf Kurssteigerung. Wenn sich die Erwartungen der Londoner Banker als richtig erweisen, bietet die Aktie des Konzerns sogar schöne Gewinnaussichten: Das Kursziel der HSBC-Analysten liegt bei 14 Euro, bei Redaktionsschluss Ende der Vorwoche  lang der Kurs der Wacker-Neuson-Aktie knapp unter 10,50 Euro.

Gute Aussichten

Optimistische Erwartungen für ein erfolgreiches Jahr 2013 hegt auch das Unternehmen selbst. Und das, obwohl der Start heuer gar nicht so gut verlief. Das erste Quartal 2013 brachte gegenüber dem allerdings sehr erfolgreichen Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Umsatzrückgang von acht Prozent bei Baugeräten, der Umsatz mit Kompaktmaschinen und damit auch mit den Produkten aus Hörsching ging sogar um neun Prozent zurück. Die Profitabilität sank in den ersten drei Monaten 2013 ebenfalls deutlich. Als Gründe für den missglückten Jahresbeginn nannte Konzernchef Cem Peksaglam den langen Winter und die Eurokrise, die sich negativ auf die Planungssicherheit von Bauprojekten und die Investitionsneigung der Kunden auswirkte. 

Längerfristig ortet Peksaglam aber durchaus positive Trends: „Wir erkennen, dass in für uns wichtigen Märkten das Geschäft wieder anzieht. Die gute Stimmung auf der Bauma 2013 und die Geschäftsentwicklung der letzten Wochen lassen uns an unseren Wachstumszielen für 2013 festhalten.“ Und die sind stolz: Wacker Neuson will den Rückstand des ersten Quartals aufholen und den Gesamtumsatz 2013 auf rund 1,2 Milliarden Euro zu steigern. 

Fit für den Weltmarkt

Mit seinem Produktportfolio sieht sich der Konzern für den Wettbewerb am internationalen Markt bestens aufgestellt. Das bestätigen auch Analysten: Sie geben angesichts des insbesondere auf den Hoffnungsmärkten in Asien, Afrika, Südamerika härter werdenden Wettbewerbs jenen Unternehmen die besten Chancen, die eine konsequente Nischenstrategie verfolgen. Und da liegt Wacker Neuson im Baumaschinenbereich mit seinem klar definierten Portfolio an kompakten Maschinen sehr gut im Rennen. 

 

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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