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CSR is in the air

06.06.2014

Drei Buchstaben und viel Kopfzerbrechen – Welche Vorteile haben Unternehmen, die gesellschaftliche Veranwortung übernehmen?

Eigentlich ist die Baubranche prädestiniert dafür. Nachhaltige Bauwerke, ökologische Baustoffe, regionale Wortschöpfung, faire Arbeitsbedingungen, das Bestbieterprinzip bei Vergaben – kaum eine Branche, in der Hersteller, Ausführende, Interessenvertreter und freiwillige Initiativen sich dermaßen stark in diesen Punkten engagieren. Alles Bereiche, die man unter der Abkürzung „CSR“ (Corporate Social Responsibility, zu Deutsch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen) subsummieren könnte. Und doch landete die Baubranche im österreichischen CSR-Jahrbuch 2014 abgeschlagen auf dem letzten Platz. Woran liegt’s?

Zu klein für Verantwortung?

Mehr als 21 Prozent der Bauzeitungsleser sind der Meinung, ihr Unternehmen sei zu klein für CSR-Maßnahmen und eine umfassenden CSR-Strategie. „Das stimmt nicht“, ist Thomas Walker, Leiter des Instituts für nachhaltige Lösungen walk-on, überzeugt: „Im Gegenteil – KMUs haben zwar professionelle Managementstrukturen, aber keine so starren Vorgaben wie Großkonzerne. Damit können sie flexibler, menschlicher und schneller auf Änderungen reagieren.“ Auch Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Bundesinnung Bau und des Fachverbands der Bauindustrie, sieht in der Größe der Unternehmen keinen Hemmschuh für das Thema CSR. „Das CSR-Bewusstsein ist sowohl in der Bauindustrie als auch im Baugewerbe sehr hoch. Die konkreten Ausprägungen hängen nur zum Teil mit der Firmenstruktur und Unternehmensgröße zusammen“, betont er. Neben großangelegten CSR-Projekten der Baukonzerne gebe es immer wieder Projekte von lokalen Baufirmen, bei denen in Not geratene Familien unterstützt werden. „Nicht zu vergessen ist auch, dass viele Firmen ihren Mitarbeitern, die bei Feuer­wehren oder beim Roten Kreuz etc. tätig sind, die Möglichkeit geben, sich an den Hilfseinsätzen zu beteiligen. Sie setzen also CSR-Maßnahmen, auch wenn sie noch keine formalen CSR-Konzepte geschaffen haben“, so der Bundesinnungsgeschäftsführer. 
So war es auch beim oberösterreichischen Bauunternehmen Habau. „Habau ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region und trägt damit auch eine soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Man kann also sagen, unser Senior-Chef Erich Halatschek hat CSR bereits gelebt, bevor man überhaupt wusste, was das bedeutet“, berichtet Markus Roubin, Leiter des Sicherheitsmanagements der Habau Group. Seit einigen Jahren werden die Aktivitäten nun auch offiziell unter dem Fähnchen „CSR“ gesetzt, vor zwei Jahren ließ sich das Unternehmen zudem nach der ONR 192500:2011 zertifizieren. Die Norm ist angelehnt an den internationalen Standard ISO 26000 und definiert inhaltliche Anforderungen für ein CSR-Managementsystem. „Wir sind das erste Bauunternehmen österreichweit, das diese Zertifizierung erhalten hat“, erklärt Roubin stolz.

Wirtschaftlicher Nutzen statt Marketinggewäsch

Dennoch sind die Vorurteile gegenüber CSR nach wie vor hoch. Vor einigen Jahren boomten Nachhaltigkeitsberichte, und viele Unternehmen versuchten ihre sozialen Aktivitäten als Eigenwerbung einzusetzen. Das allein reicht aber nicht aus. „Mitarbeiter und Geschäftspartner durchschauen sehr schnell, ob sich das Unternehmen ernsthaft mit seinen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft auseinandersetzt und entsprechend verantwortungsvoll handelt. Corporate Social Responsibility führt nur dann langfristig zum Erfolg, wenn es von der Unternehmensführung getragen wird“, erklärt Katrin Gaupmann, Projektleiterin von respACT, einer Non-Profit-Organisation, die heimische Unternehmen in Sachen nachhaltiges Wirtschaften unterstützt. Auch der Bauriese Strabag musste erkennen, dass ein Nachhaltigkeitsbericht nur der Tropfen auf dem heißen Stein ist. „Ursprünglich ging es uns um die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts, da vonseiten der Auftraggeberschaft und vom Kapitalmarkt sehr häufig nicht nur nach finanziellen, sondern auch nach ökologischen und sozialen Kriterien gefragt wurde. Dazu gab es zwar viele Daten, aber keine Einbindung in unsere Unternehmensstrategie“, so Thomas Birtel, Vorstandsvorsitzender der Strabag. Mittlerweile habe man bei der Strabag erkannt, dass die Beachtung ökonomischer, ökologischer, sozialer und gesellschaftlicher Aspekte für einen Konzern dieser Größe für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und damit für die Sicherung des langfristigen Fortbestands notwendig sei.

Erfolgsfaktor Mitarbeiter

CSR-Maßnahmen müssen demnach nicht nur Kosten verursachen, sie zahlen sich auch wirtschaftlich aus – zumindest langfristig. Davon ist auch Markus Roubin überzeugt. „Wenn man eine CSR-Strategie verfolgt, darf man nicht unmittelbare Ergebnisse erwarten. Wenn wir als Arbeitnehmer in die Gesundheit unserer Mitarbeiter investieren, spiegelt sich das auch nicht im nächsten Geschäftsbericht wider. Langfristig kommt es dem Unternehmen aber auch wirtschaftlich zugute.“ Gerade in der Baubranche, die immer stärker unter dem Fachkräftemangel leidet, könnten die Unternehmen von gezielten CSR-Maßnahmen profitieren. „Die Motivation und Bindung der Mitarbeiter sowie die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber sind wesentliche Treiber für Corporate Social Responsibility“, erklärt Gaupmann.
Die Salzburger Baufirmengruppe Hillebrand hat diesen Weg bereits vor drei Jahren eingeschlagen. Gemeinsam mit einem externen Berater wurden die „Hillebrand-Wertewelten“ entwickelt. Das Ziel lautete, gemeinsam mit den Mitarbeitern zu analysieren, welche Werte im Umgang miteinander und für das Erreichen der Unternehmensziele wichtig sind. Respekt, Höflichkeit und Wertschätzung sowie Anerkennung kristallisierten sich hier als wichtigste Größen heraus. „Diese Werte sind uns wichtig, um die tägliche Zusammenarbeit, den Umgang miteinander und den Umgang mit unseren Kunden zu verbessern“, erklärt Karin Laserer, Assistentin der Geschäftsleitung bei Hillebrand. In einem weiteren Schritt arbeitet das Unternehmen derzeit intensiv an seinem Employer-Branding (EB), im Zuge dessen ließ sich die Baufirma Hillebrand auch von Experten der FH Salzburg im Bereich EB bewerten. Wie wichtig die Mitarbeiter für den unternehmerischen Erfolg sind, weiß auch Manfred Katzenschlager: „Motivierte, seriös geschulte Mitarbeiter sind kundenfreundliche Botschafter und eine positive Visitenkarte für das Unternehmen. Das wirkt konfliktvermeidend und reduziert Baumängel.“

Über den Unternehmensrand hinaus

Wie glaubwürdig ist allerdings verantwortungsvolles, wirtschaftliches Handeln, wenn die Subunternehmer machen, was sie wollen? „Gar nicht!“, darin ist man sich bei Strabag und Habau einig. „Bei allen unseren Projekten verpflichten wir unsere Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner, die Regelungen unseres Ethik­kodex einzuhalten. Darüber hinausgehende Kriterien sind dann zu erfüllen, wenn es die Ausschreibung der Auftraggeberschaft vorschreibt“, betont Strabag-Boss Thomas Birtel. „Natürlich ist es uns wichtig, dass alle unsere Geschäftspartner und Subunternehmer faire Praktiken anwenden. Allerdings kommt es immer darauf an, in welchen Land man aktiv ist“, so Roubin von der Habau Group.
Damit Bauunternehmen in puncto faire Arbeitsbedingungen bei Subunternehmen den Überblick zu bewahren, wurde vor kurzem der Leitfaden „Bauen auf Nachhaltigkeit“ herausgegeben, der im Rahmen des Projekts „Förderung von CSR zur Prävention von Menschenhandel“ entstanden ist. Darin findet man mögliche Anzeichen für unfaire Arbeitsbedingungen und potenzielle Risikofaktoren sowie wichtige Kontakte und Anlaufstellen.

Kriterien für die Vergabe

Eine erfolgreich umgesetzte CSR-Strategie bringt allerdings nicht nur zufriedene Mitarbeiter und ein besseres Unternehmensimage, sie könnte künftig auch direkt zu mehr Aufträgen verhelfen, sollte die Forderung der Bausozialpartner nach der Einführung des Bestbieterprinzips bei Vergaben Erfolg haben. „Bei der laufenden Diskussion zur verpflichtenden Einführung des Bestbieterprinzips ist CSR ein nicht unwesentliches Thema. Solche Kriterien müssten aber von allen infrage kommenden Unternehmen de facto erfüllbar, umsetzbar und objektiv bewertbar sein. Sie sollten auch in einem gewissen ursächlichen Zusammenhang mit dem Projekt stehen“, so die Ansicht von Manfred Katzenschlager. Strabag-Chef Thomas Birtel sieht hier eindeutig die Zukunft: „Nachhaltigkeitskriterien werden bei Ausschreibungen der öffentlichen Auftraggeberschaft zunehmend wichtiger. Zwar ist die Nachfrage danach derzeit noch von untergeordneter Bedeutung – wir schätzen den Anteil der Ausschreibungen, in denen Nachhaltigkeitsaspekte explizit zum Leistungskatalog gehören, auf unter fünf Prozent –, doch wird das zunehmende Interesse vonseiten einiger Kundengruppen mehrheitlich im nordeuropäischen und angelsächsischem Raum deutlich. Dort kann die Einhaltung ökologischer, sozialer und gesellschaftlicher Kriterien sogar einen etwas höheren Preis kompensieren.“
Doch ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Katzenschlager rät zur Vorsicht: „Man muss natürlich darauf achten, dass solche Kriterien nicht missbräuchlich oder sinnentfremdet eingesetzt werden.“ Markus Roubin sieht das Thema auch nicht nur positiv: „Auch in der Habau-Gruppe würde man es begrüßen, wenn CSR-Maßnahmen in die Bewertung bei Vergaben einfließen würden. Allerdings besteht natürlich auch die Gefahr, dass getrickst wird. Auf dem Papier hat man schnell ein paar soziale Maßnahmen beisammen, die aber in Wirklichkeit nur Schall und Rauch sind“, warnt Roubin. ­

Autor/in:
Sonja Meßner
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