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Kluge Köpfe dringend gesucht: Mehr als die Hälfte aller Unternehmen sehen im akuten Fachkräfteengpass eine Gefahr für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung. Foto: Rainer Sturm / pixelio.deFachkräfte braucht der Bau: Qualifizierte Lehrlinge stellen sich alljährlich beim Bundesjungmaurerwettbewerb der Herausforderung und zeigen ihr Können. Foto: www.foto-kraus.atAuf dem Stockerl: Manuel Tiefenthaler siegt vor Martin Entholzer und Andreas Lang. Foto: BauAkademie OÖVerwaiste Baustellen, weil qualifizierte Fachkräfte fehlen? Die Landesinnung Bau Oberösterreich ­versucht in Kooperation mit der BauAkademie Jugendliche für Bauberufe zu begeistern.  Foto: Joujou/pixelio.de

Das große Werben um Facharbeiter

21.06.2013

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften stellt für viele heimische Unternehmen eine reale Bedrohung für ihre wirtschaftliche Entwicklung dar. Die Bauwirtschaft versucht durch zahlreiche Initiativen dem Problem Herr zu werden. Oberösterreich geht mit gutem Beispiel voran.  

Neben der Wachstumsschwäche im Euroraum und den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen zählt der Engpass bei Fachkräften zu den größten Sorgen der heimischen Unternehmen. Rund 55 Prozent sehen im Mangel an qualifizierten Arbeitskräften eine Gefahr für ihre erfolgreiche wirtschaftliche Weiterentwicklung. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Wirtschaftsbarometer, die halbjährliche Unternehmensumfrage der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). „Bei der Bekämpfung des Fachkräfteengpasses gilt es, sämtliche Potenziale auszuschöpfen: Jugend, Ältere, Migranten, Frauen. Zusätzlich braucht es Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten sowie die Senkung der Lohnnebenkosten“, lauten die Forderungen vonseiten der WKÖ. 

Fachkräfte von morgen 

Doch Forderungen allein werden angesichts der demografischen Entwicklung mit geburtenschwachen Jahrgängen und des allgemeinen Trends hin zur höheren Schulbildung anstelle einer handwerklichen Lehrausbildung nicht ausreichen. „Rund 4.000 weniger 15-Jährige als heute soll es am Ende dieses Jahrzehnts geben“, verdeutlicht Günther Pitsch, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKO, die dramatische Entwicklung. 

Das Werben um Fach- und Nachwuchskräfte wird sich in absehbarer Zukunft demzufolge noch wesentlich verschärfen. Und der Bau ist in diesem Zusammenhang eine der am stärksten betroffenen Branchen. Trotz anhaltend verhaltener Konjunkturprognosen sind hier Fach- und Nachwuchskräfte gefragter denn je: Rund 2.000 offene Stellen gab es laut AMS Oberösterreich im vierten Quartal 2012 im oberösterreichischen Bausektor. „Die Demografie arbeitet gegen uns. Schon ab dem Jahr 2015 werden wir österreichweit um 15 Prozent weniger Jugendliche am Markt haben. Hinzu kommt das nach wie vor angekratzte Image der Bauberufe und die von der Politik getragene und favorisierte Entwicklung des akademischen Bildungsweges“, sieht Harald Kopececk, Leiter der BauAkademie Oberösterreich, die Verantwortung auch aufseiten der politischen Entscheidungsträger. 

Für die oberösterreichischen Bauunternehmen sind der Fachkräftemangel und allen voran die rückläufigen Lehrlingszahlen derweil ein brisantes Thema, das unter den Nägeln brennt. Zum zweiten Mal in Folge ist im vergangenen Jahr dem gesamtösterreichischen Trend folgend auch in Oberösterreich die Zahl der Lehrstellensuchenden im Baubereich gesunken. Das führt bei vielen Lehrbetrieben ganz unmittelbar zu erheblichen Rekrutierungsproblemen. Das zeigt auch eine umfangreiche Erhebung des ober­österreichischen Abau-Verbundes unter allen seinen Mitgliedern aus dem Jahr 2011, dem ersten Jahr seit 2004 mit wieder sinkenden Lehrlingszahlen.

Demnach hat sich im Zeitraum von 2007 bis 2011 die Suche nach Lehrlingen spürbar verschärft. 68 Prozent der Firmen gaben an, Probleme beim Finden geeigneter Lehrstellenbewerber zu haben. Zum Vergleich: 2007 waren es „nur“ 50 Prozent. Rund die Hälfte der Firmen kann ihre angebotenen Lehrstellen nicht mehr besetzen. Die Gründe dafür geben die Unternehmer mit zu schlechten Schulabschlusszeugnissen, zu wenig Motivation für den Bauberuf bzw. mit schlichtweg fehlenden Bewerbungen an. An ausbildungswilligen Betrieben würde es indes nicht mangeln. 

Eigeninitiative gefragt

Wer sicherstellen will, dass er auch in Zukunft über ausreichend Fachkräfte im Unternehmen verfügt, muss selbst aktiv werden und rechtzeitig für den entsprechenden Fachkräftenachwuchs sorgen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der betrieblichen Lehrlingsausbildung. Gemeinsam mit ihrer BauAkademie geht die Landesinnung Bau Oberösterreich mit kreativen Ideen und gutem Beispiel voran. So wurde beispielsweise auch schon vor mehr als 25 Jahren die triale Lehrlingsausbildung in Oberösterreich ins Leben gerufen.

Heute bildet dieses Ausbildungssystem mit den drei Standbeinen Berufsschule, Bauunternehmen und BauAkademie einen österreichweiten Ausbildungsstandard, der sowohl national als auch international höchste Anerkennung genießt. Ziel ist es, das handwerkliche Know-how der Lehrlinge zu optimieren und vor allem jene praktischen Ausbildungsschwerpunkte, die der Lehrbetrieb nicht erfüllen kann, abzudecken. Allein in der BauAkademie Oberösterreich werden jährlich mehr als 700 Lehrlinge ergänzend zum Lehrbetrieb in den praktischen Maurer- und Schalungsbauertätigkeiten geschult. 

Initiative zeigt das oberösterreichische Baugewerbe aber auch in der Vermittlung von Fach- und Nachwuchskräften. Das Finden von qualifiziertem Personal gleicht heute mitunter der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aus diesem Grund hat die Landesinnung Bau Oberösterreich in Kooperation mit der BauAkademie als Pilotprojekt das Jobportal „www.jobs-am-bau.at“ ins Leben gerufen, über das qualifizierte Fachkräfte – vom Lehrling über den Bautechniker bis hin zum Baumeister – einfach gesucht und gefunden werden können. Zusätzlich werden auch Interessenten gezielt auf der Suche nach Lehrbetrieben unterstützt. Außerdem erhalten Eltern, Lehrer und Jugendliche alle wesentlichen Informationen zu einzelnen Berufen und Karrierewegen. 

Vor knapp vier Wochen ging das Jobportal ins Netz. „Wenn man die zahlreichen Stellenangebote in der kurzen Zeit, die wir online sind, betrachtet, sieht man nicht nur, dass diese Initiative von den Unternehmen hervorragend angenommen wird, sondern auch, dass tatsächlich ein großer Bedarf an einer solchen Serviceleistung herrscht“, so Kopececk. 

Imagekorrektur für Bauberufe

Neben der Unterstützung bei der Suche nach Fachkräften braucht es aber auch einen wesentlichen Imagewandel für die Bauberufe. „Österreichs Baumeister punkten mit einer umfassenden Baukompetenz. Unsere Baumeister leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Baukultur, der weit über die professionelle Ausführung von Bauten hinausgeht“, erklärt Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau Oberösterreich. „Die Zeiten der biertrinkenden, vom Gerüst grölenden Bauhackler sind lang vorbei. Was wir dringend brauchen, sind motivierte, intelligente Jugendliche, die den vielfältigen Anforderungen eines Bauberufs gewachsen sind“, ergänzt Kopececk. Und diese gilt es, in einem schrumpfenden Angebotsmarkt zu finden und zu umwerben.

Auf Bundesebene wird mit Kampagnen wie „Bau deine Zukunft“ unter dem Slogan „Bau auf Bau“ die Werbetrommel für Bauberufe gerührt. Landesweite Berufsinformationstage, Lehrlingscastings oder TV-Spots sollen darüber hinaus die Bauberufe in der Öffentlichkeit ins rechte Licht rücken und Jugendliche für Bauberufe begeistert und geworben werden. „Es reicht nicht, nur die Jugendlichen für eine Baulehre zu begeistern. Oft sind es die Eltern selbst, die ihren Söhnen und vereinzelt auch Töchtern eine Lehre am Bau ausreden wollen“, berichtet Hartl aus seiner eigenen Erfahrung als Geschäftsführer der Schmid-Baugruppe, die selbst immer wieder mit dem Facharbeiterengpass konfrontiert ist. 

Mit einer eigenen Lehrlingsbeauftragten werden deshalb immer wieder Schulen besucht, um Lehrlinge für den Bau zu rekrutieren. Auch auf der alljährlich stattfindenden Berufsinformationsmesse ist das Baugewerbe durch die Landesinnung und die BauAkademie vertreten. In diesem Rahmen können sowohl Jugendliche als auch ihre Eltern und Lehrer angesprochen werden. Und der Erfolg scheint den eingeschlagenen Weg zu bestätigen. So liegt beispielsweise der Beruf des Maurers im Ranking der Top-Ten-Lehrberufe in der aktuellen WKO-Lerhlingsstatistik bei den oberösterreichischen Burschen in der goldenen Mitte auf Platz fünf, wohingegen in der österreichweiten Top-Ten-Liste der Maurer bei den Burschen „nur“ auf dem immer noch sehr guten achten Platz landet. 

Handwerk mit goldenem Boden 

„Arbeiten im Freien, schweres Tragen etc. lassen Bauberufe für viele Jugendliche unattraktiv erscheinen. Es ist nicht cool, wenn man sagt, dass man am Bau arbeitet. Und natürlich ist es einfacher und bequemer, das ganze Jahr über in einer geschützten Werkshalle zu arbeiten, als Karriere am Bau zu machen“, fasst Hartl zusammen. Dabei bietet der Bauberuf nicht nur gute Verdienst-, sondern auch vielversprechende Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. „Leider ist das unter den Jugendlichen noch viel zu wenig bekannt. Durch unsere Kooperation mit der BauAkademie ist es uns in den vergangenen Jahren aber vermehrt gelungen, junge Leute auf unsere aufregende Branche mit Zukunft aufmerksam zu machen“, so der Landesinnungsmeister weiter.

Die Karriereleiter beginnt mit der Lehre und geht über den Facharbeiter, Vorarbeiter bis zum Polier und reicht weiter über die Weiterbildung zum Bauleiter bis hin zum Baumeister, mit umfassender Planungs- und Baubefugnis. Und selbst der akademische Bildungsweg ist am Bau nicht ausgeschlossen: So hat die BauAkademie vor mittlerweile fünf Jahren den MBA Bauwirtschaft ins Leben gerufen, der ab diesem Jahr in das Studienprogramm der Donau-Universität Krems aufgenommen wurde. Im Rahmen des berufsbegleitenden, viersemestrigen Studiums werden Führungskräfte der Bauwirtschaft in Managementaufgaben fit gemacht.

Baumeister, Bauleiter, Techniker, Geschäftsführer und kaufmännische Leiter aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe sind die Zielgruppe dieser neuen Ausbildungsschiene. „Im Mittelpunkt stehen betriebswirtschaftliches Know-how oder die strategische Unternehmensentwicklung mit starkem Praxisbezug. Es geht uns bei dieser neuen Ausbildungsschiene nicht um die hochwissenschaftlichen Aspekte des Bauens, in allererster Linie wird das unterrichtet, was die Absolventen in ihrem direkten Berufsalltag brauchen und unmittelbar umsetzen können. Mittlerweile haben wir knapp 80 Absolventen und ein überdurchschnittlich positives Feedback“, erklärt Kopececk, Initiator und Verfechter der neuen Zusatzqualifizierung, die ganz nebenbei auch ein weiterer wichtiger Meilenstein ist, um die Attraktivität von Bauberufen in der Gesellschaft zu steigern. 


OÖ Maurer-Landeslehrlingswettbewerb 2013

Hervorragende Leistungen bot Oberösterreichs Maurernachwuchs beim diesjährigen Landeslehrlingswettbewerb, der kürzlich in der BauAkademie Oberösterreich ausgetragen wurde. Landesbester Jungmaurer wurde Manuel Tiefenthaler (Mitte), beschäftigt bei der Staudinger Bau GmbH in Pettenbach. Der Pettenbacher siegte vor Martin Entholzer (l.) aus Michaelnbach, der seine Lehrausbildung bei der Baumeister Humer GmbH in Peuerbach absolviert, sowie dem Baumgartenberger Andreas Lang (r.), der bei der Krückl BaugesmbH & Co KG in Ausbildung steht.

Ihr fachliches Können hatten die insgesamt 17 oö. Jungmaurer, die sich dem Wettbewerb stellten, beim Aufreißen eines Grundrisses für einen Mauerwerkskörper sowie bei der Fertigstellung eines Gesimses unter Beweis zu stellen. Das Gesimse musste auch grob und fein verputzt sowie gezogen werden. 

Der vom Ziegelverband gestiftete Wanderpokal geht nun nach 20 Jahren endgültig an die Firma Staudinger Bau GmbH in Pettenbach, die erstmalig 3 Maurer-Landesmeister stellen konnte.
Manuel Tiefenthaler und Martin Entholzer qualifizierten sich mit ihren Leistungen übrigens zugleich für den Bundesjungmaurerwettbewerb, der heuer in Salzburg stattfinden wird. 

Autor/in:
Tom Cervinka
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