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Dem Fiskus ins Tascherl

15.12.2015

Registrierkassenpflicht, Einkommenssteuer, Kapitalertragssteuer: mit der ab Jänner 2016 geltenden Steuerreform kommen auf die heimischen Betriebe viele Änderungen zu. Alle wesentlichen Vor- und Nachteile auf einen Blick.

Ab 1.1.2016 ist es so weit: die von den Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP lang diskutierte Steuerreform ist beschlossene Sache. Von „4,9 Milliarden direkt in die Brieftaschen der Menschen“ sprach Bundeskanzler Werner Faymann und meinte damit die Entlastung der Arbeitnehmer im Bereich der Einkommenssteuer. Davon profitieren werden auch Kleinunternehmer, sofern sie nicht von der Immobiliensteuer, der Grunderwerbsteuer oder von der KESt betroffen sind. Und genau in diesem Punkt ist die Reform für viele Betriebe wenig sinnstiftend.

„Ich sehe keine wirkliche Steuerreform, sondern eher eine Tarifanpassung“, so Manfred Wildgatsch, Geschäftsführer der Jupiter Wirtschaftstreuhand GmbH. „Erwartet hätte man eigentlich eine Entlastung der Unternehmer im Bereich Lohnnebenkosten und bei den immer unüberschaubarer werdenden Vorschriften im Arbeits- und Sozialrecht. Das einzige, was daran positiv ist, ist dass die unteren Einkommensstufen entlastet werden – das wird allerdings auf der anderen Seite wieder hereingeholt.“ 

Weniger Geld für Bildung Als wesentlich einschneidend wird die komplette Streichung im Bereich Bildung sein: durch die Streichung des Freibetrags bzw. der Prämie gehe hier ein wichtiges Instrument verloren. Vieles konnte allerdings auch abgewendet werden: Im Kampf um die Umsetzung der Reform hat sich unter anderem die Wirtschaftskammer für die Unternehmen stark gemacht. „Im Zuge der Steuerreform konnten wir eine Vermögenssubstanzsteuer, eine Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie eine Wertschöpfungsabgabe abwehren“, so Ralf Kronberger, Abteilungsleiter Finanz- und Handelspolitische Abteilung der WKO. Kleinverdiener profitieren neben der Senkung der Einkommenssteuer von 36,5 Prozent auf 25 Prozent zusätzlich von einer Senkung der Mindestbeitragsgrundlage für die Krankenversicherung in der SVA auf rund 400 Euro.

Belegpflicht & Co Bleibt offen, für wie viele Gewerbe- und Handwerksbetriebe die Verbesserungen zum Vorteil gereichen werden. Das fragt sich auch Erwin Wieland, Bundesinnungsmeister der Maler und Tapezierer. „Die Reform bringt einen enormen Bürokratieaufwand mit sich, der Verwaltungsaufwand wird in Zukunft noch höher. Da muss man sich schon fragen, inwiefern hier an die Betriebe gedacht wurde.“ Denn künftig besteht für jeden Betrieb die Verpflichtung, bei Barzahlungen einen Beleg zu erstellen und dem Käufer auszuhändigen. „Dieser muss den Beleg entgegennehmen und bis außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten für Zwecke der Kontrolle durch die Finanzverwaltung mitnehmen“, so Kronberger. Und dazu wird künftig ein elektronisches Aufzeichnungssystem nötig – die so viel besprochene Registrierkasse.

„Eigentlich ist fast jeder Unternehmer betroffen, der Steuern zahlt“, erläutert Wildgatsch. Durch die nun weiter herabgesetzten Grenzen von Jahresumsatz ab 15.000 Euro und Barumsätzen über 7.500 Euro wird die Verpflichtung praktisch flächendeckend. „Zu den Barumsätzen zählen nämlich auch Bankomat- und Kreditkarte, Gutscheine und PayPal. Noch immer nicht klar ist, ob Rechnungen, die eigentlich überwiesen werden sollten und dann (auch teilweise) bar bezahlt werden, hineinfallen.“ Laut Wieland seien für das Maler- und Tapeziererhandwerk vor allem jene Betriebe betroffen, die einen Fachhandel integriert haben – und das sind nicht wenige.

Manipulationsschutz ab 2017 Der zwingende Kauf einer PC-Kasse ist dabei nicht gegeben, allerdings sollen alle Systeme ab 2017 über einen Manipulationsschutz verfügen – es lohnt sich also, vor der Anschaffung der Registrierkassa zu überprüfen, ob die technischen Sicherheitseinrichtungen im Gerät inkludiert sind. Wenngleich Prämien im Rahmen des Kassenkaufs winken, wäre eine deutlich differenziertere Planung der Aktion Registrierkasse sinnvoll gewesen, nämlich „die Anforderungen der Wirtschaft abzufragen und dann eine Lösung zu finden, die sowohl für die Finanzverwaltung, als auch für die Wirtschaft sinnvoll und tragbar gewesen wäre“, so Kronberger. 

„Die Belastungen für die KMU werden immer unüberschaubarer – dabei tragen wir zum Gutteil zum Wirtschaftswachstum Österreichs bei“, ärgert sich Wieland. Der Frust in der Branche sei groß, dennoch macht der Interessensvertreter Mut: „Ich kann meinen Betrieben nur raten, weiter auf solides Handwerk mit höchsten Qualitätsansprüchen im Bereich Produkt, Dienstleistung und Personal zu setzen.“ 

Für Handwerksbetriebe werde es allerdings in Zukunft durch die Reform kaum leichter. „Der Fiskus wird damit sicher nicht annähernd das herausholen, was er glaubt, herausholen zu können“, ist sich auch Wildgatsch sicher. Bei allem Groll, der im Rahmen der Reform auch bei den Betrieben entsteht, bittet der Steuerprofi aber vor allem um Nachsicht mit den Beamten. „Die können schlicht und einfach nichts für die Entscheidungen auf politischer Ebene. Und sind darüber hinaus mit dem  zusätzlichen Aufwand und der sich ständig steigernden Komplexität genauso wenig glücklich wie die betroffenen Betriebe.“

Author: Christina Mothwurf

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