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Den Erfolg erarbeitet

27.01.2014

Gas geben – nicht nur am Motorrad, sondern auch auf der Baustelle, das könnte das Motto von Mario Hamernik sein. Mit Disziplin und Ehrgeiz hat er es vom Lehrling bis zum Baumeister gebracht. 

 

Endlich vorbei – das sagt wahrscheinlich meine Familie“, grinst Mario Hamernik nach der bestandenen Baumeisterprüfung. Denn hinter ihm liegen knapp zwei Jahre der intensiven Vorbereitungszeit für die Baumeisterprüfung. „Die Vorbereitung neben der Arbeit verschlingt viel Zeit – Urlaube gab es in den letzten beiden Jahren kaum“, erklärt der Neobaumeister. Die Erleichterung, aber vor allem auch der Stolz sind seiner Ehefrau und dem Sohn bei der Überreichung der Urkunden ins Gesicht geschrieben. 

Dass er einmal Baumeister sein würde, hätte sich der heute 40-Jährige früher nie gedacht, denn als Jugendlicher ging es Mario Hamernik so wie den meisten: Ohne konkrete Vorstellung war er auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. „Eigentlich wollte ich Bäcker werden, warum weiß ich gar nicht mehr so genau“, erinnert sich Hamernik. „Dank meines Bruders haben wir jetzt trotzdem einen Bäcker in der Familie“, sagt er. Ein Freund überzeugte ihn von einer Lehre am Bau.„Es war so gut bezahlt, da hab ich nicht lang überlegt“, so der gebürtige Wiener heute. 

Direkt nach der Lehre, die er übrigens mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, absolvierte Hamernik die Werkmeisterschule. „Meine Kollegen sagten damals immer: ‚Burli, werd’ Polier – dann hast’ ein gemütliches Leben.‘ Das war vielleicht früher so, aber mittlerweile hat sich dieses Berufsbild völlig gewandelt“, erklärt er.

Ganz so gemütlich war das Leben auf der Baustelle als junger Polier aber auch damals schon nicht, wie Hamernik bald feststellen musste. „Ich wurde zu Beginn von den älteren, erfahreneren Kollegen nicht wirklich ernst genommen.“ Deshalb hieß es, so schnell wie möglich Erfahrung sammeln. „Am besten ging es bei der Akkordarbeit. Danach war es leichter. Auf der Baustelle muss man sich den Respekt immer erarbeiten. Sobald die Arbeiter merken, dass man Ahnung hat und selbst auch anpackt, ist es kein Problem.“ 
Die Entscheidung für den Bau hat Hamernik in all den Jahren nie bereut. „Man ist viel draußen, muss spontan und flexibel sein, Entscheidungen treffen und auch die Verantwortung tragen. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen – das liegt mir. Immer im Büro zu sitzen wäre nichts für mich“, betont Hamernik. 

Ehrgeizig war der Wiener zwar schon immer. „Nach ein paar Jahren Berufserfahrung wollte ich unbedingt die HTL-Matura nachholen. Der richtige Biss oder die richtige Motivation dahinter hat allerdings noch gefehlt, deshalb brach ich nach zwei Jahren wieder ab und hab mich wieder auf meine berufliche Karriere konzentriert.“ 

Durchgestartet

Vor 14 Jahren wechselte Hamernik als Polier zur Baufirma Saffer­thal. Dort wurde ihm von seinem Chef Alexander Safferthal auch der Bauleiterkurs ans Herz gelegt, der vor sechs Jahren mit Erfolg absolviert wurde. Der nächste logische Schritt war die Baumeisterprüfung. „Natürlich war die erfolgreiche Prüfung das Endziel, aber vor allem wollte ich meinen Horizont erweitern.“ Dafür musste er fast alle drei Module absolvieren – ein Teil der HTL-Kurse wurde ihm angerechnet.

Mit diesem Werdegang ist Mario Hamernik eine Seltenheit, denn die wenigsten Baumeister starten heute noch mit der Lehre und müssen alle Module absolvieren. „Die Vorbereitungszeit war hart, und auch wenn man viel Praxiserfahrung hat, dauert es dennoch eine Weile, bis man wieder ins Lernen reinkommt. Ohne die Unterstützung meines Chefs Alexander Safferthal und meiner Familie hätte ich es nicht geschafft. Auch in den Lerngruppen hilft man sich gegenseitig. Als Einzelgänger ist es meiner Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit, die Baumeisterprüfung zu bestehen. Es entsteht dadurch eine Gemeinschaft, die auch über die Prüfung ­hinaus bestehen bleibt“, so Hamernik. 

Weitere Lehrgänge und Zusatzausbildungen sind zwar nicht ausgeschlossen, fürs Erste ist aber einmal Schluss mit lernen – immerhin muss auch noch Zeit für sich selbst bleiben. Und die verbringt er wie der Großteil seiner Kollegen am liebsten auf einem seiner beiden Motorräder, einer Rennmaschine und einer Harley-Davidson. Nicht immer zur Freude der Ehefrau und des Chefs, denn der eine oder andere gebrochene Knochen waren das Resultat dieser Leidenschaft. Stoppen lässt sich Hamernik aber auch davon nicht. „Den letzten Gips habe ich mir nach zwei Wochen selbst runtergeschnitten und bin wieder ins Büro gegangen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe“, sagt er schmunzelnd.


VITA
Mario Hamernik
30. 9. 1973:     in Wien geboren
1979–1989:     fünf Jahre Volksschule und 
    vier Jahre Hauptschule
1989–1992:     Lehre als Maurer
1992–1994:     Ausbildung zum Werkmeister         (Polier)
1995–1997:     drei Semester Abendschule 
    HTL Leberstraße
2007:     Ausbildung zum Bauleiter 
    am Wifi Wien
2011–2013:     Baumeisterprüfung inkl. 
    Vorbereitungskurs am Wifi Wien


Das Unternehmen
Baumeister Dipl.-Ing. 
Safferthal GesmbH
Seit 14 Jahren ist Mario Hamernik bei der Firma Safferthal Bau beschäftigt. Das Unternehmen wurde vor 92 Jahren von Rudolf Hauptner gegründet. Seit 1984 führt DI Alexander Safferthal das Unternehmen mit Sitz im 22. Wiener Gemeinde-
ezirk nun in der dritten Generation. Die Baufirma 
ist spezialisiert auf innerstädtische Sanierungen und Instandsetzungen. Im Bereich Neubau ist das Unternehmen vorzugsweise als Generalunternehmer tätig.

Autor/in:
Sonja Meßner
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