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Das Stammhaus der Firma Egger in St. Johann in Tirol wurde überwiegend mit eigenen Produkten umgesetzt.

Die Mischung macht’s

17.07.2017

Holz ist nicht nur ein nachhaltiger und naturverbundener Rohstoff, er eignet sich auch optimal für die Kombination mit Beton, Ziegel und Co.

Am gängigsten ist dabei die Mischbauweise in Kombination von Holz mit Ziegel oder Beton – das dabei meist verwendete Produkt ist Brettsperrholz. Diese Kombination mit Massivbau findet vor allem im Wohnbau, im Freizeit- und Tourismusbereich als auch im Dachgeschoßausbau – vor allem im urbanen Bereich – Anwendung. Dabei geht der Trend generell stark in Richtung Modularität: Boxen oder fertige Raumzellen spielen dabei eine Rolle. Damit wird auch die Arbeit auf der Baustelle reduziert und ins Werk verlagert – Material- und Ressourcenoptimierung immer mitgedacht. „Natürlich spielen auch Vorfertigung und Digitalisierung eine immer größere Rolle“, erläutert Michael Bauer‚ GF der Graf-Holztechnik GmbH. Das in Niederösterreich ansässige Holzbauunternehmen ist Ansprechpartner für den individuellen und qualitativ hochwertigen Holzbau.

Welcher Materialmix der beste ist, hängt laut Michael Bauer immer auch von den Rahmenbedingungen ab. Im Bereich Planung, Umsetzung und Verarbeitung spielt vor allem die Schnittstellenthematik eine zentrale Rolle, denn im Holzbau gibt es andere – nämlich geringere – Toleranzen als im Massivbau. Soll heißen: Im Massivbau wird viel direkt auf der Baustelle verrichtet, und somit herrscht ein höheres Maß an Ungenauigkeiten im Vergleich zu einer millimetergenauen, computergestützten Vorfertigung im Werk. „Enorm wichtig ist eine gemeinsame Sprache bereits bei der Planung“, so Bauer weiter. „Ein einheitlicher Waagriss auf der Baustelle ist als gemeinsame Basis essenziell.“ Auch eine hohe Sensibilität der Folge­gewerke ist wichtig, um unnötige Nacharbeiten zu vermeiden. Darüber hinaus ist auch in Sachen Lieferzeiten Vorsicht geboten: „Aufgrund der hohen Nachfrage ist hier vor allem die Brettsperrholzindustrie gefordert, denn die Lieferzeiten sind oft länger als die Vorbereitungszeit für die Baustelle.“

Nachhaltig und stark

Auch für Adrian Wyss, Leiter Modernisation und Development bei Implenia, ist klar, dass die Entscheidung für eine Mischbauweise sehr nutzungs- und gebäudeabhängig ist. Besonders gängig sind laut Wyss neben Kombinationen mit Stahlbeton oder Stahl auch Holz-Beton-Verbunddecken. „Neben der geschoßweisen und der sektionalen Mischbauweise spielen auch die Trennung zwischen­ Tragstruktur und Gebäudehülle sowie die Mischung von Bauteilen eine wesentliche Rolle.“ Die Reise gehe dabei definitiv in den Hochhausbau und in große Überbauungen. Stark gefördert und erforscht werden dabei Holz-Beton-Verbundtechniken sowie das Verbinden der verschiedenen Werkstoffe und deren Verhalten. Implenia selbst hat vor kurzem im schweizerischen Rümlang eine neue Produktionshalle eigens für den Holzbau eingeweiht.

Dort wird eine eigens geschaffene Digitalisierungsstrategie mit der ansteigenden Nachfrage nach dem Baustoff Holz kombiniert. Durch den Bau der Halle wurden Planungs- und Produktionsabläufe markant vereinfacht. Darüber hinaus verwendet das Unternehmen für Eigenentwicklungen seit kurzem nur noch zertifiziertes Holz. Im Bereich Planung und Umsetzung sei auch hier das Timing wichtig: „Es muss das richtige Material am richtigen Ort eingesetzt werden“, so Wyss weiter. „Beim Holzbau ist es allgemein so, dass die planerischen Leistungen früher und präziser erbracht werden müssen, damit die Koordination bei der Ausführung funktioniert.“ Derzeit arbeitet Implenia an zahlreichen Projekten, darunter etwa „Sue & Til“, das größte Holzbauwohnprojekt der Schweiz. Die Überbauung umfasst Wohnungen sowie publikumsorientierte Erdgeschoßnutzungen und erfüllt strengste Nachhaltigkeitskriterien.

Mehr Atmosphäre

Besonders innovativ in Sachen Holzmischbauweise wurde auch die Umsetzung des Egger-Stammhauses in St. Johann in Tirol realisiert. Der Holzwerkstoffprofi hat von jeher das Konzept in Holz- und Modulbauweise bei allen Bauvorhaben den jeweiligen lokalen Anforderungen angepasst und kontinuierlich weiterentwickelt. Zwei durch ein Atrium mit Glasdach und Stegen verbundene, viergeschoßige Gebäudeteile bilden das Egger Stammhaus. Sie kommen jeweils auf eine Gesamtlänge von rund 60 Metern bei einer Breite von 14 Metern. Im Erdgeschoß befinden sich ein Empfangsbereich und ein Mitarbeiterrestaurant, zudem sind dort Schulungs- und Seminarräume untergebracht.

Die höhergelegenen Stockwerke beinhalten die Büroarbeitsplätze von 250 Egger-Mitarbeitern sowie der Werksleitung und der Geschäftsführung. Die gesamte Einrichtung ist auf Funktionalität und Transparenz ausgerichtet – Büros, Besprechungsräume und Aufenthaltsbereiche sind offen und übersichtlich und laden zu Kommunikation und Diskussion ein. Gleichzeitig reduzieren akustisch wirksame Möbelfronten die Nachhallzeiten. Ein Wartebereich im Atrium führt dem Besucher vor Augen, dass MDF-Platten auch in runder, Leichtigkeit ausstrahlender Form zum Einsatz kommen können. Außerdem zeigt eine Theke anhand eines Dekors, das an Kern­esche erinnert, die Möglichkeiten des Digitaldrucks. Neben Funktionalität und Ästhetik spielt die Sicherheit im überwiegend aus Holzwerkstoffen errichteten Stammhaus eine wichtige Rolle. Das Untergeschoß in Massivbau aus Stahlbeton ist ein eigener Brandabschnitt. Erdgeschoß und Atrium bilden einen weiteren Brandabschnitt mit der Küche als Unterbrandabschnitt. Die drei darüberliegenden Geschoße bilden zusammen je einen weiteren.

Zusätzlich zum zentralen Treppenhaus und Lift aus OSB im Atrium gibt es zwei außenliegende Treppentürme aus Stahl. Diese sind durch eine Brandschutzverglasung vom Atrium getrennt und dienen als sichere, kurze Fluchtwege im Ernstfall. Ein Brandüberschlag vom Erdgeschoß in das erste Obergeschoß wird mittels auskragenden Balkons erreicht. Zusätzlich eingebaute Sprinkler an den zwei Innenfassaden verhindern eine Brandausbreitung von einem Gebäudeteil zum anderen. Als stilistisches Element setzen sich die Balkone auch in den weiteren Stockwerken fort und dienen dabei gleichzeitig der Vereinfachung von Gebäudereinigung- und -wartung. Im Sinne der Nachhaltigkeit kamen beim Neubau des Stammhauses umweltfreundliche Technologien zum Einsatz – so entspricht das Gebäude durch Passivhauskomponenten mit sehr hohen Dämmwerten dem Niedrighausstandard. Mittels Fernwärme aus dem Werk in St. Johann wird es beheizt und über eine Grundwasserkühlung gekühlt. Weiteres Plus: Die beim Bau eingesetzten Egger-Produkte sind zu 100 Prozent recycelbar und bestehen zum Teil bereits aus recycelten Materialien.

Neue Maßstäbe

Ein Vorreiter in Sachen Wohngesundheit, Energieeffizienz und Autarkie sowie Ökologie und Kreislaufwirtschaft ist auch das Unternehmen Thoma in Pongau. Unternehmer Erwin Thoma hat seitdem an der Umsetzung eines rein leim- und chemiefreien Massivholzbaues gearbeitet. Mit Erfolg – das Unternehmen produziert maßgeschneiderte Häuser, die mit allen Klimazonen harmonieren. Die Leistungen reichen von der kleinen, übersiedelbaren und unabhängigen Vollholzmobilie bis zum vielgeschoßigen Hotel, Büro, Schul- oder Krankenhausbau. Dabei ist jedes Haus ein Einzelstück, das für sich gestaltet, berechnet, gefertigt und montiert wird. Die Technologie, die Thoma entwickelte, kann dabei wenn gewünscht auch komplett auf Mischbauweisen verzichten. So sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte realisiert worden – vom Vollholzhotel bis hin zum -büro. Dabei dient die massive Thoma-Holz100-Wand als Langzeitspeicher für Temperatur,­ der von Natur aus ein ganzjährig ausgeglichenes Innenraumklima schafft. Auf dieser Basis wird nur noch ein Minimum an Haustechnik benötigt, die mit Sonnenenergie betrieben werden kann. So können Einfamilienhäuser oder ganze Bürokomplexe, unabhängig vom Stromnetz und ohne weiteren Verbrauch von Ressourcen, betrieben werden.

Autor/in:
Christina Mothwurf
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