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Um die europäische Stahlbranche vor Billigkonkurrenz zu schützen, sind kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse aus China und Russland von der EU-Kommission vorläufig mit Einfuhrzöllen belegt worden.

Die Qual mit dem China-Stahl

13.04.2016

Europas Stahlhütten kämpfen gegen Verluste an. Importe aus China haben die Preise schwer unter Druck gesetzt.
 

Um die europäische Stahlbranche vor Billigkonkurrenz zu schützen, belegte die EU-Kommission bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig mit Einfuhrzöllen. Es geht um sogenannte kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse, bei drei weiteren Stahlprodukten aus China sind Anti-Dumping-Untersuchungen eingeleitet worden.
Die Zölle für die chinesischen Importe liegen zwischen 13,8 und 16 Prozent, für russische Einfuhren zwischen 19,8 und 26,2 Prozent. „Wir können nicht zulassen, dass unfaire Konkurrenz durch künstlich billige Importe unsere Industrie bedroht“, erklärte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström die aktuellen Entscheidungen. Die Europäische Union hat bisher handelsrechtliche Schutzmaßnahmen für 37 verschiedene Stahlprodukte getroffen, neun Untersuchungen sind im Gange.

In der weltweiten Stahlproduktion steht die EU an zweiter Stelle, die Nummer eins ist China, das etwa die Hälfte des weltweit hergestellten Stahls produziert. Experten zufolge sitzt China auf einer Überproduktion von 340 Millionen Tonnen. Die chinesischen Hersteller drängen daher verstärkt auf die Weltmärkte, weil im Reich der Mitte die Nachfrage schwächelt. Die Stahlpreise sind in der Folge – auch wegen internationaler Überkapazitäten – massiv gefallen. Die europäischen Stahlkocher sehen sich zudem durch hohe Energiepreise und Umweltsteuern belastet. Sie haben seit 2008 rund 85.000 Stellen abgebaut, das sind mehr als 20 Prozent der in der europäischen Stahlindustrie Beschäftigten. Um ganz andere Dimensionen geht es hingegen in China, wo jüngsten Berichten zufolge heuer nicht weniger als 1,8 Millionen Stahlarbeiter ihren Job verlieren werden.
Wie tief die Branchenkrise ist, zeigt unter anderem die Entwicklung beim Weltmarktführer ArcelorMittal, der das vergangene Jahr mit einem Rekordverlust abschloss und nun Finanzspritzen in Milliardenhöhe braucht. Auch die deutschen Stahlkocher sind mit dem dritten Produktionsrückgang in Folge in das neue Jahr gestartet. Die Perspektiven blieben angesichts der schwierigen Auftragslage gedrückt, das teilte die Wirtschaftsvereinigung Stahl im Februar mit. 
Im Jänner 2016 sank die Rohstahlproduktion im Jahresvergleich um 2,0 Prozent auf gut 3,6 Millionen Tonnen. Im Dezember 2015 war sie bereits um 8,3 Prozent eingebrochen. Insbesondere die Produktion von flachgewalzten Erzeugnissen, die etwa in der Autoindustrie verwendet werden, war dabei mit zweistelligen Raten abgesackt.

Voestalpine behauptet sich

Die voestalpine hat sich angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft und sinkender Rohstoffpreise dennoch gut behauptet. Der börsennotierte heimische Stahlkonzern verdankt seine Gewinnsteigerung in den ersten drei Quartalen 2015/16 Sondereffekten bzw. Konsolidierungsveränderungen. Dadurch stieg das Ergebnis nach Steuern um 17,6 Prozent auf 509 Millionen Euro. Zieht man die Einmaleffekte ab, lag der Gewinn mit nur 383 Millionen Euro um 1,6 Prozent unter der Vorjahresperiode. Für eine „hohe Stabilität in der Entwicklung des Unternehmens“ sorgen laut Konzernchef Wolfgang Eder „konsequente Internationalisierung und die Verlängerung der Wertschöpfungskette auf Basis von Premiumprodukten in anspruchsvollen Technologiebereichen“. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich um gut 3 Prozent auf weltweit 47.900. Umsatzeinbußen erlitt der Linzer Stahlkocher hingegen in der „Special Steel Division“ (Edelstahl). Diese konnten auch durch teils hervorragende Entwicklungen in anderen Segmenten wie etwa der Luftfahrtindustrie nicht zur Gänze kompensiert werden. [gr]

Autor/in:
Redaktion Metall
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