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Effizienz im Fokus

01.02.2013

„Am Ende des Tages geht es immer ums Geldverdienen – wenn Liebherr-Maschinen unseren Kunden dabei helfen, umso besser“: Otto Singer, Geschäftsführer der Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH, im Interview. 

Ist gegen die Krise gewappnet: Otto Singer, Geschäftsführer des Liebherr-Werks Bischofshofen.
Der Liebherr-Radler L566 war eine der zahlreichen Weltpremieren im Jahr 2012 . Die Neuheiten für 2013 werden in einigen Wochen auf der Bauma präsentiert

Für Baumaschinenhersteller war 2012 ein anstrengendes Jahr. Mit dem Inkrafttreten der Stufe IIIB der Abgasgesetzgebung mussten völlig neue Gerätegenerationen entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Otto Singer und seine Mitarbeiter vom Liebherr-Werk Bischofshofen, wo für den internationalen Markt Radlader produziert werden, haben diese Herausforderung mit Bravour gemeistert. Die neue Baumaschinengeneration aus dem großen Liebherr Produktprogramm hat sich bereits im Praxistest bewährt. Im Bauzeitung-Interview gibt Singer einen Ausblick auf die Entwicklung des Baumaschinenmarkts und verrät, wie Liebherr den wirtschaftlich härteren Zeiten trotzen will.

Österreichische Bauzeitung: 2012 hatte es für viele Unternehmen in sich. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das vergangene Jahr zurück?

Singer: Rückblickend kann ich stolz sagen, dass wir die hohen Ziele, die wir uns selbst gesteckt haben, erreichen konnten. Viel wichtiger für mich ist jedoch, dass wir auch den Erwartungen, die Kunden an uns stellen, gerecht werden konnten. Kundennähe ist bei uns nicht nur ein Schlagwort, sondern wird in der gesamten Liebherr-Gruppe gelebt. Dadurch waren wir auch im vergangenen Jahr hinsichtlich der Absatzmengen sehr erfolgreich. 

Bauzeitung: Kundennähe ist auch das Motto der Liebherr-Roadshow, mit der Sie 2012 wieder ‚on tour‘ waren. Direkt im Anschluss zogen Sie ein positives Fazit. Schlug sich die Roadshow auch in den Verkaufszahlen nieder?

Singer: Die Roadshow in Österreich und in der Tschechischen Republik war ein sehr gutes Instrument, um die neuen Maschinen einem breiten Publikum vorzustellen. Der konzeptionelle Ansatz hat sich auch 2012 wieder zu 100 Prozent bestätigt, und die Weltpremieren aus dem Erdbau- sowie aus dem Hochbaubereich kamen bei den Kunden hervorragend an. Auch wirtschaftlich gesehen hat es sich  gelohnt. Einen Großteil der Geräte durften wir direkt von der letzten Roadshow in Markgrafneusiedl zu den Kunden liefern. Auch in den Wochen nach der Präsentation kam es zu vielen Kaufabschlüssen. Was mich neben dem positiven Kundenfeedback besonders freut, ist, dass die komplette Roadshow unfallfrei über die Bühne ging. Sicherheit ist uns bei diesen Veranstaltungen immer ein besonderes Anliegen. 

Bauzeitung: Ist bereits eine Entscheidung gefallen, ob das Roadshow-Konzept weitergeführt wird?

Singer: Wir denken in vernünftig großen Schritten, und drei Jahre sind eine lange Zeit, in der sich der Markt spürbar verändern kann. Wenn das Konzept 2015 nicht mehr aktuell ist, sind wir flexibel genug, um alternative Ideen zu realisieren. Momentan richtet sich unsere volle Konzentration auf die Bauma im April 2013. Danach sehen wir weiter.

Bauzeitung: Nicht ganz so erfreulich war im Herbst die Meldung, dass rund 240 Mitarbeiter aus dem Werk Bischofshofen auf Kurzarbeit geschickt werden mussten. 

Singer: Ab der zweiten Jahreshälfte  2012 zeichnete sich eine Stagnation des Marktes ab. Für 2012 hatte diese Entwicklung kaum spürbare Auswirkungen, aber in diesem Jahr wird der Rückgang der Investitionen zu Buche schlagen. Dank unserer Außendienstmitarbeiter haben wir viele Fühler am Markt und beobachten die Entwicklung sehr genau, um rechtzeitig reagieren zu können. Momentan entspricht die Produktionsauslastung unseres Werks in Bischofs­hofen leider nicht unseren Wünschen. Der Rückgang beläuft sich auf zehn Prozent – darauf mussten wir reagieren. Gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Belegschaftsvertretern wurde beschlossen, einen geringen Teil der Produktionsmannschaft in die Kurzarbeit zu schicken. Wir konnten unseren Mitarbeitern jedoch die Sicherheit geben, dass diese Maßnahmen zeitlich limitiert sind. Geplant ist die Kurzarbeit bis Mitte 2013, wir haben jedoch die Hoffnung, dass wir bereits früher wieder zum normalen Produktionszyklus zurückkehren können. 

Bauzeitung: Sind Premiumanbieter in wirtschaftlich angespannten Zeiten nach wie vor im Vorteil, oder weichen die Kunden momentan verstärkt auf das Mittelklassesegment aus?

Singer: In den Hype-Jahren sind wir als Premiumanbieter natürlich weit vorn. In Zeiten, wo das Geld knapp wird, ist der Kunde auch deutlich kritischer in seiner Entscheidung. Gerade jetzt sucht er vor allem die Sicherheit, und die können ihm Premiumanbieter am besten bieten. Wir betreuen unsere Kunden und unsere Geräte rund um die Uhr durch unseren „Service vom Hersteller“ und mit Tools wie z. B. Liebherr Parts24, damit die Maschinen jederzeit einsatzbereit sind. Die Effizienz steht bei Liebherr immer im Vordergrund. Am Ende des Tages ist es wichtig, dass der Kunde mit unseren Maschinen Geld verdienen kann. Nur so entsteht eine Win-Win-Situation für beide Seiten. 

Bauzeitung: Das Mietgeschäft ist für viele Unternehmen mittlerweile eine attraktive Alternative. Wie sehen Sie diese Entwicklung? 

Singer: Es stimmt, dass momentan ein Trend zur Miete zu beobachten ist. Der Kunde wartet lieber erst einmal ab und mietet. Diese Entwicklung ist aber nichts Neues. Liebherr unterhält in Österreich seit vielen Jahren große Mietflotten – sowohl im Erbaubereich als auch im Hochbaubereich. Damit und auch mit unserer Unterorganisation, den Liebherr-Mietpartnern, beherrschen wir alle Töne der Klaviatur, wie man so schön sagt. Die Unternehmen können die Maschinen – egal ob neu oder gebraucht – mieten und im Anschluss kaufen. Die Übergänge sind fließend. 

Bauzeitung: Um das Produktportfolio noch breiter aufzustellen, hat Liebherr im Oktober 2012 den deutschen Betonpumpenhersteller Waitzinger übernommen. Ist Akquisition ein Weg zum Wachstum? 

Singer: Mit dem Kauf der Waitzinger Baumaschinen GmbH konnte Liebherr das Produktprogramm der Liebherr-Betontechnik komplettieren. Die Betonpumpen waren unser Missing Link. Die Produkte werden nun über die weltweite Vertriebs- und Serviceorganisation von Liebherr verkauft. Künftig soll der Produktbereich Betonpumpen weiter ausgebaut werden. Wir investieren viel in unsere eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, aber in diesem Fall avancieren wir durch die Übernahme zum Komplett­anbieter im Bereich der Betontechnik. So eine Gelegenheit lässt man sich nicht entgehen. 

Bauzeitung: Das Produktportfolio wird kontinuierlich erweitert. Läuft man als Hersteller nicht irgendwann Gefahr, die Quantität des Angebots auf Kosten der Qualität zu steigern? 

Singer: Das große Produktprogramm ist bei uns über Jahrzehnte gewachsen, und jedes neue Produkt durchläuft einen ausgefeilten Produktentwicklungsprozess. Spitzenprodukte können nur dort entstehen, wo die Entwicklungskapazitäten und Produktionseinrichtungen den höchsten Maßstäben genügen. Die überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent sorgt für eine gesunde wirtschaftliche Basis und verschafft Liebherr ein hohes Maß an Unabhängigkeit bei strategischen Entscheidungen.

Bauzeitung: Können Sie uns abschließend bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die Bauma geben? 

Singer: Ich kann Ihnen so viel verraten: Liebherr wird 2013 mit mehr als 60 Exponaten auf der Bauma vertreten sein, und wir werden auch in diesem Jahr wieder mit über 13.500 Quadratmetern den größten Messestand haben. Den fulminanten Auftritt von 2010 werden wir wiederholen oder vielleicht sogar übertreffen. Auch bei unseren Neuheiten wird das Thema Effizienz im Fokus stehen. Alles Weitere sehen Sie, wenn Sie uns dort besuchen.

 

Autor/in:
Sonja Meßner
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