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Geöffnete Wandkonstruktion mit Gipsfaserplatten bei einem Fertigteil­gebäude. Die Dämmung wurde bereits entfernt. Fotos: SölknerVollständig durchnässte Gipskartonplatte eines Fertigteilgebäudes in Hagenau. Fotos: SölknerLediglich abblätternde Wandfarbe von Dichtbeton in Rodl.Fotos: SölknerGeringe Fleckenbildung auf Dichtbeton in Hagenau.Fotos: SölknerSchimmelbildung hinter einem Küchenschrank, eine Altlast vom Hochwasser 2002. Die Fußbodenkonstruktion wurde komplett ausgebaut. Fotos: SölknerGeöffnete Wandkonstruktion mit Gipsfaserplatten bei einem Fertigteil­gebäude. Die Dämmung wurde bereits entfernt. Fotos: SölknerVollständig durchnässte Gipskartonplatte eines Fertigteilgebäudes in Hagenau. Fotos: SölknerLediglich abblätternde Wandfarbe von Dichtbeton in Rodl.Fotos: SölknerGeringe Fleckenbildung auf Dichtbeton in Hagenau.Fotos: SölknerSchimmelbildung hinter einem Küchenschrank, eine Altlast vom Hochwasser 2002. Die Fußbodenkonstruktion wurde komplett ausgebaut. Fotos: Sölkner

Ein Hochwasser – fünf Bauweisen

02.08.2013

Wieder einmal hat Hochwasser die Bewohner im Einzugsgebiet von Donau und Inn in Angst und Schrecken versetzt. Das wirkliche Schadenausmaß an den Liegenschaften ist schwer abzuschätzen,viele Schäden zeigen sich erst nach längerer Zeit – ein Lokalaugenschein. 

Um sich ein Bild von der gegenwärtigen Situation der Betroffenen und ihrer Häuser machen zu können, begab man sich eine Woche nach der Katastrophe nach Hagenau und Rodl bei Ottensheim in Oberösterreich. Insgesamt wurden sechs Objekte besichtigt: zwei Fertigteilhäuser in Holzständerbauweise mit Mineralwolldämmung, ein Ziegelmassivgebäude mit Vollwärmeschutz, ein Wohnhaus in massiver Mischbauweise und zwei den Hochwasserschutzvorschriften des Landes Oberösterreich entsprechende Häuser, deren ebenerdige Keller in Dichtbeton ausgeführt wurden. Die Fertigteilhäuser und das Ziegelmassivgebäude, ein ehemaliger Gasthof, sind unterkellert. Der Keller ragt jeweils rund einen Meter aus der Erde. Die anderen drei Objekte haben keine unterirdischen Räumlichkeiten. 

Während in den Außenbereichen der Liegenschaften kaum noch etwas von dem vergangenen Hochwasser zu sehen war, stellte sich die Situation im Inneren der Gebäude ganz unterschiedlich dar. Die drei Objekte mit ebenerdigen Kellern waren zwar im Erdgeschoß von der Überflutung betroffen, die Wohngeschoße im ersten Stock blieben gerade noch verschont. Hingegen war bei den unterkellerten Gebäuden auch das Wohngeschoß einen guten Meter überflutet. Bei allen vorhandenen Bauweisen geht es prinzipiell um eine möglichst geringe Wasseraufnahme in die Konstruktion, vor allem aber um eine rasche Austrocknung derselben nach einem Hochwasserereignis. 

Feuchtigkeit und Luft

Ziegel nimmt Feuchtigkeit gut auf, ein positiver Aspekt für das Innenraumklima, er kann die aufgenommene Feuchtigkeit aber ebenso gut abgeben, wenn er Verbindung zu trockenerer Luft hat. Wichtig sind daher ein leicht trocknender Verputz und eine diffussionsoffene Wandfarbe. Sperrende Beschichtungen sind ungeeignet, denn hält die Oberfläche einer Wand Wasser von außen ab, verzögert sie vice versa die Austrocknung nach einem Wassereintritt. 

Dies gilt gleichermaßen für die Außenseite der Wände. Die vier älteren besichtigten Gebäude wiesen zusätzlich Schimmel auf, der auf eine schlechte Austrocknung nach dem Hochwasser 2002 zurückzuführen ist. Zu früh wurden damals Einrichtungs­gegen­stände an noch nicht gut ausgetrocknete Wände und in Raumecken gestellt. Stehende Feuchtigkeit und Luft führen so relativ rasch zur Bildung von verborgenen Schimmelherden. 

Zum Zeitpunkt der Besichtigungen wurden die massivsten Eingriffe in die Bausubstanz bei den beiden Fertigteilhäusern aus Holz getätigt. Die Gipskartonplatten der Wände mussten bis über die Hochwassergrenze geöffnet werden, denn sowohl das Plattenmaterial als auch die Wärmedämmung im Inneren waren selbst eine Woche nach dem Hochwasser noch vollständig durchnässt.

Dabei gilt es zu beachten, dass gewöhnliche Gipskartonplatten der Nässeeinwirkung nicht standhalten, Gipsfaserplatten ihre Stabilität deutlich besser halten und am geeignetsten zementäres Plattenmaterial ist. Dieses kann zumindest einseitig bestehen bleiben, wenn die Wände umgehend geöffnet werden, damit eine rasche Austrocknung sichergestellt ist. Das nasse Dämmmaterial hingegen ist vollständig zu ersetzen. Die Holzkonstruktion selbst war augenscheinlich intakt, jedoch musste in beiden Fertigteilhäusern die gesamte Bodenkonstruktion entfernt werden.

Kaum bemerkbar

Die beiden Betongebäude sind erst seit kurzer Zeit bewohnt (2011 bzw. 2012). Der Besitzer des Objekts in Rodl hat sich nach anfänglichem Widerstand gegen die Auflagen der Hochwasserschutzbehörde entschlossen, seinen ebenerdigen Keller in Dichtbeton um 40 cm höher als vorgeschrieben zu bauen. Das war sein Glück, denn das Hochwasser im diesjährigen Juni erreichte kurz unterhalb der Roh­deckenoberkante des Obergeschoßes seinen Höchststand. So wurde die Fußbodenkonstruktion gerade nicht mehr durchnässt. Eine Woche nach der Katastrophe blätterte im Keller nur die Farbe von den Wänden ab, während die maschinelle Austrocknung lief. Stärker betroffen waren die Elektro­installationen, die allerdings vollständig auf Putz ausgeführt waren. Bei dem Objekt in Hagenau konnte man, abgesehen von leichten Verfärbungen der Wandfarbe, kaum Spuren des vergangenen Hochwassers entdecken. 

Reißende Fluten

Kritische Bereiche einer Liegenschaft bei Hochwasser sind Fenster- und Türöffnungen. Große Risiken birgt der Versuch, das Wasser durch Verschließen der Öffnungen „aussperren“ zu wollen. Bei einem der besichtigten Fertigteilgebäude sorgte der hohe Wasserdruck von außen dafür, dass ein Kellerfenster mitsamt dem Rahmen aus dem Mauerwerk gerissen wurde. Beim alten Gasthof waren zahlreiche Fenster von außen sowie von innen beschädigt worden. Von außen brachte der hohe Wasserdruck die Scheiben zum Brechen, von innen führten herumschwimmende Gegenstände zu Glasbruch. Gegen diese unerwünschten Effekte helfen verschiedene Methoden: das Wasser ungehindert hereinlassen, indem Fenster und Türen geöffnet werden, oder die Fenster von außen mit druckbeständigen Platten verplanken und rechtzeitig die betroffenen Räumlichkeiten ausräumen.

Wichtig ist, dass bei Hochwassergefahr die wahrscheinlich überfluteten Geschoße rasch stromfrei gemacht werden können. Leidgeprüfte Hausbesitzer haben inzwischen den Hausanschlusskasten in ein Obergeschoß verlegt, damit im Hochwasserfall nicht das ganze Gebäude ohne Stromversorgung ist. Elektro-, Heizungsinstallationen und dergleichen sollten keinesfalls im hochwassergefährdeten Bereich installiert werden und, falls unbedingt nötig, wassersicher ausgeführt sein. Andere elektrische Geräte sind rechtzeitig zu entfernen. Eine fachgerechte Überprüfung der Installationen nach dem Hochwasser ist aber unumgänglich, damit die Sicherheit der Bewohner und die Funktionsfähigkeit der Elektrik gewährleistet sind. 

Über die tatsächlichen Kosten für die Sanierung von Gebäuden in Abhängigkeit ihrer Bauweise lassen sich derzeit keine gesicherten Angaben machen. Vor wenigen Wochen wurde von Instituten der Austrian Cooperative Research ein Projekt eingereicht, das hier Klarheit bringen soll. Gemeinsam mit Sachverständigen und Versicherungen sollen die technischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Katastrophenereignissen erforscht werden. Wird das Projekt genehmigt, wird es in etwa zwei Jahren Ergebnisse geben. Wie auch immer diese Ergebnisse aussehen werden, bleibt es in jedem Fall besser, wenn man schon in einem hochwassergefährdeten Gebiet baut, dies in der Form zu tun, dass man sich der Gefahren bewusst ist und dementsprechend sinnvolle Maßnahmen setzt. Schließlich will man sich ja nicht alle Jahre wieder mit aufwändigen und nervenaufreibenden Sanierungen herumschlagen müssen.


Zur Autorin

Petra Johanna Sölkner ist erfahrene Bautechnikerin und Ingenieurin am Bautechnischen Institut Linz. Sie betreut die Themengebiete Energie und Gebäude und ist an verschiedenen wissenschaftlichen Projekten beteiligt. Im Verband der Austrian Cooperative Research (ACR) leitet sie das Schwerpunktfeld „Nach­haltiges Bauen“, durch das u. a. kooperative Forschungsprojekte ­initiiert ­werden.

Autor/in:
Petra Johanna Sölkner
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