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Eine Frage, zwei Antworten

04.07.2014

Bauwerkshandbuch: Einnahmequelle oder Mehrbelastung?

Gewohnter Aufschrei:

Die Fremdüberwachung von Kraftfahrzeugen, Aufzügen, Rolltreppen und unzähligen anderen Einrichtungen des täglichen Gebrauches scheint uns selbstverständlich. Diese Überprüfungen resultieren aus der Tatsache, dass vielfach die notwendigen Instandhaltungen von Gebäuden – und damit die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflichten – nicht durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass der Gesetzgeber die schon bestehenden Überprüfungsroutinen auf Gebäude ausdehnt.

Ähnlich wie bei der Einführung des Mutter-Kind-Passes 1974 (damals wurde es als Entmündigung der Eltern verstanden, obwohl es viele Eltern „freiwillig“ nicht geschafft haben, mit ihrem Nachwuchs die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen zu absolvieren) wird die Einführung des Bauwerksbuches vielfach als Bevormundung des Liegenschaftseigentümers verstanden. Für die Ingenieurkonsulenten und Baumeister (diese waren als Überprüfer im Letztentwurf gar nicht vorgesehen) bieten die Überprüfungen sicherlich eine Einnahmequelle. Für die Eigentümer bedeuten die Überprüfungen geringe (im Vergleich zu den sonstigen besitz- und betriebsbedingten Kosten) zusätzliche  Aufwendungen.

Vertrauen:

Wie es in ähnlichen Situationen bereits der Fall war, kann aus der erwarteten Einnahmequelle für die Beteiligten schnell ein „das ist aber eh im Preis dabei“ werden oder der Druck entstehen, bei Mängeln beide Augen zudrücken zu müssen. Im Gegenzug kann bei den Gebäude­eigentümern Misstrauen entstehen, wenn jede Begehung zur Kontrolle in kleineren und größeren Sanierungsarbeiten endet. Die Erstellung eines ­klaren Leistungsbildes und die damit zusammenhängende Darstellung der Vorteile für den Gebäudebesitzer schaffen eine gute Grundlage, um für eine nachvollziehbare Leistung ein entsprechendes Honorar plausibel zu machen. Genauso wichtig ist es, dem Eigentümer die mit der Führung des Buches verbundene Haftung klarzumachen.

Die Möglichkeit, längerfristige Vereinbarungen über mehrere Jahre zu treffen, schafft die Grundlage einer für beide Seiten fairen Kalkulation und schließlich eine Vertrauensbasis. In diesem Sinne liegt es in der Verantwortung aller Beteiligten, seien es Planer oder Ausführende, das Gesetz in eine sowohl für die Immobilienbesitzer als auch für die Baubranche sinnvolle Umsetzung zu führen.

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