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Eine Frage, zwei Antworten

26.06.2014

Sind selbstheilende Baustoffe die Zukunft der Baustoffindustrie?

Nico Maierhofer, Leiter Gebäudetechnik Region Südosteuropa, Rehau

Beobachtend: Mit dem Thema „selbstheilender Kunststoff“ hat sich Rehau bisher nicht im Detail beschäftigt. Durch unsere PE-Xa-Technologie besitzen unsere Rohre eine hohes Rückstellvermögen (Memory Effekt), sodass Knicke und leichte Verformungen beseitigt werden können. Dabei bildet das peroxidisch vernetzte Polyethylen (PE-Xa) das Basismaterial, wobei die Vernetzung unter hoher Temperatur und hohem Druck mithilfe von Peroxiden direkt in der Schmelze stattfindet. 
Das „Selbstheilungssystem“ klingt prinzipiell äußerst interessant, jedoch kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen, ob sich diese Technologie auch im Bereich der Trinkwasser- und Heizungsinstallation durchsetzen kann. Im Bereich der Gebäudetechnik bestehen höchste Anforderungen hinsichtlich langfristiger Druck- und Temperaturbeständigkeit sowie Trinkwasserhygiene. Ob diese mit dem neuartigen Material erreicht sowie erfüllt werden können, bleibt abzuwarten.

Elmer Bölcskey, AO. Prof. TU Wien, Institut Hochbau und Technologie

Altmodisch: Seit der Barockzeit wird vermutet, dass die „historischen“ Kalk-(Putz-)Mörtel in der Lage sind, sich selbst zu revitalisieren. Dabei funktionieren Kalkklümpchen-Mörtelbestandteile als „verdecktes Kalzitreservoir“ zur kristallinen Risseverklebung bzw. -abdichtung. Bauforscher der TU Delft und der TU München versuchten im letzten Jahrzehnt diese Selbstheilungsmechanismen für Beton zu erforschen und mikrobiologisch zu modifizieren. Nach den Prinzipien der früheren Erkenntnisse, dass manche Putzarten bzw. Betonsorten Risse selbst abdichten oder verkleben können, werden kalzitproduzierende Bakterien als „Eingreifreserve“, die im Rissbereich „Biomineralien“ produzieren, zugemischt. Eine weitere, effiziente Selbstheilungsvariante wäre, das Schutzsystem z. B. in Form von Blähtonkugel-Vorratskapseln im Betonbauteil einzulagern und durch eine erfolgte Rissbildung zu aktivieren bzw. aufzubrechen. Ein Effizienznachweis des z. B. durch o. a. bakterielle Aktivität angestrebten Abdichtungs- oder Selbstheilungsprozesses könnte mit vergleichenden (bau)chemischen Analysen und mit Ultraschall- bzw. Röntgendiffraktometrie-Messungen erbracht werden.

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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