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Eine Frage, zwei Antworten

26.04.2014

Energiesteuer statt Emmisionshandel – Die Lösung für Europa?

Reinhard Schretter, Geschäftsführer Schretter & Cie GmbH & Co KG

Weit entfernt: Der CO2-Emissionshandel hat längst nicht jene Erwartungen erfüllt, die in ihn gesetzt waren. Er erzeugt Bürokratie in unsinnigem Ausmaß, schafft Ungerechtigkeiten zwischen den Marktteilnehmern, gefährdet die energieintensive europäische Industrie und damit die gesamte Wert­schöpfungskette, und es ist letztlich kein marktwirtschaftliches, sondern 
ein planwirtschaftliches Instrument. Das in dieses System investierte Gehirnschmalz würde ich viel lieber in neuen Produkten sehen.
Die Alternative „CO2-Steuer“ würde viele diese negativen Auswirkungen ausschalten – vorausgesetzt, sie ist maßvoll und behindert nicht die Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten. Ansonsten müsste man an entsprechende Schutzmechanismen denken, solange internationaler Gleichklang nicht geschaffen ist. Natürlich setzt eine derartige Steuer auch eine europaweite Harmonisierung der Energiesteuern voraus. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt.

Jürgen Schneider, Leiter des Bereichs Wirtschaft & Wirkung im Umweltbundesamt

Evolution: Das europäische Emissionshandelssystem wurde 2005 eingeführt, um den Treibhausgasausstoß zu möglichst geringen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken und damit einem der größten globalen Risiken zu begegnen. Kritik gab es in den vergangenen Jahren von allen Seiten: Von der Umweltseite wird angeführt, dass der derzeit niedrige Zertifikatspreis (fünf Euro / Tonne CO2) kaum Anreiz für Reduktionsmaßnahmen bietet und bei weitem nicht die externen Kosten widerspiegelt, die durch den Ausstoß verursacht werden. Vonseiten der Industrie wird auf die Gefahr der Abwanderung von energieintensiven Industrien in Länder ohne Klimaregime verwiesen. Trotz der Kritik ist es wichtig, den Emissionshandel weiterzuentwickeln. Auch in der EU, insbesondere in der Energieaufbringung, besteht noch gewaltiges Potenzial für Emissionsminderungen. Das europäische Handelssystem kann an im Aufbau befindliche ähnliche Systeme in anderen Ländern gekoppelt werden. Ziel muss es sein, dass ein echter Anreiz zur Verminderung der Treibhausgasemissionen gesetzt wird und Kohlenstoffdi­oxid­emissionen in Europa, in allen Industrie- und in Schwellenländern einen Preis erhalten, die den von ihnen verursachten Effekten entsprechen.

 

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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