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Eine Frage, zwei Antworten

17.02.2014

Was wirkt im Kampf gegen die Schattenwirtschaft am Bau? 

Friedrich Schneider, Wirtschaftsprofessor, Johannes-Keppler-­Universität

Dual: Zwei Drittel der Schattenwirtschaft am Bau kommen von der offiziellen Wirtschaft, selbstständig und unselbstständig Beschäftigten im Bau­bereich nach Feierabend. Diese „Nebenerwerbspfuscher“ tragen im offiziellen Job die volle Abgabenlast und versteuern „nur“ ihre schwarzen Überstunden nicht. Will man diesen Dual: Zwei Drittel der Schattenwirtschaft am Bau kommen von der offiziellen Wirtschaft, selbstständig und unselbstständig Beschäftigten im Bau­bereich nach Feierabend. Diese „Nebenerwerbspfuscher“ tragen im offiziellen Job die volle Abgabenlast und versteuern „nur“ ihre schwarzen Überstunden nicht. Will man diesen Teil der Schattenwirtschaft senken, helfen nur anreizorientierte Maßnahmen. Ein gutes Beispiel wäre der Handwerkerbonus, der die Schattenwirtschaft um circa eine Milliarde Euro senken würde. Ebenso könnte das Luxemburger Modell wirken, in dem in bestimmten Phasen, z. B. in konjunkturellen Schwächeperioden, die Mehrwertsteuer ausgesetzt wird und somit die Leistungen am Bau um 20 Prozent billiger sind. Mit diesen Maßnahmen würde es gelingen, einen Großteil des Pfuschs am Bau in die öffentliche Wirtschaft zu überführen. Ein Drittel des Pfuschs am Bau geht auf organisierte Kriminalität (2,63 Millionen Euro) zurück. Hier helfen nur drakonische Strafen und eine gute polizeiliche Ermittlungstätigkeit. Mit anreizorientierten Maßnahmen könnte der Pfusch am Bau um mindestens zwei bis 2,5 Milliarden Euro, durch die drakonischen Strafen um 500 Millionen Euro gesenkt werden.

Maria Epple, LIM Bau, Burgenland 

Übergreifend: Der Begriff der Schattenwirtschaft am Bau muss in zwei Bereiche getrennt werden – und zwar einerseits in den gewerblichen und andererseits in den privaten Pfusch. Im Bereich der gewerblichen Schattenwirtschaft sind drakonische Strafen ein nicht zielführendes Instrument, da diese durchwegs durch nichtösterreichische Firmen betrieben wird und es hier keine Möglichkeit der Vollziehbarkeit der Strafen gibt. Daher ist hier eine Initiative der Bundesregierung bei der EU notwendig, bei der die Vollziehbarkeit von Verwaltungsstrafen auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten gewährleistet werden muss. Im privaten Bereich würde es – im Sinne einer Abschreckung – eher Früchte tragen, wenn die Strafen für private Auftraggeber drakonisch erhöht werden würden. Jegliche Form von Anreizsystemen ist selbstverständlich zu begrüßen. Die Vermeidung von zusätzlicher Bürokratie und fehlender Treffsicherheit ist hinsichtlich Akzeptanz und Durchführbarkeit unbedingt vorab zu prüfen.

 

 

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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