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Eine Frage, zwei Antworten

27.01.2014

Wie stehen sie zur Vereinfachung der Bauordnungen?

Georg Binder, Geschäftsführer proHolz Austria

Hinderlich: Neun verschiedene Bauordnungen in einem doch kleinen Land wie Österreich stellen eine Herausforderung für alle Bauschaffenden dar. Die unterschiedlichen Bestimmungen erfordern individuelle Planungen und verursachen Mehrkosten, die auf die Wirtschaftlichkeit drücken. Daher sprechen wir uns für eine Vereinheitlichung aus, zumindest da, wo sie Sinn macht.

Topografische und klimatische Spezifika mögen manche Anpassungen erforderlich machen, nicht nachvollziehbar sind diese aber zum Beispiel beim Brandschutz. Es gibt keine sachliche Begründung, warum Holz in Vorarlberg anders brennen sollte als im Burgenland. Abgesehen von einer Harmonisierung sollten manche Richtlinien und Bestimmungen nochmals geprüft werden.

Beim Brandschutz etwa setzen wir uns für eine Entkoppelung der Anforderungen an Feuerwiderstandsklassen von jenen an die Brennbarkeit der Baustoffe ein. In Wien muss derzeit bei Wohngebäuden ab der Gebäudeklasse 5 für Holz die Nichtbrennbarkeit des Materials nachgewiesen werden. Das ist sehr aufwändig und ein Hindernis für den Holzbau.

Johann Jastrinsky Landesinnungsmeister Bau Salzburg

Zusammen: Für mich ist es sinnvoll, die Raumordnung und die Bebauungsgrundlagen in Länderkompetenz zu belassen. Für absolut sinnlos erachte ich, dass die bautechnischen Vorschriften in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt sind.

Standsicherheit oder Umweltschutz kennen keine Landesgrenzen. Die Bundesländer haben 2004 eine Vereinbarung über die Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften getroffen, das OIB arbeitete sechs Richtlinien aus. Das Vorhaben wurde ad absurdum geführt, die Länder übernahmen die Richtlinien nur teilweise, in alter Fassung oder gar nicht. Harmonisierung und Vereinfachung sehen anders aus!

Daher fordern wir eine Übernahme aller OIB-Richtlinien in der geltenden Fassung ohne Abänderungen, die Einführung eines ständigen Verbesserungsprozesses unter Einbindung aller Bundesländer und dass die Entscheidung, welche Regelungen in die OIB-Richtlinien aufgenommen werden, über Beschluss mit einfacher Mehrheit erfolgen: Neun Bundesländer haben neun Stimmen. Damit wären einheitliche bautechnische Vorschriften in ganz Österreich sichergestellt. 

 

 

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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