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Foto: SynthesaEinfach in der Verarbeitung und überzeugend durch Werte - Hanfdämmplatten bieten eine durchwegs grüne Alternative zu Polysteroldämmplatten. Foto: SynthesaEine Dämmung für alle Fälle – ob als Platte oder Rolle – bieten die Thermo-Hanf-Produkte.Fotos: Thermo-HanfEine Dämmung für alle Fälle – ob als Platte oder Rolle – bieten die Thermo-Hanf-Produkte.Fotos: Thermo-HanfFoto: SynthesaEinfach in der Verarbeitung und überzeugend durch Werte - Hanfdämmplatten bieten eine durchwegs grüne Alternative zu Polysteroldämmplatten. Foto: SynthesaEine Dämmung für alle Fälle – ob als Platte oder Rolle – bieten die Thermo-Hanf-Produkte.Fotos: Thermo-HanfEine Dämmung für alle Fälle – ob als Platte oder Rolle – bieten die Thermo-Hanf-Produkte.Fotos: Thermo-Hanf

Es dämmt so grün

06.09.2013

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um zwei vorwärts zu kommen und oftmals wächst die Lösung näher als man denkt. Hanf war und ist wieder Baustoff.

Schon in der Bronzezeit nutzte man beim Bau von Wänden das Wissen über natürliche Dämmung. So wurden auch damals schon zweischalig gebaut. Zwei mit Lehm beworfene Flechtwände wurden nebeneinander errichtet und der Zwischenraum mit trockenem Gras gefüllt. Eine Konstruktion, die auch heutigen Standards noch standhalten kann. 

Seit diesen Zeiten hat sich in der Dämmstoffbranche viel getan. Mineralwolle (Glas- und Steinwolle) und auf Polymer basierende Materialien (zum Beispiel: EPS, XPS oder PUR) dominieren mit Marktanteilen von rund 90 Prozent den europäischen Markt. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren wieder ein Trend hin zu Naturdämmstoffen entwickelt. Sowohl kleine als auch große Firmen folgten dem Trend, und plötzlich wurde auch Hanf wieder als Nutzpflanze entdeckt.

Eine Droge, eine Nutzpflanze

Der Anbau und die Nutzung von Hanf hatten in mitteleuropäischen Ländern eigentlich eine lange Tradition, wurden jedoch durch die Kriminalisierung der Pflanze als Droge komplett verdrängt. Als Mitte der 1990er-Jahre das Anbauverbot gekippt wurde, begannen Firmen in Österreich und Deutschland wieder Hanf anzubauen, mit dem Ziel, diesen als Dämmstoff zu nutzen. Die jahrelange Repression ist jedoch für österreichische Hanfbauern noch spürbar.

So ist der Anbau zwar mittlerweile per Saatgutgesetz der EU geregelt, die einheimischen Vorschriften diesbezüglich – Verwendungszweck und THC-Gehalt – findet man jedoch noch immer im österreichischen Suchtmittelgesetz. 

Beachtung als Baustoff

Der Firma Hock GmbH & Co. KG fiel dabei in Deutschland eine Vorreiterrolle zu. Ab 1996 wurde an der Idee eines Hanfdämmstoffs gearbeitet, 1998 erhielt das Produkt Thermo-Hanf die Bauzulassung. Was damals als kleines Unternehmen mit drei Arbeitern begann, gilt heute als einer der Vorzeigebetriebe in Sachen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. 2012 erhielt Hock für das Produkt Thermo-Hanf Plus den Deutschen Energiesparpreis in der Kategorie „Bauen und Modernisieren“. Diese Entwicklung blieb auch von Isover Saint-Gobain nicht unbemerkt. Mittlerweile werden Thermo-Hanf-Wolle, -Filz, -Filzstreifen, -Rollen und -Platten von der Firma vertrieben und decken so den Bereich natürlicher Dämmstoffe in der Produktpalette ab.

Auch die Firma Capatect erkannte den Trend des grünen Dämmens und entwickelte zusammen mit Naporo ein Wärmedämmverbundsystem aus Hanf. Unter dem Namen „Öko-Line“ wird das System, dessen Kern, die Naporo-Wall, aus österreichischem Hanf besteht, vertrieben. Mittlerweile wurde es mit dem ober­österreichischen Landespreis für Umwelt und Nachhaltigkeit sowie mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Naporo, ein Spezialist für natürliche Dämmstoffe, bietet darüber hinaus noch zwei verschiedene Dämmplatten aus Hanf sowie das System Naporo Clay, das als Putzträger oder als Installationsebene im Holzbau eingesetzt werden kann, an. Hanf als vielseitige Nutzpflanze erobert langsam, aber sicher die gesamte Bauindustrie.

Beachtung als Baustoff

Mittlerweile wird Hanf bei weitem nicht nur als Dämmplatte angeboten. Hanfdämmstoffe decken eine breite Palette ab, von Matten über Filze bis hin zur Stopfwolle wird alles erzeugt. Diese wird vor allem für Wärmeisolierungen, Dachsparren-, Kniestock-, Dachbodendecken-, Ständerwanddämmung und Trittschalldämmungen verwendet. Ebenso wird Hanf als loser Einblas- oder Stopfdämmstoff angeboten. Von der Dachdämmung über das Dämmen von Innen- und Außenwänden bis hin zur Dämmung in Decken oder als Trittschalldämmung im Bodenaufbau findet Hanf in der gegenwärtigen Baupraxis Verwendung. 

Zahlenspiele

Doch nicht nur in den verschiedensten Anwendungsgebieten kann Hanf als Dämmstoff punkten, sondern auch bei den trockenen Kennzahlen. Die Wärmeleitfähigkeit von Hanf liegt mit einem Lambda-Wert von 0,039 W/mK knapp unter der von weißem expandiertem Polystyrol (0,04). Daraus ergibt sich bei einer Dicke von zehn Zentimeter ein U-Wert zwischen 0,4 und 0,6 für Hanf. Wie auch die meisten anderen Naturdämmstoffe ist Hanfdämmung diffusionsoffen, der Wasserdampfdiffusionswiderstand folglich niedrig (µ = 1–2). 

Häufig begegnet man dem Irrglauben, dass Naturdämmstoffe extrem brandanfällig sind. Durch Beimischung von Soda erreicht Hanf jedoch die Brandschutzklasse B2 – normal entflammbar. Zusätzlich brennt Hanf aufgrund seiner Faserstruktur nicht, er glimmt nur. Auch Schimmelbefall oder Befall durch Nager spielt keine Rolle. Da die Fasern keine Nährstoffe enthalten, sind sie als Nahrung für Kleintiere uninteressant. Das Nistverhalten wird durch ein hohes Maß an Pressung unterbunden. Bestnote 0 gab es auch für Thermo-Hanf im Rahmen der deutschen Bauzulassungsprüfung im Bezug auf Schimmelbildung. Das Deutsche Institut für Bautechnik konnte kein Schimmelpilzwachstum feststellen.

Alles Bio?

Hanf wächst in unseren Breitengraden ohne Zusatz von Düngemittel problemlos, auch der Einsatz von Pestiziden ist nicht notwendig. Zusätzlich binden die Pflanzen in großen Mengen CO2. Dadurch ergibt sich etwa bei den Thermo-Hanf-Produkten laut Universität Stuttgart eine positive CO2-Bilanz, da die Belastung durch Saat und Produktion niedriger ist als das Einspeicherungspotenzial der benötigten Pflanzen. Zusatzstoffe zur Produktion braucht man, abgesehen von Soda für die Feuerfestigkeit, auch keine – einzig bei den zusätzlichen Stützfasern ist nicht immer alles biologisch abbaubar.

Oftmals werden Stützfasern auf Polyesterbasis den Hanfdämmplatten beigemengt, die nicht recycelt werden können. Werden diese aber durch Stützfasern aus Maisstärke ersetzt, ist die komplette Dämmung abbaubar. Eine durchwegs grüne Alternative zu vorherrschenden Dämmmaterialien, doch Qualität hat ihren Preis. 

Das liebe Geld

Ein wesentliches Argument für die Wahl des Dämmstoffs ist oftmals der Preis. Natürlich nachwachsende Dämmstoffe sind zumeist teurer als künstlich erzeugte. Der direkte Vergleich bestätigt den Preisunterschied, dieser ist aber bei weitem nicht mehr so eklatant wie noch vor wenigen Jahren. Für die Capatect-Hanffaserdämmplatte (Lambda-Wert = 0,038 W/mK) fallen Kosten von rund elf bis 112 Euro pro Quadratmeter, abhängig von der Plattenstärke, an. Die Capatect-Dalmatiner-Premium-Fassadendämmplatte (Lambda-Wert = 0,031 W/mK) aus EPS kostet vergleichsweise zwei bis 63 Euro pro Quadratmeter. 

Die von Isover vertriebenen Thermo-Hanf-Platten (Lambda-Wert = 0,041 W/mK) gibt es zwischen 13 und 46 Euro, die Thermo-Hanf-Rollen (Lambda-Wert = 0,041 W/mK) zwischen 13 und 20 Euro pro Quadratmeter, ebenfalls abhängig von der Dicke. Im Vergleich dazu kosten die hauseigenen Isover-EPS-F-Platten (Lambda-Wert = 0,037 W/mK) rund sieben bis 34 Euro.

Die Zukunft gehört ...

Wie man es auch dreht und wendet, der aktuelle Trend geht zu Niedrigenergie-, Passiv- und Plusenergiehäusern. Doch viele Bauherren schauen mittlerweile nicht nur auf einen grünen Standard nach, sondern auch schon vor und bei der Errichtung des Hauses. Dabei spielen natürliche Dämmstoffe eine übergeordnete Rolle, da gerade bei der Dämmung viel Potenzial für CO2-Einspaarung liegt. Hanf erfreut sich großer Beliebtheit, und auch wenn das Marktsegment der natürlichen Dämmstoffe noch klein ist, es wächst stetig. Wie der Markt in fünf Jahren aussehen wird, lässt sich schwer einschätzen, aber hält der Trend des ökologischen Bauens an, könnte Hanf dabei eine wesentliche Rolle spielen. 

 

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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