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„Während der  Entwurfsphase  lassen sich dank Tageslichtplanung mit minimalem ­Aufwand beste Ergebnisse erzielen.“ Foto: Velux„Die Übertechnisierung von Gebäuden wird zunehmend infrage gestellt,  und es wird mehr Wert auf weiche ­Faktoren gelegt.“ Foto: Gaulhofer„Durch Tageslicht­lenkung ist eine deutlich bessere Raumnutzung möglich.“ Foto: Internorm„Während der  Entwurfsphase  lassen sich dank Tageslichtplanung mit minimalem ­Aufwand beste Ergebnisse erzielen.“ Foto: Velux„Die Übertechnisierung von Gebäuden wird zunehmend infrage gestellt,  und es wird mehr Wert auf weiche ­Faktoren gelegt.“ Foto: Gaulhofer„Durch Tageslicht­lenkung ist eine deutlich bessere Raumnutzung möglich.“ Foto: Internorm

Es werde Licht …

27.01.2014

Die positive Wirkung von Tageslicht ist unumstritten – dennoch fristet das Thema in der Baubranche noch ein Schattendasein. 

 

Kaum einem schlagen die kurzen Tage im Winter nicht aufs Gemüt. Kein Wunder – es ist dunkel, wenn man das Haus verlässt, und es ist wieder dunkel, wenn man nach Hause kommt. Da bleibt nur wenig Zeit, die positive Wirkung von Tageslicht zu nutzen. Zudem verbringen wir laut einer aktuellen Studie der Donau-Universität Krems rund 92 Prozent unserer Zeit im Innenraum. Ein Faktor, der zwar bei de r Pl anung von öffentlichen Gebäuden und Bürobauten immer stärw ker berücksichtigt wird – bei Einfamilienhäusern allerdings noch immer sträflich vernachlässigt wird. „Auch Normen und Richtlinien gehen nicht im entsprechenden Maße darauf ein“, kritisiert Michael Walter, Geschäftsführer von Velux Österreich.

Das Bedürfnis nach Tageslicht ist bei weitem höher. „Wir haben den Eindruck, dass man sich mit den in der Norm geforderten Tageslichtquotienten nicht mehr zufriedengeben will und deutlich mehr Fenster einplant als früher“, kommentiert Manfred Gaulhofer, Geschäftsführer von Gaulhofer. 

Auf die Lage kommt es an

Aber nicht nur die Richtlinien hinken dem Trend zu großflächigen Ganzglassystemen hinterher. Auch in der Praxis gibt es in diesem Punkt noch einige Defizite. „Wir müssen lernen, Licht von Anfang an viel stärker in die Planung einzubeziehen. Dazu muss man sich intensiver mit der Lage des Gebäudes und mit den Nutzern beschäftigen“, so Gaulhofer. 

Neben optischen Gründen und Wohlfühlaspekten darf die technische Qualität des Fensters nicht vergessen werden. Hersteller bieten schon lange Fenstersysteme mit den verschiedenen Funktionen wie zum Beispiel Wärmeschutz, Hitzeschutz oder auch Schallschutz. „Süd- bis westseitig empfehlen wir ein Glas mit hohem g-Wert, was einem hohen Energiedurchlass entspricht. Nordseitig raten wir eher zu Fenstern mit höherem U-Wert“, erklärt Christian Klinger, Miteigentümer der Internorm International GmbH. 
Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tageslichtplanung erfordert Know-how und planerischen Aufwand.

Deshalb empfiehlt es sich, Tageslichtexperten bereits in der Entwurfsphase zu involvieren. So lassen sich mit minimalem Aufwand große Ergebnisse erzielen. Die Herausforderung liegt vor allem darin, ausreichend Tageslicht in die Raumtiefe zu bringen sowie eine gleichmäßige Beleuchtung im Raum sicherzustellen. Gleichzeitig müssen jedoch Blendung, sommerliche Überhitzung und ungewollte Einblicke vermieden werden. 

Wirtschaftlicher Nutzen      

 Wohlfühlen – schön und gut. Aber man muss sich dieses auch leisten können. In Zeiten von Energieausweis und Co spielen natürlich auch die Energieeffizienz und damit auch der wirtschaftliche Nutzen eine große Rolle. Die Energiebilanz zur jeweiligen Tageszeit errechnet sich aus dem Zugewinn an Energie durch die Sonneneinstrahlung (solarer Gewinn) minus Wärmeverlust durch das Fenster. Ist die Energiebilanz höher als null, dann fügt das Fenster dem Gebäude Energie zu.

„Noch vor wenigen Jahren war man bei großen Fensterflächen vor allem aus Gründen der Energieeffizienz zurückhaltend. Die Fensterindustrie hat aber enorme Fortschritte gemacht. Moderne Fenstersysteme weisen heute U-Werte auf, die mit einer normal 

gedämmten Außenwand gleichzusetzen sind. Es gibt also keinen Grund, beim Einsatz von Fenstern sparsam zu sein“, betont Manfred Gaulhofer. Auch die Energieeinsparungen für künstliche Beleuchtung durch optimierte Tageslichtlenkung dürfen vor allem bei Objektbauten nicht außer Acht gelassen werden.

Umsetzung in der Praxis

Doch der Trend zu mehr Tageslicht setzt sich langsam, aber sicher durch. „Wir merken eine Bewusstseinsänderung seitens der privaten Bauherren in Richtung gesundes Wohnen – das auch stark von einer guten Tageslichtplanung beeinflusst wird“, sagt Velux-Geschäftsführer Michael Walter. Als Vorzeigebeispiel nennt er das Objekt „Venusgarten“. Obstbauer Stefan Schauer entschied sich für einen modernen Aufbau auf seinem elterlichen Bauernhaus. Der Entwurf musste die schwierigen örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen, auf bis zu 650 Jahre alte Natursteinmauern bauen und einen modernen Wohnraum mit viel Lichteinfall in die dichtbebaute Nachbarschaft behutsam einfügen.

Das Ergebnis, umgesetzt durch die Velux-Tageslicht-Planerin Christina Brunner, entspricht nun dem Active-House-Standard. Ein Active House baut auf das optimierte Zusammenspiel von Energieeffizienz und dem Einsatz erneuerbarer Energien, einem angenehmen Innenraumklima und einer intensiven Beziehung zur Umgebung. 
Christoph Mayer, ein langjähriger Mitarbeiter von Gaulhofer, hat das Know-how und die Produkte von Gaulhofer für sein eigenes Wohnhaus genutzt. Die Fenster wurden genau nach den Kriterien – möglichst viel Tageslicht rein und möglichst viel Blickkontakt nach außen, und das mit einer Vielfalt an Fensterformen – geplant. Das Ergebnis überzeugt auf allen Linien.

Auch beim 2013 neu errichteten Bürogebäude von IFN/Internorm in Traun sowie bei den dazugehörenden sanierten Bauteilen spielt Nutzung und Lenkung von Tageslicht eine zentrale Rolle. Hier wurden durchgängig Gläser mit Solar+-Beschichtung in Kombination mit Raffstoren mit Tageslichttechnologie verwendet. Ein Steuerungssystem ermöglicht die automatische Reaktion der Haustechnik auf die Tageslicht-, Wind- und Temperatursituation. Die ersten Erfahrungswerte zeigen, dass die Verwendung der Tages­licht­lenkung eine deutlich bessere Raumnutzung ermöglicht.


Info

Tageslichtquotient
Der Tageslichtquotient (TQ) wird in vielen Ländern Europas als gängiges und einfaches Maß für den Tageslichteinsatz verwendet. Der TQ gibt an, welcher Anteil des außen verfügbaren Tageslichts bei bedecktem Himmel auf einer Innenfläche in der Höhe von 85 cm über dem Fußboden verfügbar ist. Je höher der Tageslichtquotient, desto mehr Tageslicht ist im Raum verfügbar. Räume mit einem Tageslichtquotienten von durchschnittlich zwei ­Prozent und mehr gelten als adäquat belichtet. Ein Raum wird als wirklich hell empfunden, wenn der TQ fünf Prozent und mehr beträgt.

Autor/in:
Sonja Meßner
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