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Fehler vermeiden – aber wie?

26.04.2014

Die Baubranche ist sich einig: Die größte Herausforderung sind Baufehler und daraus resultierende Schäden, so das Ergebnis der Expertenbefragung „Zukunft Bauen 2014“.

Bei der Befragung hat das Thema „Bauschäden“ alle anderen zur Diskussion gestellten Herausforderungen aus dem Stand überholt. Die detaillierte Untersuchung bringt weitere überraschende Ergebnisse.

Die befragten Expertinnen und Experten nennen als persönliche Erfahrung am häufigsten Fehler im Zusammenhang mit der Ausführung auf der Baustelle: Jeweils deutlich mehr als 50 Prozent erleben „häufig“ bis „immer“ „Fehler durch ungenügende Kommunikation zwischen Gewerken“ (Durchschnittsnote 3,61) und „Ausführungsfehler eines Gewerks“ (3,47); nur knapp dahinter liegen „Fehler aufgrund schlechter Baustellenorganisation/-koordination“ und „Fehler wegen ungenügender/fehlender Baustellenaufsicht“. Relativ gesehen am seltensten sind hingegen „Materialfehler“ und „konzeptionelle Fehler (vor Planung), z. B. Lage in Hochwasserzone“, die von deutlich mehr als 50 Prozent als „niemals“ bis „selten“ genannt werden. 

Baufehler in der Branche
Nach dem gleichen Schema wurde die Häufigkeit von Fehlern in der gesamten Baubranche abgefragt. Auch bei diesem „Blick auf die anderen“ ergibt sich die gleiche Reihenfolge. (Details zu dieser und anderen Fragen im kostenpflichtigen Gesamtbericht; Preise auf http://www.expertenbefragung.com/index.php/ueber-uns/zusatzleistungen.)

Kosten von Baufehlern 
Die Einschätzung der „Folgekosten von Baufehlern in Relation zu den Baukosten (Planung und Errichtung, ohne Grunderwerb und Infrastruktur)“ zeigt eine klare Tendenz: Je weiter entfernt ein Schaden eintritt, desto höher schätzt man die Kosten, die er verursacht. Sind es „im eigenen Betrieb“ fast genau „1 % bis 3 %“(Note 2,01), ergeben sich „in der gesamten Baubranche“ zwischen „3 % bis 5 %“ und „5 % bis 10 %“ (Note 3,61). Hochgerechnet liegen demnach die Kosten „im Durchschnitt pro Projekt“ im eigenen Betrieb bei 2,38 Prozent, in der Baubranche bei 6,60 Prozent. 

Wie entstehen Mängel und Schäden
16 vorgeschlagene mögliche Auslöser für Fehler waren mit Schulnoten („niemals“ bis „immer“) zu bewerten. „Kostendruck“ (4,10) und „Zeitdruck“ (3,92) werden am häufigsten genannt, am seltensten „durch den Hersteller bedingte Mate­rialfehler“ (2,28) und mit etwas Abstand „falsches Material für den beabsichtigten Zweck“ (3,05). Zusätzlich wurde untersucht, inwieweit Fehler in Abhängigkeit von Gebäudekonzepten und Baustoffen auftreten. Dazu wurden zusätzlich „Standardhaus mit herkömmlicher Heizung“ sowie fünf Typen mit unterschiedlicher Haustechnik vorgelegt. Wenig überraschend schneidet das „Standardhaus“ am besten ab (2,43): Fast 60 Prozent sehen hier Fehler „nie“ oder „selten, jedoch immerhin mehr als zehn Prozent „häufig“ oder sogar „immer“. (Details dazu, zu anderen Gebäudetypen sowie Baustoffen im kostenpflichtigen Gesamt-bericht.)

Baunahe Hilfe 
Die Durchschnittsnoten legen den Schluss nahe, dass nur gelegentlich bis selten Hilfe von außen in Anspruch genommen wird. Am ehesten werden Bausachverständige, etwas seltener Spezialisten für Bauschadenbehebung zurate gezogen; Rechtsanwalt oder Versiche-rung werden mehrheitlich „selten“ bis „nie“ gebraucht. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass Bausachverständige von 43 Prozent „immer“ oder „häufig“ konsultiert werden, Spezialisten für Bauschadenbehebung immerhin von 29 Prozent.

Bildung verbessert Qualität 
„Im gesamten Prozess von der Konzeption über Planung und Ausführung bis zum Wohnen/Nutzen inklusive Wartung und Pflege gibt es Möglichkeiten zur Verbesserung. Bei welchen der nachfolgend angeführten Maßnahmen sollte man ansetzen, wie wichtig / unwichtig sind diese Ihrer Meinung nach?“ Die Antworten zu dieser Frage zeigen, dass die Qualität verbessert werden kann, ja muss! 

Alle 15 angebotenen Items erscheinen als eher wichtig, werden jedoch klar differenziert: Aus- und Weiterbildung erscheint am wichtigsten, Zertifizierung und Kontrollen am wenigsten wichtig: Gleichauf an der Spitze liegen „Grundausbildung in Lehre, Fachschulen und Universitäten“ (1,40) und Weiterbildung zu neuen Bauweisen und Materialien“ (1,44), gefolgt von „Benutzerschulung“ (1,81) und „Weiterbildung in Bauschadenseminaren“ (2,00). Die relativ schlechteste Noten bekommen „Gebäudezertifizierung“ (2,83) und „Kontrollen durch Förderstellen/Baubehörden“ (2,78).

Autor/in:
Siegfried Wirth
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