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Grüne Lösung

10.12.2014

Die Schiefer an Dach und Fassade eines Einfamilienhauses in Stuttgart stehen symbolisch für den Wunsch der Bauherren nach einem ökologischen, nachhaltigen Plusenergiehaus. In einem inhomogenen Umfeld mit vielen unterschiedlichen Baustilen war es dem Architekten Prof. Andreas Löffler wichtig, einen ruhigen Kontrapunkt zu setzen. Dies gelang mit Schiefer in einer klaren monolithischen Bauweise.

Text: Gerhard Halama

So schlicht und unaufgeregt das Gebäude nach außen wirkt, so ambitioniert ist es im Detail. Die erfahrene Bauherrenschaft wünschte sich nämlich das finale, beste und ausgereifteste Haus, das ihre Haltung zur Umwelt und zum Leben widerspiegelt. Das neue Haus sollte keine Energie mehr verbrauchen, im besten Fall sogar Energie produzieren. 

Hochgedämmte Fassaden mit insgesamt 220 Millimeter dicker Dämmung und ein Dach mit 320 Millimeter Dämmung reduzieren den Energieverbrauch des Hauses auf ein Minimum. Große Fensterfronten im Süden nutzen die Kraft der Sonne. Die Sonnenwärme wird in schweren Kalksandstein-Mauerwerken gespeichert, sodass dieses Haus ein angenehm ausgeglichenes Klima bietet. Den geringen Restenergiebedarf deckt eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mithilfe einer 98 Meter tiefen Erdsonde. Im Winter wird das Haus mit der Energie aus dem Erdreich beheizt, im Sommer gekühlt. Den Strom für diese Technik liefern 22 Photovoltaikmodule mit einer Maximalleistung von 5.500 Wp.

Öko für Dach und Wand

Von zentraler Bedeutung für die Bauherren war die Wahl der Baustoffe. Für Dach und Wand sollten natürliche Materialien eingesetzt werden, die ohne Verbundbaustoffe sortenrein recyclebar sein sollten. Architekt Prof. Löffler nennt eine solche Bautechnik additiv. Dabei sind die Schichten der Außenhaut Lage für Lage aufgebaut und ebenso wieder rückbaubar. Die Außenhülle, so waren sich Bauherren und Architekt schnell einig, sollte aus natürlichem Schiefergestein bestehen. 
Nach der Besichtigung mehrerer schiefergedeckter Häuser entschieden sich die Bauherren für große geradlinige Schiefer von Rathscheck, weil diese bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ein besonders reizvolles Farbenspiel bieten. An der Fassade wurde die variable Deckung, auf dem Dach eine Rechteck-Doppeldeckung eingedeckt. Die Photovoltaikanlage ist darin elegant und fast unsichtbar integriert. Die Wärme, die unter einer solchen Photovoltaikanlage entsteht, wird über einen eleganten Schieferlüfterfirst abgeleitet.

Energie im Überschuss

Das Gebäude wurde in der Planungsphase am Computer simuliert, um das thermische Verhalten in den unterschiedlichen Jahreszeiten vorauszusehen. Nach den ersten Wintern steht fest, dass das hochgedämmte Bauwerk wie vorausberechnet funktioniert. Reinen Energiekosten von im Schnitt 100 Euro im Monat (1.200 Euro pro Jahr) stehen Solarstrom-Rückvergütungen in Höhe von 2.000 Euro pro Jahr gegenüber. Das heißt, dass dieses Haus Überschussenergie im Wert von 800 Euro produziert.
Bemerkenswert dabei: Der Bauherr nutzt die Photovoltaik auch zum Aufladen seines Mittelklasse-Plug-in-Hybrids. Das Schieferhaus ist demnach in Wirklichkeit noch viel grüner als gedacht und ein Beweis dafür, dass energieautarke Bauten aus ökologischen Baustoffen praktikabel sind. 


Bautafel

Objekt Einfamilienhaus in Stuttgart (D) 
Bauherr privat
Architekt Löffler 
Schmeling klimagerechte 
Architektur, Karlsruhe (D), www.loeffler-schmeling-architekten.de
Schiefer Rathscheck Schiefer, Mayen (D), www.rathscheck.de

 

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